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MTDialog Juli 2015

SPECIAL MTD 7/201564 RESPIRATORY CARE Freilich sollte man nicht nur auf die Kostenträger eindreschen. Den Kassen ist zu konzedieren, dass sie ihre Kosten im Griff behalten müssen. Der Wettbe- werbszwang wurde den Kassen von der Gesundheitspolitik verordnet. Und die Kassen haben inzwischen begriffen, dass Schlafapnoe keine Nischenerkran- kung mehr ist. Sie ahnen, dass es noch Tausende undiagnostizierter Schlafap- noe-Betroffener gibt, die demnächst in den Schlaflaboren landen werden. Bisher hielten sich die Kosten für die Therapie der Schlafapnoe einigermaßen im Rah- men; doch wenn man jetzt hochrechnet, was das Heer neuer Patienten kosten wird, dann lässt sich nachvollziehen, warum die Kassen aufs Geld schauen. Einst Hochpreisland Als die TK mit ihrer Ausschreibungspoli- tik vorpreschte, reagierten die Home- care-Versorger empört. Ich bezweifle allerdings, ob es dabei vorrangig ums Patientenwohl ging. Denn zuvor wurde dieTherapieauskömmlichbezahlt.Nicht mehr in jener Höhe wie in den goldenen Anfängen der Schlafapnoe-Therapie. Prof. Helmut Teschler, Chef der Ruhr- landklinik in Essen und einer der renom- miertesten Pneumologen und Schlafme- diziner Deutschlands, sieht das ziemlich nüchtern.„Ich habe in den letzten Jahren immer den Eindruck gehabt, dass Deutschland im Vergleich zum Ausland ein Hochpreisland ist. Ich gehe davon aus, dass die Kassen ihrerseitsVergleiche über das Preisniveau in Deutschland und das im Ausland anstellen und letztlich zu der Ansicht kommen, dass die Preise in Deutschland einfach runter müssen.“ Freiwillig war kaum ein Unternehmen zu Abstrichen bereit. Und natürlich gab es gute Argumente für das traditionelle Preisniveau: die Betreuung der Patien- ten.Theoretisch kostet es Geld, wenn ein Mitarbeiter zu einem Patienten fährt und dessen Probleme vor Ort löst. Ob tatsächlich viele solcher Fahrten unter- nommen wurden, ist jedoch nie festge- halten worden. Es hat die Kassen auch nicht interessiert, welchen Aufwand die Versorger in die persönliche Betreuung investierten. Eher war es so, dass Patienten in die Niederlassungen kamen. Auch da wur- den natürlich Ressourcen vorgehalten. Oder einige Provider traten bei Selbsthil- feabenden auf und berieten die Gäste in der Maskenanwendung. Eine kontinu- ierliche Patientenbegleitung war jedoch nie Realität. Mag sein, dass man die Daten derTherapiegeräte einmal im Jahr ausgelesen hat und der Kasse die Nut- zungsdauer in toto mitgeteilt wurde. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Kostenträgern gab es nicht, so Dr. Uli Brandenburg, Marketingdirektor von Heinen + Löwenstein. Den Kassen wurde kaum vermittelt, wie die Versor- gung der Patienten tatsächlich ablief. Diskutiert wurde auch nie ernsthaft, was wirklich medizinisch sinnvoll sei und ob man angesichts des Mengenwachstums die Versorgung nicht effizienter und mit angemessener Kostenreduktion leisten könne. Infrage gestellt wurde bislang auch nicht das etablierte Dreistufensys- tem der Diagnostik. An den komforta- blen Preisen für Geräte und Dienstleis- tung hielt man fest. Im Ausland war die Therapie für die Kostenträger preisgünstiger – auch des- halb, weil die Patienten von Anfang an selber zuzahlen mussten. In Irland bei- spielsweise beteiligen sich die Patienten mit 180 Euro im Jahr an ihrer Therapie. In Osteuropa sind die Zuzahlungen noch höher. In Deutschland erwarten wir bis heute, dass die Kasse die Kosten für alles übernimmt. Ausschreibungen sind gegen das Patientenwohl Die Sorgen der Krankenkassen – ihren Horror vor einer großen Anzahl nicht er- kannter Schlafapnoe-Patienten und der damit verbundenen Kostenlawine, die irgendwann auf sie zukommt – sollte man ernst nehmen. Die Ressourcen des Gesundheitswesens sind limitiert.„Wett- bewerb“, so Prof. Teschler, „muss man erst einmal begrüßen, weil Wettbewerb im Gesundheitswesen etwas ausgespro- chen Wichtiges ist.“ Doch die Kassen schütten mit ihrer aktuellen Sparpolitik das Kind mit dem Bade aus.„Nicht begrüßen kann ich“, so Teschler, „dass hier medizinische Ent- scheidungen getroffen werden, die aus meiner Sicht für den Patienten von gra- vierendem Nachteil sein können. Man muss nicht über Ausschreibungen reden, nicht überWettbewerb im Gesundheits- wesen, sondern über die Frage, was die Ausschreibungen für dieVersorgung des Patienten bedeuten.“ Brauchen dringend Versorgungsforschung Und Ausschreibungen sind gegen das Patientenwohl gerichtet.„Wir wissen dank der Auswertungen der Daten großer CPAP-Hersteller“, so Prof.Teschler weiter, „die vor zwei Jahren auf dem Jahreskon- gress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie vorgestellt wurden, dass sich die Compliance der Patienten lang- fristig in den ersten drei bis vier Monaten definiert. Deshalb halte ich die Versor- gung der Patienten über Ausschreibungs- modelle für ausgesprochen problema- tisch. Wir haben keine Daten darüber, ob diese Strategie sich für die Patienten posi- tivodernachteiligauswirkt.Ichwürdemir wünschen, dass man die Ausschreibun- gen im Rahmen einer Studie begleitet.“ Versorgungsforschung ist in Deutsch- land freilich ein Fremdwort. Teschler weiter: „Ich glaube, dass die Kranken- kassen einen unverzeihlichen Fehler be- gehen, wenn sie jetzt nicht die notwen- dige Versorgungsforschung betreiben mit der Frage, welche Auswirkungen die- ses Versorgungskonzept via Ausschrei- bung auf die langfristige Compliance der Patienten hat.“ Man müsste herausfin- den, ob die Ausschreibungen wirklich die Therapie verbessern (Qualität wird von den Kassen stets als Motivation für die Ausschreibungen genannt!) und langfristig Geld einsparen. Europaweit am billigsten Es ist zu befürchten, dass die Ausschrei- bungen nur die Versorgungslage ver- schlechternundinKaufgenommenwird, dass Folgeerkrankungen der Schlafapnoe todsicherzunehmenwerden.Fürdieaktu- ellen Versorgungspreise lässt sich keine vernünftigeArbeitmehrleisten.„Wirsind zurzeitderbilligsteMarktinSachenSchlaf- apnoe weltweit“, so Dr. Brandenburg. „Für solche Preise wird diese Therapie nirgendwo sonst in Europa angeboten.“ Sparen ist richtig, nur muss dies mit Intelligenz und ethischerVerantwortung geschehen. Ein Beispiel, wie das mit Bra- vour danebengehen kann, ist die Genese der GWQ-Ausschreibung der schlafme- dizinischenVersorgung. Die verantwort- liche Hilfsmittelreferentin hat dem BSD- Verband erläutert, weshalb man sich zur Ausschreibung entschlossen habe: Beim Verhandeln mit den Leistungserbringern seien ihr diese preislich nicht entgegen- gekommen. Also habe sie die Ausschrei-

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