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Einkaufsgruppen sparen Geld

(MTD/12.5.2011) Wie man richtig und günstig einkauft, zeigen Deutschlands Krankenhäuser. Und im Vergleich mit Kliniken in anderen europäischen Ländern machen sie es auf jeden Fall besser. Eine Studie von Roland Berger Strategy Consultants zeigt, woran das liegt: Am starken Standing der Klinik-Einkaufsgruppen.

Um Einsparungen zu realisieren, wickelten 2010 in Deutschland 80 Prozent der Krankenhäuser ihren Einkauf über Einkaufskooperationen ab; gleichzeitig bezogen sie im Schnitt die Hälfte ihres Einkaufsvolumens auf diesem Weg. Besonders hoch (65 %) ist dabei der Bezug des medizinischen Bedarfs über Einkaufsorganisationen. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern ist der gemeinsame Einkauf der deutschen Krankenhäuser also schon weit entwickelt.
Das sind Ergebnisse der Studie „Sachkostenentwicklung und Bedeutung von Einkaufsgesellschaften im Krankenhausumfeld“. Erstellt hat sie Roland Berger Strategy Consultants auf Basis von Interviews mit Vertretern von Krankenhäusern, Industrie und Einkaufsorganisationen.

Hohe Einsparquoten – Deutschland vorn

Laut Studie sparten deutsche Krankenhäuser durch den Einkauf über Einkaufsgesellschaften im Vergleich zu anderen europäischen Märkten 2010 bei Sachkosten ca. 4 Mrd. Euro. Laut Studienautor Roland Schwientek konnten die Einkaufsgemeinschaften durch günstigere Preise aufgrund der Bündelung des Bedarfs Einsparmöglichkeiten von 15 bis 20 Prozent im Vergleich zu Kliniken in den Niederlanden und in der Schweiz realisieren. Bei einzelnen Warengruppen wurden Einsparungen bis zu 80 Prozent erreicht.

Weiter großes Potenzial

Noch größer ist das Einsparpotenzial laut Studie, wenn auch der teilstationäre Bereich berücksichtigt wird. Dann ließen sich  rund 31,3 Mrd. Euro von den 34,8 Mrd. Euro Sachkosten in stationären und teilstationären Einrichtungen von Einkaufsgemeinschaften abdecken. Derzeit werden laut Studie aber nur 12 Mrd. Euro (39 %) der Sachkosten durch Einkaufsgemeinschaften abgewickelt. Immerhin ist dies eine Verdoppelung seit 2004.

Einkaufsgemeinschaften – lebendige Szene

Größte Organisation ist die Sana mit einem Einkaufsvolumen von 1,1 Mrd. Euro, davon 500 Mio. Euro für eigene Häuser. Auf Position 2 folgt die Prospitalia als größte Einkaufsgesellschaft mit knapp 900 Mio. Euro Einkaufsvolumen. 780 Mio. Euro entfallen auf Clinicpartner. Es folgen Rhön (777 Mio. Euro) , Helios (738 Mio. Euro), Asklepios (651 Mio. Euro), EKK (650 Mio. Euro), Agkamed (580 Mio. Euro), Unico (400 Mio. Euro), Vivantes (285 Mio. Euro), ELG (260 Mio. Euro) Comparatio (250 Mio. Euro), Mediclin (176 Mio. Euro), P.E.G. plus (83 Mio. Euro).

Einfluss der Einkaufsgruppen steigt

Während sich Einkaufsgemeinschaften bislang auf Einkaufs-Bündelung und Preissenkung bei Sachkosten beschränkt haben, rechnen die Macher der Studie damit, dass künftig die komplette Produktpalette im Fokus der Einkaufsgruppen steht. Hinzu kommen weitere Serviceleistungen wie IT, Sortimentsstraffung, Prozessberatung und Logistikdienstleistungen.  Fazit der Studie: Es gibt noch viel Wachstumspotenzial auf Seiten der Einkaufsgemeinschaften, aber auch noch enormes Einsparpotenzial im Krankenhausumfeld.

Industrie getrieben von Hassliebe

Der wirtschaftliche Druck von Seiten der Einkaufsgruppen prägt das Verhältnis zu Industrie bzw. Lieferanten. Fakt ist laut Studie, dass die Industrie bei den Preisen das Ende der Fahnenstange als erreicht ansieht. Die Lieferanten setzen ihre Hoffnungen nun auf erweiterte Produktpaletten und höhere Verbindlichkeit bei den Einkaufsgemeinschaften.
Angst haben die Lieferanten davor, durch die Einkaufsorganisationen den Kontakt zu den eigentlichen Kunden zu verlieren und sich dadurch vom Wettbewerb nicht mehr differenzieren zu können. Deshalb werden in Einzelfällen den Krankenhäusern bessere Konditionen im Direktbezug eingeräumt. Dennoch haben die meisten Hersteller Rahmenverträge mit allen Einkaufsgemeinschaften – mit Provisionsregelungen von 1 bis 2 Prozent.

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