Arzt betreibt Praxis und Sanitätshaus gleichzeitig: 1000-facher Betrug und 500.000 Euro Schaden

Arzt betreibt Praxis und Sanitätshaus gleichzeitig: 1000-facher Betrug und 500.000 Euro Schaden. Foto: Edward Lich/Pixabay

(22.10.2022) Eine Arztpraxis und ein Sanitätshaus gleichzeitig zu betreiben, das war das lukrative und gleichzeitig verbotene Geschäftsmodell eines Arztes aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim. 

Laut Staatsanwaltschaft soll er in knapp 1.000 Fällen einen Gesamtbetrag von 500.000 Euro mit den Krankenkassen falsch abgerechnet haben. Dafür musste er sich im September vor dem Landgericht Schwerin wegen Betrugs und Untreue verantworten.

Wie die „Schweriner Volkszeitung“ berichtete, habe der Angeklagte zwischen 2015 und 2018 als Unfallchirurg und Orthopäde eine Praxis und in denselben Räumlichkeiten ein Sanitätshaus geführt – letzteres jedoch ohne Ladengeschäft, ohne Werkstatt und ohne Laufkundschaft. Für beides sei er qualifiziert gewesen. Auch habe er seine Patienten "natürlich" darauf hingewiesen, dass man die von ihm verordneten Hilfsmittel wie Bandagen und Prothesen direkt bei ihm bekomme. 90 Prozent der Kunden seien dem Vorschlag gefolgt und hätten das Rezept bei ihm eingelöst.

Sanitätshaus und Praxis gleichzeitig betrieben: Arzt sieht sich im Recht

Laut Bericht hat der Arzt den Betrugsvorwurf angezweifelt. Anhand seiner Abrechnungen und der Kostenvoranschläge für Prothesen sei eigentlich nicht zu übersehen gewesen, dass Praxis und Sanitätshaus in denselben Räumen untergebracht waren. Nur eine Krankenkasse sei ihm gegenüber misstrauisch gewesen. Kaum habe er seine Praxis eröffnet, habe diese einige seiner Patienten mit Fragen zu seiner Arbeit kontaktiert. Dass er beides gleichzeitig betrieb, habe zudem bei einer anderen Krankenkasse zu Nachfragen geführt, letztlich habe aber auch diese die notwendigen Verträge mit ihm geschlossen.

Der Prozess endete für den Arzt mit einem Deal: Das Landgericht Schwerin hat das Strafverfahren gegen ihn vorläufig eingestellt, vorausgesetzt er zahlt bis März nächsten Jahres 100.000 Euro Strafe; 30.000 Euro gehen an die Staatskasse, 70.000 Euro an die Krankenkassen.

 

© MTD 2022

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