Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

MTDialog Juli 2015

SPECIAL MTD 7/201562 RESPIRATORY CARE Unter Ausschreibungen von Atemthera- piegeräten für Patienten mit obstrukti- ver oder zentraler Schlafapnoe leidet in der Regel nicht nur die Versorgungs- qualität. Wenden die Betroffenen auf- grund von Problemen mit Geräten oder Masken die Therapie nicht mehr regel- mäßig an, kann dies zu Folgeerkran- kungen führen, die bei den Kranken- kassen weitaus höhere Kosten auslö- sen als die durch Ausschreibungsver- träge erzielten Einsparungen. V orJahrenhabenAOKsindenöstlichen BundesländernmittelsAusschreibun- gen versucht, die Preise für die CPAP-Ver- sorgung zu drücken. Dieses Experiment war ein Rohrkrepierer. Ein Losgewinner saß z. B. im Saarland und wollte von dort aus die ostdeutschen Schlafapnoiker ver- sorgen. Die Kassen ließen schließlich die Finger von der Ausschreibung. Geradezu gigantische Ausmaße hatte eine bundesweite Ausschreibung im Jahr 2012 durch die Techniker Krankenkasse. Ein Unternehmen gewann das größte Los und musste mit einem Schlag Tau- sendePatientenumversorgen.Dieunter- legenen Bieter attackierten den Gewin- ner. Weder die TK noch der neue Versor- ger hatten Erfahrungen mit der Realität einer solchen Ausschreibung. Und die Umversorgung spielte sich dann auch ziemlich holperig ab: Die Gerätedaten mussten ausgelesen werden – ein Rie- senaufwand. Patienten mussten nahtlos mitneuenGerätenversorgtwerden–eine logistische Herausforderung. Und wenn ein Patient darauf beharrte, mit einem gleichartigen Gerät versorgt zu werden, bekam er dieses Gerät auch. Der Losgewinner hat seine Aufgabe gemeistert. Vielleicht zu exzellent, denn das signalisierte anderen Kassen, dass das Prozedere mit den Ausschreibungen offenbar doch funktionieren könnte. Und dass man mit den Preisen noch wei- ter in den Keller gehen kann. Weitere AOKs zogen nach, ebenso die GWQ als Vertragsführer mehrerer Betriebskran- kenkassen. Warum bieten Leistungserbringer überhaupt? Um eine Ausschreibung durchzuführen, braucht es Leistungserbringer, die sich auf einen „Kampfpreis“ einlassen. Joa- chim Glotz, Inhaber eines mittelständi- schen Sanitätshauses, beschreibt die Entwicklung so: „Vor der Zeit der Aus- schreibungen kamen Vertragsverhält- nisse durch Verhandlungen zustande. Doch irgendwann fingen die Kostenträ- ger an, den Homecare-Providern vorzu- werfen, dass sie im Zuge von Verhand- lungen nicht in der Lage seien, ihre Preisvorstellungen durchzusetzen, weil trotz der Vielzahl der Anbieter offen- sichtlich niemand gewillt war, diesen einseitigen Konditionsdiktaten zu fol- gen. Daraus haben die Krankenkassen dann für sich die Konsequenz gezogen, Ausschreibungen durchzuführen.“ Ausschreibungen bei der Schlafapnoe-Versorgung Die Kehrseite der Medaille von Werner Waldmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Schlafapnoe und Schlafstörungen Deutschland e.V. (BSD) Foto:Fotolia

Seitenübersicht