2. BIV-Betriebsbefragung: Umsatzeinbrüche und Versorgungsengpässe

Foto: BVMed

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(07/2020) Die zweite Befragung des Bundesinnungsverbands für Orthopädie-Technik (BIV-OT) zu den „Corona-Auswirkungen 2020“ unter Mitgliedsbetrieben ergab im Mai: Die für die Patientenversorgung notwendige Verfügbarkeit von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) hat sich deutlich verbessert, allerdings erleben die Unternehmen fortlaufend hohe Umsatz- sowie Auftragseinbrüche.
Zwischen 4. und 10. Mai beteiligten sich bundesweit 357 Mitgliedsbetriebe des BIV-OT (1. Befragungswelle im April: 599). 92,2 Prozent gaben an, dass ihr Umsatz im April 2020 im Vergleich zum April 2019 abgenommen bzw. stark abgenommen habe (1. Befragung, Vergleich März: 82 %). Für die Auftragslage sagten dies 90,3 Prozent (88,8 %). „Im Medi­an hat der Umsatz demnach um durchschnittlich 30 Prozent und die Auftragslage im Durchschnitt um 35 Prozent abgenommen“, stellt BIV-OT-Präsident Alf Reuter fest. In naher Zukunft wird von den befragten Firmen eine Besserung angenommen: Im Ausblick auf den Folgemonat Juni ergab die Befragung ein freundlicheres Bild, Einbußen werden im Vorjahresvergleich aber weiterhin erwartet. Es drohe nach wie vor für viele Betriebe ein finanzieller Kollaps. Als Maßnahmen im Hinblick auf die Beschäftigten planen 45,1 Prozent der befragten Betriebe Urlaub für (Teile der) Belegschaft (61,4 %), 43,7 Prozent den Ab­bau von Arbeitszeitkonten (60,3 %), 42 Pro­zent Kurzarbeit, sofern diese noch nicht umgesetzt wurde (70,6 %), sowie 12 Prozent die Kündigung von Mitarbeitern (16,4 %), und 9,5 Prozent ziehen vorübergehende Betriebsschließungen (Stand­orte oder Filialen) in Erwägung (8,8 %). Die Einschränkungen im Blick auf die volle Arbeitsfähigkeit in den Versorgungs­segmenten sind inzwischen nicht mehr so ausgeprägt. „Eher bzw. voll arbeits­fähig“ sind: Sanitätshaus 63,5 Prozent (42,5 %), Orthopädie-Technik 62,1 Pro­zent (48,5 %), Orthopädie-Schuhtechnik 45,6 Prozent (44,2 %), Reha 64,9 Prozent (53,1 %), Homecare 64,1 Prozent (47,6 %) und Medizintechnik 54 Prozent (42,2 %). Der Mangel an PSA bleibt ein Thema, freilich nicht mehr so ausgeprägt. So wurde fehlendes Desinfektionsmittel von 45,1 Prozent der Befragten als ein Grund benannt, der „aktuell oder innerhalb der nächsten Woche“ zu Einschränkungen ihrer Lieferfähigkeit führt (71,3 %), gefolgt von FFP2/3-Mundschutz mit 38,9 Pro­zent (82,3 %) und Einweghandschuhen mit 38,9 Prozent (54,1 %). Bei mehreren Produktgruppen (PG) erwies sich die Lieferfähigkeit aufgrund fehlender Handelsware oder Materialien zur Produktion als eingeschränkt. Das betrifft in besonders hohem Maße die zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmittel (PG 54). Hier scheint sich die Lage im Vergleich zur ersten Befragung gar nicht entspannt zu haben. Gefährdet sei die Lieferfähigkeit zudem bei Inhalations- und Atemtherapiegeräten (PG 14), Pflegehilfsmitteln zur Körperpflege/Hygiene und zur Linderung von Beschwerden (PG 51) sowie zur Erleichterung der Pfle­ge (PG 50) und bei Krankenpflegeartikeln (PG 19). Um die weiteren Auswirkungen der Corona-Krise auf die Branche zu dokumentieren, wird die Befragung der Mitgliedsbetriebe des BIV-OT fortgesetzt. Die dritte Befragungswelle wird vom 1. bis 14. Juni stattfinden. Der BIV-OT vertritt als Spitzenverband des orthopädietechnischen Handwerks mehr als 2.500 Sanitätshäuser und ortho­pädietechnische Werkstätten mit etwa 40.000 Beschäftigten. Jährlich versorgen die angeschlossenen Häuser mehr als 20 Mio. Patienten mit Hilfsmitteln.
 
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