eurocom-Mitgliederbefragung 2022/Hilfsmittelmarkt: Die Lage ist angespannt


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(11/2022) Wie schätzen die Mitglieder der eurocom die Lage des Hilfsmittelmarktes und seiner Rahmenbedingungen in Deutschland ein? Antworten gibt die aktuelle Mitgliederbefragung des Verbandes, die im Mai und Juni 2022 mit einer Beteiligung von 81 Prozent der eurocom-Mitglieder durchgeführt wurde.

Ein großes Thema für alle Befragten sind die Folgen von Pandemie und Krieg: Kostensteigerungen durch gestiegene Energie- und Rohstoffpreise sowie durch höhere Logistik- und Transportkosten stellen aktuell das größte Markthemmnis dar. 100 Prozent der Befragungsteilnehmer sind davon betroffen. 83 Prozent von ihnen können Kostensteigerungen gar nicht oder nur teilweise an den Markt weitergeben. 69,2 Prozent identifizieren vor allem die in den Versorgungsverträgen langfristig festgelegten Erstattungspreise als Hauptursache.

Um auf Dauer verlässlich produzieren und versorgen zu können, dürften Preissteigerungen nicht einseitig zu Lasten der Hersteller und Leistungserbringer gehen, stellte Oda Hagemeier, Geschäftsführerin eurocom, fest: „Deshalb müssen Festbeträge und Verträge nach objektiven Kriterien flexibel anpassbar sein.“

Engpässe und MDR

31 Prozent der Befragten befürchten einen Engpass in der Hilfsmittelversorgung. Erschwerend komme hinzu, dass zwar sämtliche Teilnehmer die Medical Device Regulation umgesetzt haben, diese sich allerdings für 92,9 Prozent als größter regulatorischer Kostentreiber darstellt.

Erneut ist Deutschland der wichtigste Markt für über 80 Prozent der Befragten, die sich insgesamt wieder innovationsbereit zeigen: Nachdem pandemiebedingt 46 Prozent der für 2020 bis 2022 geplanten Markteinführungen verschoben werden mussten, investieren jetzt wieder 86 Prozent der Teilnehmer in neuartige Hilfsmittel.

Aufnahme ins HMV bremst aus

Dies steht in starkem Kontrast zur Bremswirkung, die das unsichere Aufnahmeverfahren neuartiger Produkte in das Hilfsmittelverzeichnis (HMV) für eine Mehrheit der Unternehmen nach wie vor erzeugt: Über 60 Prozent der Unternehmen bewerten das als größtes Innovationshemmnis.

Aufnahmeanträge neuartiger Hilfsmittel wurden bei 60 Prozent der Befragten abgelehnt, bei 53 Prozent betraf dies mindestens drei Neuentwicklungen. Ablehnungen erstrecken sich sogar auf bereits bekannte Hilfsmittel. Das stellt über ein Drittel der Befragungsteilnehmer fest. Bei 70 Prozent von ihnen sind gleich mehrere Produkte betroffen, bei 50 Prozent mindestens drei.

Hagemeier: „Damit Patienten ungehinderten Zugriff auf innovative Hilfsmittel haben, muss deren Aufnahme beschleunigt werden. Denn das Hilfsmittelverzeichnis hat eine marktsteuernde Wirkung, auch wenn es sich nicht um eine Positivliste handelt. Wir brauchen ein standardisiertes Verfahren, insbesondere zur Anerkennung des medizinischen Nutzennachweises.“ Deshalb fordert die eurocom ein obligatorisches Beratungsgespräch, das die Vereinbarungen zwischen Antragsteller und GKV-Spitzenverband regelt, sowie die Einführung eines Fast-Track-Verfahrens für Hilfsmittel, die als Alternativen zu bereits gelisteten Produkten gelten.

 

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