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MTDialog Juli 2015

MEDIZINTECHNIK MTD 7/201578 MT-INFO meinschaft, eine interdisziplinäre Be- schaffungskommission und, bei knap- pen Mitteln, auch mehr Reparaturen an- stelle von Neuanschaffungen. Beschaffungskriterien für Geräte sind laut Schmid die Produktqualität, die Patientensicherheit,Lebenszykluskosten, der Preis, die Nachhaltigkeit und auch eine gute Partnerschaft mit den Herstel- lern. „Doch leider klaffen diesbezüglich Theorie und Praxis weit auseinander“, bedauerte er. Chancen und Risiken der Standardisierung Dr. Michael Keller, Leiter Strategischer Einkauf der P.E.G., ging auf die Standar- disierung ein. Dabei sei zu differenzieren zwischen Produkt-, Prozess- und medi- zinischen Qualitätsstandards/Behand- lungsergebnissen. Diese Standardisie- rungsmaßnahmensollendieEffizienzder Leistungserstellung verbessern, zitierte Keller das Online-Lexikon Wikipedia. Eine Standardisierung will geplant sein, um ein signifikantes wirtschaftli- ches Ergebnis zu erhalten. Es sollte eine Sortimentsanalyse unter Berücksichti- gung definierter Behandlungspfade im Hinblick auf einen sinnvollen Produkt- einsatz durchgeführt werden. Allerdings müsse das Krankenhaus bei aller Stan- dardisierung weiter offen für Innovatio- nen sein. „Es muss die Frage beantwor- tet werden, welche Produktgruppen standardisierbar sind“, meinte Keller. Dazu gehörten eine Nutzenbetrachtung und eine Fallkostenbetrachtung. Nach der Identifizierung der Produkt- gruppe müsse eine intensive Marktanaly- sevon Lieferanten und Produkten folgen. Arbeitsgruppen bereiten die Entschei- dung jeweils für eine Warengruppe vor. Anschließend gehe es an die Verhand- lungen mit den potenziellen Lieferanten. Die Zielsetzungen der Vertragsverhand- lungen in Stichworten: Fokuslieferanten, Innovations-, System- und strategische Partnerschaften und Möglichkeit der wirtschaftlichen Risikoteilung. Keller verwies aber auch darauf, dass Standardisierungen Risiken beinhalten. Wenn ein Krankenhaus beispielsweise bisher einen sehr innovativen Katheter undauchdieStandardproduktebeieinem Hersteller bezieht, könnte sich der Her- steller der Belieferung nur noch der in- novativen Produkte verweigern, wenn das Krankenhaus bei den Standardpro- dukten zu einem billigeren Anbieter wechselt. Der Hersteller brauche auch die Umsätze mit den Standardproduk- ten. Weitere Risiken sind die tatsächlich erreichbaren wirtschaftlichen Effekte, die Wirkung auf die medizinische Qua- lität, die Auswirkungen auf mögliche Marktveränderungen, die Konsequen- zen beim Wechsel des medizinischen Personals und die fehlende Flexibilität für Innovationen oder für notwendige Veränderungen bei neuen Erkenntnis- sen. Schwer abschätzbar seien auch die möglichenAnwenderproblemeundhohe Umstellkosten. Die Chancen lägen dagegen bei Ein- sparungen bei den direkten Produktkos- ten in Höhe von 5 bis 15 Prozent und eineVerbesserung der Qualität der medi- zinischen und administrativen Prozesse. Aussagen, wonach 90 Prozent der Pro- zessabläufe und der notwendigen Pro- dukte standardisierbar seien, versah Kel- ler allerdings mit einem Fragezeichen. Dagegen glaubt er fest an eine Reduzie- rung der Personal- und Lagerkosten und an eine Reduzierung der Produkte, die z. B. wegenVerfalls weggeworfen werden müssen.Wichtigseiimmer,eineGesamt- kostenrechnung im Auge zu haben. Kel- ler verdeutlichte dies am Beispiel der Standardisierung des Nahtmaterials in einem Krankenhaus. Zwar konnten bei den Produkten Einsparungen erzielt werden, die Anwenderprobleme fraßen diese aber wieder auf. Fließband-Medizin durch Standardisierung Positiv bewertet wurde die Produktstan- dardisierung von Prof. Dr. Markus Gol- ling, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie beim Diakonie- krankenhaus Schwäbisch-Hall, vor allem wegen der Kostenentwicklung. In den OPs werden standardisierte ProdukteDr. Michael Keller ging auf Chancen und Risiken der Standardisierung ein. Der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Malte Passarge referierte über Compliance. Noch immer haben laut einer Befra- gung 19 Prozent der Ärzte, 21 Prozent der nichtärztlichen Leistungserbringer und 17 Prozent der stationären Einrich- tungen keine Kenntnis der Rechtslage zum Zuweisungsverbot bzw. zeigen Desinteresse an dem Thema. § 31 der ärztlichen Berufsordnung und § 128 SGB V verbieten Korruption, Zuweisung und Depothaltung. Nur 31 Prozent der Ärzte und 42 Prozent der stationären Einrichtungen schenken diesen Vor- schriften viel oder zumindest mittlere Aufmerksamkeit. Entsprechend schen- ken 69 Prozent der Ärzte und 58 Pro- zent der stationären Einrichtungen die- sen Vorschriften geringe bis gar keine Aufmerksamkeit. „Zuweisungen gegen Vorteile sind gängige Praxis“ – davon sind 48 Prozent der Ärzte ganz oder teilweise überzeugt. Bei nichtärztlichen Leistungserbringern sind es sogar 80 Prozent, bei stationä- ren Einrichtungen 54 Prozent. Passarge machte deutlich, dass die Sanktionen schon durch die bestehen- den Möglichkeiten immer härter wer- den, und verwies auf den geplanten § 299 a Strafgesetzbuch, der Beste- chung und Bestechlichkeit im Gesund- heitswesen mit bis zu drei Jahren Haft sanktionieren will. Zentrale Maßnahmen zur Prävention sind die Risikoerfassung, ein Notfall- handbuch, Schulungen von Geschäfts- führung und Mitarbeitern, ausgewählte und sachgerechte Compliance-Maß- nahmen und eine geprüfte Vertrags- gestaltung. In diesem Sinne sollte die Preiskalku- lation überprüft werden, ob sie den er- brachten Leistungen und den vertragli- chen Vorgaben entspricht. Nachlässe, Rabatte und Rückzahlungen an die Krankenhäuser müssen transparent und nachvollziehbar sein. Überhaupt sollten alle Geschäftsbeziehungen ver- traglich geregelt sein. Es gelten die Prin- zipien Transparenz, Trennung, Doku- mentation und Äquivalenz. Bestechung im Gesundheitswesen

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