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Knallharte Kostendiskussion

(MTD/1.3.2011) Möglichst viel gute Produktqualität für immer weniger Geld – wer will das nicht? Vor allem die Einkäufer auf Klinikseite sind darauf programmiert. Beim „2. Beschaffungskongress der Krankenhäuser” in Berlin vertraten sie diesen Standpunkt vehement. Muss sich die Industrie noch wärmer anziehen?

Geld ist knapp

Die Rahmenbedingungen für Kliniken sind prekär. Helmut Drummer (Leiter Materialwirtschaft und Qualitätsmanagement, Diakonie-Klinikum Stuttgart) weiß: Die Politik dreht den Krankenhäusern den Geldhahn zu.
Für ihn ist die krankenhausinterne Prozessoptimierung das A und O, um Kosten zu sparen. Das Zauberwort: Effizienz. Effizienz ist für ihn aber nur über Qualität erreichbar. Das schwäbische Rezept dazu: „Qualität ist die Vermeidung von Fehlern und Verschwendung.“

Effizienz gefragt

Diese Sichtweise unterstützt auch Dr.- Ing. Sebastian Wibbeling (Abteilungsleiter Healthcare Logistics, Fraunhofer IML). Er verweist darauf, dass hausinterne Logistik viel mehr als nur das Lager abbildet. Es geht um die ganzen internen Prozessabläufe. Flüssigere Prozesse bringen Einsparungen mit sich. Allerdings, schränkt Wibbeling ein: „Dieses Einsparpotenzial ist nur schwer bewertbar.“

Logistikprozesse analysieren

Frank Tatsch (Leiter Klinikprojekte, Prospitalia GmbH) nennt eine Zahl von 12 Prozent – bezogen auf Kliniken, die aktuell in punkto Logistik auf externe Dienstleister setzen. Auch die Einkaufsgruppe Prospitalia bietet Logistik als Dienstleistung an. Man kooperiert aktuell mit 11 Partnern.
Tatsch mahnt an, dass jedes Krankenhaus zunächst einmal selbst die hauseigenen Logistikprozesse kritisch betrachten sollte. Folgende vier Faktoren sind aus seiner Erfahrung entscheidend: Aufbau und Organisation des Zentrallagers, die einzelnen Kostenstellen (OP, Intensivstation etc.), Inhouse-Logistik (Zentrallager, Kostenstellen) sowie strategischer Einkauf.

Innovation spart Kosten

Aus Sicht von Robert Schrödel (Vorstandsvorsitzender, Pioneer Medical Devices AG) ist derzeit eine „einmalige Chance“, nachhaltig mit innovativen Produkten/ Systemlösungen zu punkten. Und erst recht, wenn damit spürbare Erfolge auf der Kostenseite verbunden sind.
Beispiel: Der Elektrophysiologie- und Ablationskatheter von Pioneer Medical ist limitiert mehrwegfähig und bis zu 20 Mal einsetzbar. Er nennt für diese Produktphilosophie ein Einsparvolumen von 45 Prozent gegenüber einer Single-Use-Variante.
Systemlösungen im Sinne mehrwegfähiger Medizinprodukte sind laut Schrödel auf alle komplexen Medizinprodukte übertragbar. Allein in Europa gehe es hier um ein Marktvolumen von rund 53 Mrd. Euro.

Es geht um mehr als das Produkt

Beifall erntet Schrödel mit diesem Denkansatz auf Krankenhausseite. Harald Bender (2. Bundesvorsitzender der Fachvereinigung für Einkauf, Materialwirtschaft und Logistik im Krankenhaus e.V.) sieht hier ebenfalls „großes Einsparpotenzial“. Im gleichen Zusammenhang mahnt Wolfgang Foest (Vorstand/GÖK Consulting AG) mehr Engagement, Phantasie und Mut auf Industrieseite an: „Es geht nicht immer nur um neue Produkte.“
Als weite Felder in Sachen Einsparpotenziale auf Klinikseite lenkt Foest die Aufmerksamkeit auf drei Aspekte: Funktionaler Produkteinsatz im Versorgungsprozess, umfassende Verbrauchssteuerung i. S. einer damit einhergehenden echten Kostenreduktion und prozessorientierter Einkauf (Arzt, Pflege, Geschäftsleitung mit im Boot).

Was heißt „Innovation“?

Ulrike Hoffmann (Strategischer Einkauf, Bereichsleiterin Investitionsgüter, Sana Kliniken AG) mahnt eine grundsätzlich wertige Debatte über Begrifflichkeiten wie „Innovationen“ an. Das Sana-Credo, was eine Innovation ist, umreißt sie klar und plakativ: 1) Ist damit ein erheblicher Patientennutzen verbunden? 2) Worin liegt der wirtschaftliche Nutzen für die Sana?
Erfülle ein neues Produkt diese beiden für die Sana zentralen Parameter, dann sehe die Einkaufsgruppe darin eine echte Innovation.

Copyright: MTD-Verlag/2011