Persönliche Schutzausrüstung

Foto: Klaus Hausmann / Pixabay

Anzeige

Immer mehr Krankenkassen zahlen Hygienepauschale

(MTD/aktualisiert 11.5.2021) Erste Krankenkassen bezahlen Leistungserbringern bereits eine Hygienepauschale und immer mehr ziehen nach.

Nach KKH und DAK haben nun auch die Techniker Krankenkasse (TK) und die Barmer eine entsprechende Übersicht veröffentlicht. Die Regelungen gelten rückwirkend zum 1. März und vorerst bis zum 30. Juni.

Für die pauschale Vergütung sei kein Abschluss einer gesonderten Vereinbarung zwischen TK und Leistungserbringern notwendig. Voraussetzung sei, dass ein Versicherter einer medizinisch notwendigen Hilfsmittelversorgung bedarf, „bei der eine körperliche Nähe unabdingbar ist“ (z. B. notwendige Anpassungen, bei denen die Mitwirkung der Versicherten erforderlich ist). Der Versicherte muss Zuhause, in einer Pflegeeinrichtung oder im Krankenhaus aufgesucht werden. Die Hygienepauschale kann ausschließlich in der Abrechnung zusammen mit der Hauptleistung geltend gemacht werden. Sie ist nicht genehmigungspflichtig und es ist kein Kostenvoranschlag erforderlich, muss aber bei der Berechnung der gesetzlichen Zuzahlung berücksichtigt werden. Weitere Details sowie eine FAQ-Liste zur „Persönlichen Schutzausrüstung (PSA)“ sind abrufbar.

Bei der Barmer gelten die gleichen Pauschalsätze und Regelungen wie bei der TK. Allerdings weist die Barmer darauf hin, dass keine Notwendigkeit für einen allgemeinen pauschalierten „Hygienezuschlag“ für diejenigen Produkte besteht, die in den Betriebsräumen des Leistungserbringers oder per Versand abgegeben werden. In diesen Fällen sei davon auszugehen, dass kein direkter Kontakt von mehr als 15 Minuten bei weniger als 1,5 Meter Abstand zum Versicherten entstehe. Ein deutlich erhöhter Hygieneaufwand bestehe bei Versicherten, die Zuhause, in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern aufgesucht werden müssen. Die Regelung gilt ausschließlich für aufsuchende persönliche Kontakte, die ab dem 1.3.2021 erbracht wurden und endet automatisch am 30.6.2021.

Weitere Kassen schließen sich an

Auch die AOK Bayern und die Landesinnung Bayern für Orthopädietechnik haben eine Vereinbarung über eine Hygienepauschale getroffen, die zum 1. April in Kraft getreten ist und vorderhand bis zum 31. Mai 2021 verlängert wurde.

In der ersten Aprilwoche ist auch die Hanseatische Krankenkasse (HEK) nachgezogen. Die Abrechnung von Hygienepauschalen aufgrund des erhöhten Aufwands im Kontext der Pandemie gilt vom 1. März bis 30. Juni 2021. Dafür sei es nötig, die Versicherten zu Hause, in Pflegeeinrichtungen oder in Kliniken aufsuchen zu müssen.

Ebenso bietet neuerdings die AOK Baden-Württemberg ihren Vertragspartnern in der Hilfsmittelversorgung – unter bestimmten Voraussetzungen – die Abrechnung einer Hygienepauschale an. Die Regelung gilt vom 15.4. bis zum 30.6.2021; maßgeblich ist der Tag der Abgabe des Hilfsmittels.

Stomaversorgung: HKK vereinbart genehmigungsfreie Abrechnung von Hygienepauschalen

Aufgrund des weiteren Andauerns der Corona-Pandemie hat nun auch die HKK eine Vereinbarung für die genehmigungsfreie Abrechnung von Hygienepauschalen im Rahmen der Versorgung mit Stomaartikeln mit einem Leistungserbringer ausgehandelt. Diese Vereinbarung soll, so die HKK gegenüber der MTD-Redaktion, „zeitnah“ und „aktiv“ auch jedem ihrer Vertragsteilnehmer aus dem Stomabereich angeboten werden.

Die Hygienepauschale kann für die Versorgung der Versicherten der HKK mit Stomaartikeln einmalig je Versichertem genehmigungsfrei abgerechnet werden, wenn der Leistungserbringer den Versicherten mindestens einen Kalendermonat mit Stomaartikeln versorgt hat. Die Hygienepauschale kann durch den Leistungserbringer nicht mehrfach je Versicherten abgerechnet werden. Diese Vereinbarung tritt am 1. Juni 2021 in Kraft und gilt für Leistungen aus dem Vertrag über die Versorgung mit Stomaartikeln rückwirkend ab dem 1. Januar 2021. Die Vereinbarung gilt für die Dauer der Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite infolge der COVID-19-Pandemie. Einer schriftlichen Kündigung bedarf es nicht.

Hygieneausgleich auch bei AOK Plus, IKK Classic und Mobil Krankenkasse

Der Verband Versorgungsqualität Homecare (VVHC) hat gleich mit mehreren Krankenkassen Vereinbarungen getroffen. Dazu gehört die Mobil Krankenkasse, bei der die Vereinbarung für alle Mitglieder des VVHC und deren Verbundgruppen gilt, die mit ihr einen entsprechenden Vertrag geschlossen haben. Für die Bereiche Stomaartikel, ableitende Inkontinenzhilfen, Hilfsmittel zur enteralen Ernährung und Hilfsmittel bei Tracheostoma und Laryngektomie wurde eine gesonderte Pauschale je Versicherten pro Kalendermonat definiert. Für die Infusionstherapie (parenterale Ernährung und Schmerztherapie) einigten sich beide Seiten auf eine einmalige Zahlung. Die Beträge gelten nicht für das reine Versand- oder Ladengeschäft, sondern sind an die in den Verträgen nach § 127 Abs. 1 SBG V definierten Service- und Dienstleistungsregelungen gekoppelt. Der Hygieneausgleich gilt rückwirkend ab 1. Januar 2021 und weiter für die Dauer der Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite.

Die Mobil Krankenkasse gewährt überdies auch weiteren Leistungserbringern im Hilfsmittelbereich zeitlich befristet einen Zuschlag für den entsprechenden Hygieneaufwand. Ein deutlich erhöhter Hygieneaufwand liegt dann vor, wenn die Versicherten zu Hause, in Pflegeeinrichtungen oder in Krankenhäusern aufgesucht werden müssen. Die Regelung trat am 15. Mai 2021 in Kraft. Sie gilt ausschließlich für aufsuchende persönliche Kontakte, die seit dem 1. Mai 2021 erbracht wurden und endet am 30. August 2021. Einer schriftlichen Kündigung bedarf es nicht. Die Mobil Krankenkasse wird vor Ablauf der Vereinbarung prüfen, ob eine Verlängerung notwendig ist. Leistungserbringer, die die Regelung in Anspruch nehmen möchten, sollen eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit den teilnehmenden IKs senden.

Anfang Mai hat der VVHC zudem mit der IKK Classic auf einen Hygieneausgleich im Bereich Homecare geeinigt. Vorgesehen sind Einmalbeträge bei Erstversorgung je nach Therapiebereich. Entsprechend abgerechnet werden kann genehmigungsfrei für alle Versorgungen rückwirkend zum 1. April 2021. Die Vereinbarung gilt vorerst bis zum 30. Juni 2021 und kann bei bestehender pandemischer Lage verlängert werden.

Auch mit der AOK Plus Sachsen/Thüringen hat der VVHC eine Hygienepauschale im Bereich Stomaversorgung vereinbart. Grundlage dafür bildet eine Vereinbarung der Landesinnung Sachsen/Thüringen, die im Vorfeld Gespräche mit der AOK Plus geführt hat. „Aus diesem Vertrag zwischen der Landesinnung und der AOK haben wir den Bereich der Stomaversorgung adaptiert und eine eigene Vereinbarung getroffen“, so Norbert Bertram, Geschäftsführer des VVHC, gegenüber MTD-Instant. Die Vereinbarung trat am 1. Mai in Kraft und gilt bis 31. Dezember 2021. Zudem befände man sich mit Blick auf den Abschluss weiterer entsprechender Vereinbarungen mit Krankenkassen auf der Zielgeraden, betonte Bertram.

Außerdem hat die AOK Plus Zusatzvereinbarungen mit dem Fachverband für Orthopädie- und Rehabilitationstechnik, Sanitäts- und medizinischer Fachhandel Sachsen und Thüringen e. V. und den Landesinnungen für Orthopädie-Schuhtechnik Sachsen und Thüringen abgeschlossen. Diese sollen die erhöhten Aufwendungen der Leistungserbringer für die persönliche Schutzausrüstung ausgleichen. Wie die AOK Plus auf Anfrage der MTD-Redaktion ausführte, stellt sie damit „eine angemessene Beteiligung an den Kosten für die erhöhten Hygienemaßnahmen im Rahmen der Covid-19-Pandemie für die verschiedenen Versorgungsbereiche sicher“. Mit der „schnellen und unbürokratischen Lösung“ unterstütze man die Leistungserbringer in der Pandemie. Die Vertragspartner erhöhten temporär die Preise für ausgewählte, häufig angewendete Vertragspositionen in der Orthopädie- und Rehatechnik, Orthopädieschuhtechnik und im Homecare-Bereich, konkret in den Produktgruppen 05, 23, 29, 31 und 19/50. Die erhöhten Preise gelten unabhängig von der weiteren Entwicklung mindestens bis 31.12.2021.

Auch Novitas BKK mit zeitlich befristeten Hygienepauschalen

Für die Hilfsmittelversorgungen mit coronabedingtem Mehraufwand bietet seit Mitte Mai auch die Novitas BKK eine befristetete Regelung für die Abrechnung von Hygienepauschalen an. Ein deutlich erhöhter Hygieneaufwand existiert nur bei Versorgungen, die im häuslichen Umfeld der Versicherten, in Pflegeheimen oder Krankenhäusern stattfinden müssen. In Abhängigkeit der jeweiligen Versorgungssituation (ohne bzw. mit nachgewiesener Corona-Infektion/begründetem Verdachtsfall) können zwei unterschiedliche hohe Hygienepauschalen je aufsuchendem persönlichen Kontakt direkt abgerechnet werden. Diese Regelung tritt rückwirkend zum 1. Mai 2021 in Kraft und endet, ohne dass es einer Kündigung bedarf, am 30. Juni 2021. Die Novitas BKK wird vor Ablauf der Vereinbarung prüfen, ob eine Verlängerung notwendig ist.

 

Alle Angaben ohne Gewähr.

 

© MTD-Verlag 2021

Ihnen hat dieser Artikel gefallen? Dann lernen Sie den wöchentlich erscheinenden Branchen-Informationsdienst „MTD-Instant“ noch besser kennen. Bestellen Sie Ihr Test-Abonnement hier.