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MTDialog Juli 2015

SPECIAL MTD 7/201560 RESPIRATORY CARE Passende Therapie für jeden Patienten Was allerdings Mobilität heißt, ist schon diskussionswürdig. Die Auffassungen gehen weit auseinander. Betrifft Mobili- tät nur die Bewegungsfreiheit in der eigenen Wohnung, der nächsten Umge- bung, wie z. B. demWeg in denVorgarten eines Hauses oder zum eigenen Briefkas- ten, oder auch die Möglichkeit, ein Café, eine Veranstaltung zu besuchen oder einen Spaziergang zu machen? Oder be- deutetesz.B.zureisen,eineAusbildungs- stätte zu besuchen oder arbeiten zu kön- nen oder sich um Kinder oder Enkelkin- der zu kümmern? Je nach Lebensumständen und nach körperlicher Kapazität kann für jeden Patienten eineVersorgungsform gewählt werden. Eine Anbindung an einen stati- onären Sauerstoffkonzentrator ohne weitere Lösungen für mobile Phasen ist heute nicht mehr nötig. Es gibt für jeden Patienten eine passende mobile Lösung, auch wenn er keine schweren Gasfla- schen heben kann. Umversorgung durch Krankenkassen EinigeKrankenkassenmöchtenaberdiese Therapiemöglichkeiten nicht zahlen, ob- wohl sie notwendig sind, um die ge- wünschten Therapieziele zu erreichen. So werden z. B. Patienten, die jahrelang mit Flüssigsauerstoff mobil versorgt wurden, ohne eine Veränderung ihres Gesundheitszustandes plötzlich auf eine teilmobile oder ausschließlich auf eine stationäre Versorgung umversorgt. Eine ärztliche Konsultation findet oft gar nicht statt. Natürlich können sich Therapieziele verändern oder neue Versorgungsfor- men effizienter sein als frühere. Dies ist aber in der Regel nicht der Anlass für eine Umversorgung, sondern nur der Wunsch der Kassen, Kosten zu sparen. Die Patienten erfahren oft durch ein Schreiben von der neuen Versorgungs- form und werden vor vollendete Tat- sachen gestellt. Leistungserbringer als Erfüllungsgehilfen unter Druck Um Widerspruchsverfahren der Patien- ten zu verhindern, werden die nichtärzt- lichen Leistungserbringer in diesem Zu- sammenhang in einer zunehmenden Anzahl von Fällen, oftmals unter Andro- hung, denVersorgungsauftrag an andere Leistungserbringer zu vergeben, aufge- fordert, den Patienten von der Notwen- digkeitderUmversorgungzuüberzeugen. In anderen Fällen werden Patienten aufgefordert,FragebögenzuihrerLebens- situation auszufüllen, häufig verbunden mit der telefonischen oder schriftlichen Androhung, dass die verordnete Versor- gung nicht bewilligt werden kann, wenn die Fragen nicht beantwortet werden. In der Regel können Patienten die Fragen jedoch nicht verstehen oder erfassen nicht den Zusammenhang mit der ärzt- lich verordneten Versorgungsform. Die Antworten in den Fragebögen spiegeln daher nicht das realistische Bild derVer- sorgungsnotwendigkeit wider. Nur der behandelnde Arzt oder der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) im Rahmen der Begutachtung im häuslichen Umfeld können realistisch beurteilen, welche Versorgungsform für einen Therapieerfolg medizinisch not- wendig und zweckmäßig ist. Legen Patienten trotz allem Wider- spruch ein, werden sie in Anrufen und in Schreiben der Krankenkassen zur Rück- nahme aufgefordert. Nicht jeder Versi- cherte hat die Kraft und das Durchhalte- vermögen, die Belastungen des Wider- spruchsverfahrens durchzustehen. Homecare-Unternehmen wird die Haftung aufgebürdet Der Homecare-Provider erbringt auch jetzt schon unter erheblichem Kosten- druck alle Leistungen. Dennoch wahrt er ein hohes Maß an Qualität und hat die Patientensicherheit stets im Auge. Diese ist nun durch dasVorgehen der Kranken- kassen erheblich gefährdet, denn bei einer Umversorgung ohne ärztliche Be- gleitung drohen dem Patienten Notfall- Klinikeinweisungen, Ausgrenzung von derTeilhabe am gesellschaftlichen Leben sowie Häufung von Exazerbationen (Ver- schlimmerungen des Krankheitsbildes) mitweiteremAbbauderLungenfunktion. Der nichtärztliche Leistungserbringer wird durch das Verhalten der Kranken- kassen in eine rechtlich nicht akzeptable Position gebracht, wenn er durch sie zur Umversorgung aufgefordert wird. Er darf ebenso wenig eine ärztlicheVerordnung ändern wie der Sachbearbeiter der Kran- kenkasse. Auch darf er keine „Beratung“ zu einer Umversorgung beim Patienten durchführen. Diese obliegt allein dem behandelnden Arzt. Dies wird aber in vielen Fällen von ihm verlangt, wenn die Krankenkassen die Zustimmung des Patienten zur Umversorgung erreichen möchten. Für den Patienten entsteht eine recht- lich völlig unklare Situation. Wer ist für die Änderung der Verordnung und die Therapie verantwortlich und wer kann ggf. in die Haftung genommen werden, wenn etwas schiefgeht? Rund 400.000 Patienten sind in Deutschland auf eine Sauerstofflangzeittherapie angewiesen. Foto:ResMed

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