Sticheleien auf Augenhöhe

(MTD/8.2.2011)Wer ist besser? Darüber stritten sich im Dezember Dieter Zocholl (InMedig Holding AG) und Bradley Gould (Geschäftsführer Prospitalia GmbH).  Tatort: der „2. Beschaffungskongress der Krankenhäuser“ in Berlin. Zocholl kritisiert: Kommerzielle Einkaufsgemeinschaften sind industrieabhängig. Gould kontert: Einkaufsgemeinschaften senken Kosten. 

Kommerzielle Einkaufsgemeinschaften sind industriegetrieben

Zocholls Vorwurf: Kommerzielle Einkaufsgemeinschaften sind in letzter Konsequenz von der Industrie abhängig. Sie verfolgen keine Interessengleichheit mit den Krankenhäusern, die ihre Kunden sind. Sie würden durch hohen Umsatz auch einen entsprechend hohen Eigenertrag einfahren.
Zocholl: „Die kommerziellen Einkaufsgemeinschaften erhalten pro Jahr 80 bis 100 Mio. Euro von der Industrie vergütet. Ergo sind sie kein Korrektiv.“ Diesen Vorwurf richtet Zocholl an alle fünf großen kommerziellen Einkaufsgemeinschaften in Deutschland: Prospitalia, Sana, PEG, Agkamed und Clinicpartner.
Ein weiterer Vorwurf von Zocholl:  Die kommerziellen Einkaufsgemeinschaften in Deutschland haben nichts zur Kostensenkung beigetragen, nichts bewirkt. So wären die Fallzahlen in den letzten drei Jahren um 3 Prozent gestiegen, die medizinischen Sachkosten hingegen um 30 Prozent. Verantwortlich hierfür sei nicht der technische Fortschritt, sondern die „Marketing-, Vertriebsmaschinerie der Industrie“, stichelte Zocholl. Auf Industrieseite stehe hier ein Etat von ca. 3 Mrd. Euro p. a. zur Verfügung.
Zocholl präsentierte auch ein Gegenmodell – ohne allerdings auf Details einzugehen: InMedig wolle sich als „industrieunabhängige“ Einkaufsgesellschaft positionieren. Das Ziel laute: Interessengemeinschaft mit den Krankenhäusern. Der Umsatz von InMedig solle allein vom Erfolg in punkto Einsparungen auf Krankenhausseite abhängig sein: „Wir stehen nicht ,between’, sind also eventuell ein Korrektiv.“

Kommerzielle Einkaufsgemeinschaften drücken die Preise

Bradley Gould konterte Zocholls Vorwürfe. Sein Kern-Statement: „Wer nur Industrieinteressen vertritt, verliert.“ Natürlich würden kommerzielle Einkaufsgemeinschaften, auch die Prospitalia, fürs Volumen von der Industrie bezahlt. Aber schließlich sei man auch Dienstleister, was ebenfalls Kosten verursache.
Den Interessenkonflikt, den Zocholl vermutet, sieht Gould nicht: „Die Entscheidung, was gekauft wird, fällt doch letztendlich der Krankenhauseinkauf. Und damit entscheidet er auch, ob er über die Prospitalia kauft oder nicht.“
Als Erfolg der Arbeit kommerzieller Einkaufsgemeinschaften in Deutschland wertet Gould die Tatsache, dass die entsprechenden Preise für medizinische Sachkosten in Nachbarländern wie etwa den Niederlanden oder in Österreich um 25 bis 30 Prozent höher liegen als hierzulande. Eine höhere Bündelung bringe nun einmal höheres Volumen und damit bessere Preise mit sich.
Gleichzeitig wies Gould darauf hin, dass die Preisthematik an Relevanz verliere. Bei den Commodities seien die Preise ausgereizt, bei den A-Artikeln (Implantate, hochwertige MT) sehe das noch anders aus. Hier rücken laut Gould aber Aspekte wie Bedarfs- und Prozess-Management verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses. „Man sucht verstärkt nach Kostensenkungen in der gesamten Supply-Chain.“
Sein Credo: Ohne kommerzielle Einkaufsgemeinschaften und die Kooperation mit der Industrie wären die Kostensteigerungen noch weit höher. Innovationen müsse man in ihrer Gesamtwirkung sehen. So könne dadurch u. a. beispielsweise die Verweildauer des Patienten sinken. Die Innovationen auf Industrieseite kämen vor allem vom Mittelstand. Gould: „Und die wollen auch was verdienen.“

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Fotos: Titel: Artsiom Kireyau - Fotolia.com; Personen: Marco Baass

Weitere ausführliche Berichte zum "2. Beschaffungskongress Krankenhaus" finden Sie in der Februar- und Märzausgabe der Fachzeitschrift MTD.