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Sanitätshaus: Kosten für Hilfsmittel unter der Lupe

(MTD/3.11.2011) Auch nach der Fusion zur Barmer GEK wird der Heil- und Hilfsmittelreport der ehemaligen GEK weiter publiziert. Ende September erschien die Ausgabe 2011. Erfreulich für die Sanitätshaus-Szene: Der Nutzen von Hilfsmitteln ist unbestritten. Ein Dorn im Auge ist manchen allerdings die Kostenentwicklung.

Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellv. Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, bläst bei der Vorstellung des Heil- und Hilfsmittelreports ins altbekannte Horn: Es gibt bei den Hilfsmitteln Unter-, Über- und Fehlversorgungen; der Bereich ist gekennzeichnet durch Intransparenz und Ineffizienz.

„Es gibt kaum einen Bereich im Gesundheitswesen, in dem die Schere zwischen ökonomischer Dynamik und medizinischer Effizienz so groß ist“, meint der Kassenvorstand. Deshalb sei zu prüfen, ob auch für Hilfsmittel nicht eine Nutzenbewertung im Stil des Arzneimittel-Neuordnungsgesetz (AMNOG) sinnvoll sein könnte.

Hilfsmittel-Image steigt

Zugleich überrascht Schlenker mit weiteren Bewertungen. So bemängelt er, dass Heil- und Hilfsmittel zu spät, sparsam oder gar nicht eingesetzt werden. Als Beispiel führt er an, dass zur Linderung oder gar Vermeidung von Venenerkrankungen oft die regelmäßige Anwendung von Kompressionsstrümpfen ausreicht. Riskante Operationen wie das Strippenziehen würden sich erübrigen.
An die Ärzte appelliert Schlenker deshalb, ihr Verordnungsverhalten zu überdenken. Verbesserungsbedarf sieht er aber auch auf Patientenseite. Die Therapietreue müsse sich wandeln. Solange Kompressionsstrümpfe nicht konsequent angewendet werden, sind sie keine echte Alternative zu überflüssigen und verfrühten Operationen, moniert er.

Hilfsmittelversorgung – Zahlenfutter

Die Barmer GEK gab 2010 3,51 Prozent der Leistungsausgaben für Hilfsmittel aus. In absoluten Zahlen waren es (ohne Hilfsmittel aus Apotheken) 666,3 Mio. Euro (+5,11 % gegenüber 2009). Das Plus resultiert primär aus der Zunahme der Versichertenzahl insgesamt.

Der Anteil der Orthopädiemechaniker und Bandagisten an den Hilfsmittelausgaben (ohne Apotheken) liegt bei 52,3 Prozent. Der Rest entfällt auf sonstige Leistungserbringer i. S. des SGB V – Orthopädie-Schuhmacher, Orthopäden, Hörgeräte-Akustiker, Reha-Einrichtungen, Optiker, Augenärzte und sonstige.Von den 9,07 Mio. Barmer-GEK-Versicherten bezogen 1,66 Mio. Hilfsmittel-Leistungen (+6,31 % gegenüber 2009). Pro 100 Versicherte lagen die Ausgaben für Hilfsmittel bei 7.343 Euro (+1,86 %).
Die Ausgaben für Hilfsmittel pro Versicherten lagen 2010 bei 73,40 Euro und pro Leistungsversicherten bei 402,50 Euro.

Interessant ist, dass die Ausgaben der Barmer GEK damit weiter unter den Ausgaben pro Versicherten aller gesetzlichen Krankenkassen mit 86,10 Euro liegt. Die Anzahl der Hilfsmittel-Rezepte lag bei 5,1 Mio. (+5,32 %) bei einem Rezeptwert von durchschnittlich 131,70 Euro.

Regionale Unterschiede bei Verordnungen

Die höchste Versorgungsprävalenz (prozentualer Anteil der Leistungsempfänger an den Gesamtversicherten) lag bei Einlagen, Bandagen und Hilfsmitteln zur Kompressionstherapie vor. Bei den absoluten Ausgaben 2010 führten Inhalations- und Atemtherapiegeräte vor Inkontinenzhilfen und Kranken-/Behindertenfahrzeugen.
Interessant sind die regionalen Unterschiede bei den Hilfsmittel-Empfängern. Der Anteil der Leistungsempfänger von Hilfsmitteln ist in Sachsen, Thüringen, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit 19,5 bis 20,5 Prozent überdurchschnittlich. Unterdurchschnittlich ist die Zahl der Leistungsempfänger in Baden-Württemberg, Hamburg, Bremen und Brandenburg mit 15 bis 16 Prozent.
Auch bei den durchschnittlichen Ausgaben pro Versicherten sind starke regionale Unterschiede festzustellen. Die geringsten Ausgaben gab es in Bremen (58,70 Euro), Brandenburg (59,60 Euro) und Baden-Württemberg (61,10 Euro). Die höchsten Ausgaben pro 100 Versicherte entfallen auf Sachsen (87,80 Euro), Thüringen (85,50 Euro) und Nordrhein-Westfalen (82,90 Euro).

Rang

Produktgruppe

Ausgaben in Mio. €

Leistungsversicherte (LV)

Ausgaben pro LV

1 14 Inhalations- und Atemtherapie 72,69 78925 921
2 15 Inkontinenzhilfen 66,86 204142 328
3 18 Kranken-/Behindertenfahrzeuge 58,85 74834 786
4 13 Hörhilfen 57,65 73518 784
5 08 Einlagen 36,76 473646 78
6 29 Stomaartikel 35,95 17524 2051
7 31 Schuhe 34,71 120300 289
8 17 Hilfsmittel Kompressionstherapie 33,36 246758 135
9 23 Orthesen/Schienen 31,25 91493 342
10 06 Bandagen 30,83 320224 96
11 03 Applikationshilfen 25,6 23774 1078
12 24 Prothesen 22,38 46175 485
13 11 Hilfsmittel gegen Dekubitus 10,83 26637 406
14 04 Badehilfen 10,51 65418 161
15 10 Gehhilfen 9,88 167308 59
16 12 Hilfsmittel bei Tracheostoma 9,03 3213 2810
17 25 Sehhilfen 8,24 118839 69
18 09 Elektrostimulationsgeräte 7,42 91627 81
19 21 Messgeräte für Körperzustände/-funktionen 5,7 18403 310
20 26 Sitzhilfen 5,52 5464 1010
21 32 Therapeutische Bewegungsgeräte 3,9 8534 457
22 01 Absauggeräte 3,42 6586 519
23 33 Toilettenhilfen 3,13 32834 95
24 22 Mobilitätshilfen 3,06 5513 556
25 16 Kommunikationshilfen 2,41 1559 1549
26 02 Adaptionshilfen 1,67 29074 58
27 07 Blindenhilfsmittel 1,6 1175 1361
28 20 Lagerungshilfen 1,47 8045 183
29 19- Krankenpflegeartikel 1,31 4696 279
30 28 Stehhilfen 0,87 571 1520
31 27 Sprechhilfen 0,3 456 663
32 30 Nicht besetzt 0,11 931 117
33 06 Bestrahlungsgeräte 0,07 297 251

Ausgaben-Rangliste 2010 der Produktgruppen des Hilfsmittelverzeichnisses der Barmer GEK im Jahre 2010.

 Copyright MTD-Verlag/2011