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MTDialog Juli 2015

26 SANI-INFOSANI-WELT MTD 7/2015 Die weiter fallenden Vergütungen für Hilfsmittel durch Ausschreibungen bzw. immer niedrigere Vertragspreise führen immer häufiger zu Qualitäts- einbußen, unter denen die Versicher- ten leiden. Dies ruft inzwischen nicht nur Kritiker aus der Branche und Selbsthilfeverbänden auf den Plan. Zunehmend machen auch Politiker und Medien Front gegen die wachsen- den Missstände. S o hat nach einem Bericht des Nach- richtenmagazins„Focus“derGesund- heitsausschussdesBundestagesmehrere Krankenkassen im Juni zu einem Exper- tengespräch über die Ausschreibungs- praxis im Hilfsmittelsektor eingeladen. Laut Focus will die Koalition „der Liefe- rung minderwertiger Hilfsmittel an ge- setzlichVersicherteEinhaltgebieten“.Vor allem die schlechte Qualität von Inko- Hilfsmitteln hatte zuletzt Protest von Patienten ausgelöst. Jens Spahn (CDU), gesundheitspoliti- scher Sprecher der Union, sagte dem Nachrichtenmagazin, man wolle den Preiswettbewerb, aber das„darf definitiv nicht zulasten der Bedürftigen gehen“. Und der Patientenbeauftragte der Bun- desregierung,Karl-JosefLaumann(CDU), wird angesichts der Missstände zitiert: „Krankenkassen und Leistungserbringer müssen – sofern dies noch nicht gesche- hen ist – die Probleme unverzüglich be- seitigen.“ Zudem habe der pflegepolitische Spre- cher der Union, Erwin Rüddel, den Vor- standsvorsitzendenderDAK-Gesundheit Prof. Dr. Herbert Rebscher angeschrie- ben. Rüddel fürchtet, dass Patienten, die bei Windeln nicht selbst draufzahlen können, womöglich „gesundheitliche Schäden in Kauf nehmen müssen“ oder „in ihrem alltäglichen Leben einge- schränktwerden“.DerPolitikersorgtsich laut Focus zudem „um die Zukunft der Sanitätshäuser“. Denn auch Rollstühle, Rollatoren und andere Hilfsmittel wür- denverstärktausgeschrieben.„Dakommt der Anbieter um die Ecke erheblich unter Druck“, meint Rüddel. Inakzeptabler Inko-Vertrag bringt Ministerin auf den Plan Von der Bundes- zur Landespolitik: Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland hatte den Vertrag über Inkontinenz-Hilfsmittel mit den Apotheken zum 1. Juli 2015 gekündigt und einen neuen Vertrag vor- gelegt, der für alle Leistungserbringer, also auch für Sanitätshäuser, gilt. Dieser Vertrag wird vom Saarländischen Apo- thekerverein wegen völlig inakzeptabler Konditionen abgelehnt. Die Rede ist da- bei von Knebelvertrag, einem Motto „Friss oder stirb“ bis hin zurVerabschie- dung der AOK vom Sachleistungsprinzip wegen der drohenden Aufzahlungen für die Patienten. Somit dürfen die Apotheken nicht mehr liefern, es sei denn, sie treten dem Vertrag individuell bei. Vor allem lehnt der Apothekerverband den Vertrag ab, weil er für die ambulante und die statio- näre Versorgung gilt. Eine stationäre Ver- sorgungfüreinePauschalevon21,95Euro sei nicht zu machen. Politiker und Medien hinterfragen Hilfsmittelvergütungen Qualität leidet unter Preisverfall Foto:Fotolia

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