DIHK-Gesundheitsreport: Flügellahme Medizintechnik-Branche

(07/2022) Der aktuelle DIHK-Gesundheitsreport/Jahresbeginn 2022 mit dem Titel „Unsicherheiten belasten die Gesundheitswirtschaft“ macht vor allem eines deutlich: Die Stimmung in der deutschen Medizintechnik-Branche ist so schlecht wie lange nicht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Vor allem das nun schon gut zwei Jahre währende Stakkato verschiedenster Krisen-Szenarien hinterlässt Spuren.

Die Geschäftslage der Medizintechnik hat sich gegenüber Herbst 2021 deutlich verschlechtert. So bezeichnen 38 Prozent der Unternehmen der deutschen Medizintechnik ihre Geschäftslage als „gut“. 17 Prozent ordnen sie als „schlecht“ ein, wodurch sich ein Saldo von 21 Punkten ergibt (zuletzt 40 Punkte). Zum Vergleich: Vor der Corona-Pandemie lag der Saldo zuletzt im Jahr 2010 auf diesem niedrigen Niveau. 

Trübe Erwartungen

Hinsichtlich der Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate setzt sich der negative Trend in der Medizintechnik fort. Seit der Herbstumfrage 2020 (34 Punkte) blicken die Unternehmen immer weniger optimistisch in die Zukunft (aktuell 9 nach zuletzt 18 Punkten). Auf diesem niedrigen Niveau war die Erwartungshaltung – abgesehen vom Beginn der Corona-Krise – zuletzt im Jahr 2009. Negativ wirkt sich laut DIHK-Gesundheitsreport auch die EU-Verordnung über Medizinprodukte (MDR) aus. Sie wird als allgemeine Belastung für die Branche wahrgenommen. 

Zeit der Krisen

Vor allem das momentane Allzeithoch bei Rohstoff- und Energiepreisen macht den energie- und rohstoffintensiven Branchen der Medizintechnik (81 %) zu schaffen. Zum einen sehen sich die Unternehmen mit globalen Lieferkettenstörungen und damit verbundenen Preissteigerungen etwa bei Kunststoff konfrontiert. Zum Tragen kommt aber auch die Unsicherheit vieler Unternehmen, welche Kosten mit der Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft, z. B. durch CO2-Bepreisung und Umsetzung des Green Deal, mittel- und langfristig auf sie zukommen werden. 

Lieferengpässe torpedieren Exportgeschäft

Auch hinsichtlich der Exporterwartungen hat sich – ein weiteres Ergebnis des Reports – der Optimismus in der Medizintechnik eingetrübt (16 nach zuletzt 29 Punkten). Damit bleibt die Medtech-Branche laut DIHK-Analyse erstmals hinter den Erwartungen der Industrie insgesamt zurück (hier 20 Punkte). 

In der Medizintechnik sind die Exporterwartungen zudem deutlich unterdurchschnittlich  ausgeprägt (langjähriger Durchschnitt 36 Punkte). Risiken birgt dabei weniger eine nachlassende Auslandsnachfrage, denn die Auftragsbücher sind noch gut gefüllt. Nur 27 Prozent der Unternehmen der Medizintechnik sehen das als Geschäftsrisiko – der niedrigste Wert seit Jahresbeginn 2011.
Vielmehr stellen Störungen in der globalen Logistik, Lieferschwierigkeiten und Preissteigerungen bei Vorleistungen und Energieträgern Herausforderungen im Auslandsgeschäft dar. So haben 42 Prozent der Betriebe angegeben, dass sie in erheblichem Umfang mit Lieferengpässen konfrontiert sind. 

Deutlich weniger Investitionen

Auch die Investitionsabsichten in der Medizintechnik sind im Sinkflug (11 nach zuletzt 29 Punkten). Nur noch 46 Prozent der Betriebe wollen in Produktinnovationen investieren (zuletzt 53 %) – der niedrigste Wert seit Frühsommer 2015. Entsprechend deutlich reduzieren die Betriebe der Medizintechnik auch ihre Beschäftigungsabsichten – allerdings von einem hohen Niveau kommend (17 nach zuletzt 32 Punkten), konstatiert der Gesundheitsreport.  

 

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