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MTDialog Juli 2015

MEDIZINTECHNIK MTD 7/201586 MT-INFO Netzwerk für Sauberkeit in der Medizintechnik Unter der Leitung der Clusterorganisa- tion MedicalMountains startete in Tutt- lingen das Projekt „CleanMed – Kompe- tenznetzwerk für technische Sauberkeit, Reinigbarkeit und Sterilisierbarkeit in der Medizintechnik“, das vom Bundes- ministerium für Wirtschaft und Techno- logie im Rahmen des Zentralen Innova- tionsprogramms Mittelstand (ZIM) ge- fördert wird. Beteiligt sind 24 Netzwerk- Partner. „Ziel des Netzwerks ist es, neue Prozesse und Dienstleistungen zu ent- wickeln, mit denen Produkte möglichst frei von Fertigungsrückständen herge- stellt werden können und die im Ge- brauchszyklus zugleich gut zu reinigen und zu sterilisieren sind“, erläutert Clustermanagerin Yvonne Glienke. Neben vielen Unternehmen aus der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg mit Schwerpunkt Tuttlingen sind auch For- schungseinrichtungen sowie vier Unter- nehmen aus der Schweiz engagiert. Das Netzwerk ist breit aufgestellt und um- fasst sowohl Entwicklungsdienstleister, die klassischen Hersteller von medizin- technischen Instrumenten und Implan- taten als auch die Hersteller von Reini- gungsanlagen und Reinigungsmitteln. Zudem werden Dienstleister für Reini- gungsverfahren integriert. Expertise aus dem Kunststoffbereich bringt das Kunststoff-Institut Südwest inVillingen- Schwenningen ein. Mit dem Naturwis- senschaftlichen und Medizinischen Institut an der Universität Tübingen so- wie dem Fraunhofer IPA in Stuttgart sind renommierte Adressen für technische Sauberkeit aus der Forschung vertreten. In ersten Treffen wurden erste konkre- te Ansatzpunkte festgelegt. So wird sich eine Arbeitsgruppe damit beschäftigen, dass bereits bei der Konstruktion von Instrumenten bedacht wird, dass sie später gute Reinigungseigenschaften aufweisen. Alternative Oberflächenbe- handlungen zur Erzeugung matter Ober- flächen stehen ebenso auf der Agenda wie die Weiterentwicklung von Reini- gungssubstanzen, die einerseits gut wir- ken müssen, aber nicht die empfindli- chen Gerätschaften angreifen dürfen. „Langfristig könnte sich der Verbund aus den Teilnehmern zu einem etablier- ten Kompetenzzentrum für die Reini- gung von medizintechnischen Produk- ten mit festgelegten Strukturen, Abläu- fen und nachhaltiger Eigenfinanzierung entwickeln“, meint Glienke. Im Ergebnis soll dieWettbewerbsfähigkeit der betei- ligten Unternehmen spürbar verbessert werden. Denn technische Sauberkeit, Reinigbarkeit und Sterilisierbarkeit als Qualitätsmerkmal für Implantate und Instrumente würden die Marktaussich- ten und damit den Standort stärken. ‹ Darmoperationen/Nervengewebe Assistenzsystem für inter- operatives Neuromonitoring Mehr als die Hälfte der Patienten leidet nach einer Darm-OP an den Folgen von irreparablen Nervenverletzungen. Wis- senschaftler des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik (IBMT) entwickelten im von ihnen koordinier- ten Projekt IKONA (Kontinuierliches intraoperatives Nervenmonitoring als mikrotechnologisches Navigationsin- strument) mit mehreren Partnern ein Assistenzsystem zum interoperativen Neuromonitoring: Hauchdünne, fle- xible Elektroden werden direkt an Ner- venfasern angelegt und diese mit elek- trischen Impulsen stimuliert. Die Software des Partners Inomed wertet aus, ob das autonome Nervenge- flecht durch den chirurgischen Eingriff beeinflusst wird. Kommt der Chirurg einem Nerv zu nahe, bzw. drückt oder dehnt er ihn, beeinflusst dies die Funk- tionalität des Nervs. Droht Verletzungs- gefahr, wird der Arzt optisch und akus- tisch gewarnt. Das System befindet sich bereits in der klinischen Testphase. Derzeit arbeiten Prof. Klaus-Peter Hoffmann vom IBMT und sein Team im Nachfolgeprojekt AutoPIN (Assistenz- system zur Stimulation autonomer pel- viner Nerven zum intraoperativen Neu- romonitoring in der Laparoskopie) mit ihren Partnern daran, ein solches ope- rationsbegleitendes Neuromonitoring auch für minimalinvasive Eingriffe zu ermöglichen. Anders als bei konventionellen Ope- rationen müssen die Elektroden dabei außen am Körper platziert werden. Der Haken an der Sache: Zwischen Elektro- den und dem Nervengeflecht befindet sich das Kreuzbein – dieses behindert das elektrische Feld. „Die Herausforde- rung besteht darin, die Elektroden so zu setzen, dass sie trotzdem das Nervenge- flecht stimulieren können“, erläutert Hoffmann. Dazu platzieren die Wissenschaftler der Mainzer Universitätsklinik für Allge- mein-, Viszeral- und Transplantations- chirurgie am Körper ein Elektroden- Array, das ein rasterförmiges Feld er- zeugt. „Wir sprechen dann die einzel- nen Elektroden an. Dadurch identifizie- ren wir diejenigen, mit denen die Geo- metrie des elektrischen Feldes so opti- miert werden kann, dass eine Neuro- modulation – eine spezielle Form der Nervenstimulation – möglich wird“, schildert Hoffmann die Forschungs- arbeiten der IBMT-Wissenschaftler. Inomed hat einen intelligenten Algo- rithmus entwickelt, der die Rohsignale aus der Neuromodulation auswertet und so aufbereitet, dass der Arzt auf einen Blick erkennt, ob Verletzungsge- fahr besteht. „Unser Ziel ist es, ein qua- litätsgesichertes nervenerhaltendes Operieren an den Beckenorganen zu etablieren. Im Zentrum steht dabei die Erhaltung der postoperativen Lebens- qualität“, sagt der zuständige Oberarzt im Team, Prof. Dr. Werner Kneist. Da chirurgische Eingriffe im kleinen Becken oft mehrere Stunden dauern können, kommen bei dem Assistenz- system die am IBMT während IKONA entwickelten trockenen Elektroden auf Silikonbasis zum Einsatz, bei denen Nanopartikel im Silikon für die nötige Leitfähigkeit sorgen. Im Vergleich zu konventionellen Elektroden ermögli- chen diese Silikonelektroden über einen längeren Zeitraum eine stabile und zu- verlässige Schnittstelle. Das neue Assis- tenzsystem für minimalinvasive Eingriffe wird derzeit in der präklinischen Phase getestet. Quelle: Fraunhofer-IBMT Beim Treffen in Tuttlingen haben sich 24 Netz- werkpartner zum Projekt CleanMed zusammen- gefunden.

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