PQ-Stellen sehen noch Verbesserungsbedarf

PQ-Stellen sehen noch Verbesserungsbedarf

(MTD 9/2011) Die Leistungserbringer imHilfsmittelbereich müssen nach der geltenden Fassung des SGB V ihre Leistungsfähigkeit nachweisen, sofern sieVertragspartner der gesetzlichenKrankenkassenwerden wollen.Dazu bietet sich die sog. Präqualifizierung an. Seit Januar veröffentlicht der GKV-Spitzenverband die zugelassenen Präqualifizierungsstellen, bei denen auch die Sanitätshäuser ihre Eignung alsVertragspartnerderKassenattestieren lassen können.Mittlerweile gibt es über 20 Präqualifizierungsstellen. Aufgrund des eingeschränkten Produktspektrums bieten sich für die Sanitätshäuser allerdings weniger PQ-Stellen an. MTDialog befragte die Geschäftsführer der relevantenPQ-Stellennach ihrenersten Erfahrungen nach einem halben Jahr Präqualifizierungsarbeit.

Schlussendlich beteiligten sich an der Umfrage folgende acht Anbieter: Azh Abrechnungs- und IT Dienstleistungszentrum für Heilberufe GmbH/Aschheim, Cert iQ/Fürth, Estima Berlin e.K., GPQG Gesellschaft für Präqualifizierung im Gesundheitswesen mbH/Kiel, PQS Hilfsmittel/Berlin, QVH Service/Berlin, TQCert GmbH/Kassel und VQZ Bonn.

Lassen sich die Sanitätshäuser zügig präqualifizieren oder ist eher eine abwartende Haltung festzustellen?

Weitgehend einig sind sich die PQ-Stellen, dass die Leistungserbringer in den ersten Monaten eher zurückhaltend waren. Estima verdeutlicht dies in Zahlen. Insgesamt gebe es 40.000 bis 50.000 Leistungserbringer, nach den Meldungen der PQ-Stellen seien vielleicht 2.000 schon auf den PQ-Zug aufgesprungen (Stand Juli). VQZ weist darauf hin, dass PQs oft erst dann in Auftrag gegeben werden, wenn die Betriebe wegen neuer Betriebsstätten oder aufgrund einer Aufforderung von Krankenkassen präqualifizieren müssen. Die PQS-Analyse kommt zu dem Schluss, dass sich in der Anfangsphase eher die größeren Sanitätshäuser mit Filialbetrieben dem Audit unterziehen. Und die GPQG sieht derzeit einen Ruck durch die Landschaft ziehen, nach dem sich offensichtlich das Gerücht über vermeintliche, aber falsche Übergangsfristen aufgelöst habe. Spätestens wenn es um einen Vertragsabschluss gehe, würden Leistungserbringer die Notwendigkeit erkennen.

Wie viele Betriebe haben Sie konkret bis Mitte Juni 2011 präqualifiziert?

Sind die Sanitätshäuser offensichtlich (noch) zurückhaltend bei der PQ, so sind es die PQ-Stellen bei dieser Frage. Nur TQCert und QVH nennen konkrete Zahlen. Bei TQCert waren es bis Mitte Juni 20 Betriebe, bei QVH 91 Standorte, wobei hier wohl auch die Filialen mit erfasst sind. Die GPQP nennt keine Zahlen, stellt dafür aber fest, dass die Frage nach der Komplexität des PQ-Verfahrens bei einigen Betrieben wichtiger als die Quantität sei. Da hätten die PQ-Stellen eine große Aufgabe zu stemmen. Konkret würde bei der GPQG die Zahl der Antragstellungen die Zahl der abgeschlossenen Verfahren aber übersteigen. Und Estima wollte sich zu dieser Frage nicht äußern, weil aufgrund eigenartiger Pressemitteilungen anderer PQ-Stellen der Eindruck entstanden sei, dass getrickst werde. Obwohl die Erwartungen bislang noch nicht erfüllt seien, sei man mit den Auftragszahlen aber doch zufrieden.

Besteht im PQ-Markt Chancengleichheit? Falls nein, warum nicht?

Bezüglich der Chancengleichheit zwischen den PQ-Stellen besteht offensichtlich ein Problem. Mit Ausnahme der betroffenen PQ-Stellen selbst sehen die von Leistungserbringer-Gruppierungen und Krankenkassen-Verbänden unabhängigen PQ-Stellen eindeutig eine Chancenungleichheit. Falls die Aussagen zutreffen, sind in der Tat die Spieße nicht gleich lang. TQCert verweist auf die von Innungen bzw. Leistungsgemeinschaften gegründeten PQ-Stellen und auf die vom VDEK gegründete PQS, die massiv beworben werde. TQCert stellte die Frage nach der Unparteilichkeit dieser PQ-Stellen. Die VQZ hat festgestellt, dass viele Kassenmitarbeiter Leistungserbringer zur PQS leiten würden. Dabei wird die Qualität der PQS zwar nicht in Frage gestellt, wohl aber eine Marktverzerrung gesehen. Auch Estima stellt die Unabhängigkeit der PQS und der PQ-Stellen der Leistungserbringer-Organisationen wegen der Finanzierung der Unternehmen in Frage. Und dass die Ersatzkassen die PQS und die Leistungserbringer-Organisationen ihre jeweils eigene PQ-Stelle empfehlen, sei für die anderen nicht chancengleich. Im Bereich der gesetzlichen Krankenkassen dürfte eine solche Verflechtung nicht bestehen– zumindest nicht nach der Vereinbarung zum Präqualifizierungsverfahren. Zudem würden die angesprochenen PQ-Stellen über große Datenbestände verfügen, die eifrig zur Akquise genutzt würden. Und schließlich sollten sich die PQ-Stellen grundsätzlich aus Gebühren finanzieren. Wie das bei einigen Stellen aufgrund der Höhe der Gebühren funktioniere, sei ein Rätsel. (Anm. d. Red.: Von Kassen, Leistungserbringer- oder Industrieorganisationen angestoßen wurden neben der PQS die PQ-Stellen DGP [Nowecor], GPQG [Egroh] und QVH [Spectaris].)

Haben sich in der Praxis Umsetzungsprobleme ergeben, die auf grundlegenden Konzeptionsfehlern des PQVerfahrens beruhen?

Einige der PQ-Stellen sehen nur marginale Fehler im PQ-System, einige andere aber doch grundlegendere Konzeptionsfehler, die beseitigt werden müssten. Fast alle PQ-Stellen wünschen sich eine Abstimmung der Auslegungsfragen zu den Eignungskriterien. Dazu schlägt die VQZ eine gemeinsame internetbasierte Kompetenzplattform der PQ-Stellen vor. Die PQ-Stellen haben Probleme, dass es unterschiedliche Interpretationen zu gleichwertigen Qualifikationen von Berufsbildern gibt, die für die jeweiligen Versorgungsbereiche geeignet sind. Es fehlt nach Einschätzung der QVHan objektiven Kriterien für ein gleichförmiges Verfahren. Hier sollte eine rasche Klärung durch den GKV-Spitzenverband und den Beirat erfolgen, so die GPQG. Die Azh bemerkt außerdem, dass Leistungserbringer mit spezialisiertem Versorgungsumfang im Kriterienkatalog keine Berücksichtigung finden, sodass die Prüfkriterien aus Kundensicht oft nicht nachvollziehbar seien. Die TQCert hat Probleme bei der elektronischen Datenübertragung ausgemacht.

Welche Änderungswünsche/-vorschläge haben Sie an den GKV-Spitzenverband hinsichtlich des PQ-Verfahrens?

Überragendes Thema bei den Änderungswünschen an den GKV-Spitzenverband sind ebenfalls die vergleichbaren Qualifikationen. So weist VQZ darauf hin, dass nur 17 Berufe gesetzt sind. Die PQ-Stellen wünschen sich klare Aussagen, welche Qualifikationen diesen Berufengleichgesetzt werden können. Nicht nur zu diesem Thema, sondern generell wünschen sich die PQ-Stellen eine schnellere Reaktion des GKV-Spitzenverbandes bei Anfragen. Estima wünscht sich festgesetzte Fristen dafür und zur Vereinfachung eine Datenbank, wo die PQ-Stellen Informationen abrufen können, die der GKV-Spitzenverband bereits an irgendeine PQ-Stelle abgegeben hat.

Stoßen Sie bei Ihrer Präqualifizierungstätigkeit bei den Leistungserbringern auf Probleme? Falls ja, wie könnten die Leistungserbringer diese Probleme bereits im Vorfeld ausschalten?

Oft fehle es zunächst an den geforderten Nachweisen. Estima empfiehlt den Leistungserbringern, z. B. Qualifikationsnachweise und auch den Auszug aus dem Gewerbezentralregister schon vorab zusammenzustellen bzw. zu beantragen. Die QVH beobachtet manchmal Defizite beim Informationsstand bei den geforderten Nachweisen (fachliche und sachliche Ausstattung). Obwohl es Aufgabe einer PQ-Stelle ist, die nötigen Informationen anzufordern, wäre es dennoch hilfreich, wenn sich die Leistungserbringer vorab mit den Kriterienkatalogen auseinandersetzen würden. Die GPQG sähe eine Vereinfachung für alle Beteiligten darin, wenn neben der Qualifikation des fachlichen Leiters auch Die der zugeordneten Mitarbeiter genannt würde. Die Qualifikation des Leiters alleine sei für einen bestimmten Versorgungsbereich nicht ausreichend.

Gibt es hinsichtlich der PQ Probleme mit Krankenkassen?

Kritisiert werden Krankenkassen, die eigene Informationen einholen, obwohl dies der PQ-Prozess nicht vorsieht. Die VQZ ärgert sich zudem etwas darüber, dass einige Kassen trotz bestehenden Eignungskriterienkatalogs eigene Regelungen zur Präqualifizierung auslegen würden. Es würden an Leistungserbringer Informationen gegeben, dass sich diese eigenen Regelungen mit den festgelegten Eignungskriterien nicht decken. Dies zu bereinigen, mache viel Arbeit. Die PQS rügt, dass es ein paar kleine Kassen gebe, die die PQ-Zertifikate nicht anerkennen bzw. lieber Einzelfallprüfungen nach eigenen Kriterien durchführen möchten. Diesbezüglich wünscht sich die PQS eine Klarstellung durch den GKV-Spitzenverband. Estima hörte diesbezüglich von Akzeptanzproblemen auch bei der AOK. Ein weiteres Problem sei der fehlende Datenfluss vom GKV-Spitzenverband an die Kassen. Die Meldungen der PQ-Stellen über präqualifizierte Leistungserbringer gingen zwar an den GKV-Spitzenverband, dieser leite die Daten bislang aber unzureichend an die Kassen weiter.