Dekubitusgrade nicht mit Produkten verknüpft

Kritik am Dekubitus-Vertragsentwurf der AOK Nordwest

(MTD 1.3.2018) Das Dekubitus Forum des BVMed hat vor dem Hintergrund der Vertragsveröffentlichung der AOK Nordwest zu Hilfsmitteln gegen Dekubitus darauf hingewiesen, dass die Dekubitusgrade nicht für die Produktzuordnungen genutzt werden dürften.

Die ausschließliche Orientierung am Dekubitusgrad führe dazu, dass der Patient nicht das von ihm benötigte individuelle Produkt erhalte. Durch die von den Experten erarbeiteten, differenzierten Erhebungsbögen für Sitz- und Liegehilfen könnten die einzelnen Anforderungen in den jeweiligen Bereichen besser berücksichtigt werden als durch die pauschale Orientierung an Dekubitusgraden.

Stellung der Europäischen Organisation

Der Vertrag der AOK Nordwest spiegle inhaltlich den Ausschreibungsvertrag der AOK Hessen wider, der als alleiniges Entscheidungskriterium die Dekubitusgrade zugrunde lege, so die BVMed-Experten. Die europäische Organisation „European Pressure Ulcer Advisory Panel“ (EPUAP) habe dem Dekubitus Forum bestätigt, dass die Dekubitus-Kategorien der EPUAP „ausdrücklich nicht entwickelt wurden, um spezielle Produkte einem festgestellten Druckgeschwür zuzuordnen“.

Besonders bedenklich ist aus Sicht des BVMed, dass die AOK Nordwest in ihrem Vertrag nur zwei Pauschalen vorsieht. So werden alle Versorgungen von Patienten, die nicht die Versorgung eines Dekubitus Grad 4 darstellen, in einer Pauschale zusammengefasst. Damit werde erst bei Patienten mit vollständigem Gewebeverlust, mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder Muskeln eine andere Pauschale und somit eine andere Versorgung vorgesehen.

Copyright: MTD-Verlag 2018
Foto: BVMed

Dieser Artikel erschien im wöchentlichen Branchen-Informationsdienst MTD-Instant (MTD-Verlag).

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