Corona brachte 2020 die Mobilitäts-Delle

Thomas Dinse. Foto: opta data

(10/2021) Thomas Dinse, Key Account Manager, Geschäftsbereich Hilfsmittel und Medizintechnik, opta data Abrechnungs GmbH (Essen)
Will man die Entwicklung der Branche im Pandemiejahr 2020 fair beurteilen, lohnt es sich, die einzelnen Geschäftsfelder detaillierter zu betrachten. In diesem Beitrag wird speziell die Umsatzentwicklung bei Rollatoren und Elektromobilen analysiert. 

Gut, dass sich die Hilfsmittelbranche an die neue Versorgungs­situation unter Pandemie-Maßnahmen inzwischen gewöhnt hat. Mit einem Plus der Hilfsmittelausgaben der GKV von 2,79 Prozent in 2020 gegenüber 2019 erscheinen die Klagen der Sanitätshäuser über pandemiebedingte Umsatzeinbußen auf den ersten Blick nicht unbedingt schlüssig. Doch so einfach kann man sich das nicht machen. Die KV-Statistik verzerrt das Branchenbild, wenn man die Entwicklung „nur“ in der Gesamtheit betrachtet. Ja, wenig überraschend verzeichnet das Geschäftsfeld Medizintechnik ein sattes Plus. Die klassischen Bereiche, also Orthopädie-, Reha- oder auch Orthopädieschuhtechnik weisen dagegen rückläufige Umsätze mit der GKV aus. Auf der Ausgabenseite kamen 2020 noch erhöhte Kosten für pandemie-bedingte Mehraufwände bei der Versorgung hinzu. 

Einfluss der Pandemie
Deshalb wird an dieser Stelle beispielhaft die Entwicklung bei Rollatoren und Elektromobilen im Jahr 2020 mit Blick auf die Vorjahre 2018 und 2019 detaillierter betrachtet. Grundlage der Analyse sind die auf den Gesamtmarkt hochgerechneten Verordnungszahlen aus der Opta-Data-Rezeptdatenbank. Bei Rollatoren werden die Anzahl der Verordnungen in den Produktuntergruppen 10.46.04.xxxx, 10.50.04.xxxx und 10.50.05.xxxx kumuliert dargestellt, bei Elektromobilen die 18.51.05.xxxx. Berücksichtigt wurden Verordnungen mit den Hilfsmittelkennzeichen 00, 02, 06, 08 und 09. Die Fragestellung der kleinen Analyse lautet: Welchen Einfluss hatte die Pandemie 2020 im Detail auf das Versorgungsgeschehen mit den genannten Produkten? In Grafik 1 ist der Einfluss der Pandemie gut erkennbar. Besonders im 2. Quartal, aber auch noch im 3. Quartal 2020, war die Anzahl der Verordnungen rückläufig. Berücksichtigt werden muss bei der Bewertung, dass Versorgungen mit einer gut vierwöchigen Verzögerung abgerechnet werden. Erst im 4. Quartal ist wieder eine moderate Steigerung der Verordnungen erkennbar. Es scheint, dass im Jahresverlauf die eine oder andere Versorgung aufgeschoben wurde. Im Jahresvergleich liest sich die Entwicklung dann so: Mit minus 2,76 Prozent schnitten Rollatoren 2020 gegenüber 2019 ab. 3,6 Prozent verlor diese Produktuntergruppe 2020 gegenüber 2018. Ein ähnliches Bild zeigt die Entwicklung der Verordnungen von Elektromobilen (18.51.05.xxxx). Legte der Umsatz im 1. Quartal noch kräftig zu gegenüber 2019, schwächte sich die Anzahl der abgerechneten Rezepte in dieser Produktuntergruppe im 2. und 3. Quartal deutlich ab: Die Corona-Delle ist unübersehbar. Das 4. Quartal erreicht ungefähr wieder das Niveau von 2019. Der Jahresvergleich 2019/2020 zeigt, wie stark das Infektionsgeschehen die Verordnung von Elektromobilen beeinflusst hat: Rund 4,8 Prozent Versorgungen gab es in 2020 weniger als in 2019. Verglichen mit dem Jahr 2018 wurde 2020 allerdings eine kleine Steigerung bei den Verordnungszahlen verzeichnet.

Grafik 1: Anzahl Verordnungen Rollatoren. Grafik: opta data Grafik 2: Anzahl Verordnungen Elektromobile. Grafik: opta data

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