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MTDialog Juli 2015

S o lange ist es noch gar nicht her: Vor 60 Jahren begann das Zeitalter der modernen Beatmungstherapie. Die ma- schinelle Beatmung zur Therapie akuter AtemstörungenhatihrenUrsprunginden frühen 50er-Jahren, als bei den durch In- fektion mit Polioviren (Kinderlähmung) betroffenen Patienten die Atemmuskula- tur(ZwerchfellundZwischenrippenmus- keln) ausfiel und damit der Erstickungs- tod drohte. Zwar waren auf dem Gebiet der Anästhesie bereits Verfahren zur künstlichen Beatmung im Einsatz, je- doch existierten keine Erfahrungen bei der Anwendung dieser Methode zur Langzeitbeatmung, was bei Poliopatien- ten, die z. T. über Jahre beatmet werden mussten, aber notwendig war. Am Anfang: Die Eiserne Lunge Abhilfe schaffte die sog.„Eiserne Lunge“, die u. a. 1948 in den Wirren der Nach- kriegsjahre in Hamburg aus Kriegs- schrott gefertigt wurde. Mittels eines komplexen mechanischen Systems ver- suchte man, die physiologischen Druck- verhältnisse bei der Atmung zu simulie- ren, indem ein Sog (negativer Druck) den Brustkorb anhob und damit – da der Kopf des Patienten sich außerhalb der Armatur befand – Luft in die Lungen strömte. Dieses – auch als Negativdruck- beatmungbezeichnete–Verfahrenwurde dann durch die rasanten medizinischen Erkenntnisse zur Atemphysiologie und zu den Atemstörungen in den folgenden Jahren rasch durch das bis heute ge- bräuchliche Verfahren der Positivdruck- beatmung abgelöst. Bei der Positivdruckbeatmung wird mittels eines Generators von der Maschi- ne der Atemzug des Patienten generiert und entweder invasiv über einen Tubus (z. B. eine Trachealkanüle) oder nichtin- vasiv über eine Maske (Gesichtsmaske) verabreicht. Das solcherart in den Brust- korb „eingepresste“ Volumen führt zu einem Druckanstieg in der Lunge, der sonst physiologisch so nicht vorkommt (s. Grafik). Heimbeatmung gewinnt weiter an Bedeutung Das anfänglich hauptsächlich in den Kliniken verbreitete Verfahren gewann durch die zunehmende Spezialisierung im Gesundheitswesen und dem Fort- schritt in der technischen Entwicklung auch außerhalb an Bedeutung. Die ra- sante Entwicklung der Heimbeatmung, d. h. die Versorgung ateminsuffizienter Patienten und deren selbstbestimmtes Leben, ist vor allen Dingen auf drei wich- tige Entwicklungen zurückzuführen: ■ Die Verfahren zur nichtinvasiven Ventilation (NIV) konnten in den ver- gangenen Jahren spürbar verbessert werden und spielen inzwischen nicht nur in der Heimbeatmung, sondern auch in der Intensiv- und Notfallme- dizin eine wichtige Rolle. ■ Die Miniaturisierung und die Fort- schritte in der Elektromechanik schaf- fen Beatmungsgeräte (Respiratoren), die auch im Homecare-Bereich eine Vielzahl von Einstellungsmöglichkei- ten bieten und sehr differenziert an die therapeutischen Anforderungen, aber auch an die Bedürfnisse des Pati- enten angepasst werden können. Ursprung in den Fünfzigern Heimbeatmung: Ein Fall für Experten von Norbert Doktor (Medizinpädagoge, Mobilissimo Stuttgart, Institut für herstellerunabhängige Hilfsmittelberatung) Bei der Positiv- druckbeatmung führt das in den Brustkorb „einge- presste“ Volumen zu einem Druckan- stieg in der Lunge, der physiologisch sonst so nicht vorkommt. Grafik:Weinmann SPECIAL MTD 7/201566 RESPIRATORY CARE

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