Europäischer Markt für manuelle Rollstühle

Herausforderung & Chance zugleich

(MTD 1/2012) Laut einer Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan erreichte der europäische Markt für manuelle Rollstühle im Jahr 2010 ein Umsatzvolumen in Höhe von 750 Mio. US-Dollar. Dabei entfielen 55 Prozent der Gesamtumsätze auf Sportrollstühle und Leichtrollstühle, 20 Prozent auf bariatrische Rollstühle sowie 10 Prozent auf Kinderrollstühle. Die verbleibenden 15 Prozent stellten andere Segmente. Bei einer Wachstumsrate von 3,7 Prozent bis 2015 soll der Gesamtumsatz auf 900 Mio. US-Dollar anziehen.

Der Europamarkt für Rollstühle wächst beständig. Ungefähr 30 Prozent der Patienten im nichtstationären Sektor führen ein Leben in Immobilität. Zusammen mit einem höheren Prozentsatz von Patienten, die sich für häusliche anstelle von institutioneller Pflege entscheiden, fördern diese Faktoren die Nutzung von Rollstühlen als Mobilitätshilfen. Da die Pflege entweder durch Familienmitglieder oder zum Teil durch professionelle Pfleger in der Wohnung des Patienten erfolgt, besteht ein erhöhter Bedarf an Rollstühlen, um die Unabhängigkeit und Mobilität der Patienten zu fördern.

Laut einer in den Industrieländern von McKee et al. durchgeführten Studie verfügt Deutschland über eine der höchsten Rollstuhlfahrerraten mit rund 1,5 Millionen Rollstuhlfahrern, was einem Anteil von 1,9 Prozent an der deutschen Gesamtbevölkerung entspricht. Diese Rate umfasst allerdings auch Nutzer, die einen Rollstuhl lediglich mieten oder nur für einen kurzen Zeitraum (bei vorübergehender Immobilität) benötigen.

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Markt verändert sein Gesicht

Derzeit entwickelt sich der Markt für Rollstühle von manuellen Standardrollstühlen für alle zu spezialisierten motorbetriebenen Rollstühlen, bariatrischen Rollstühlen, Kinderrollstühlen etc. Der Markt wird stark durch neue, hoch entwickelte Technologien bestimmt, wie zum Beispiel:

  • Stehrollstühle: Ermöglichen dem Rollstuhlnutzer, sich von der Sitz- in eine stehende Position zu bringen, wodurch trotz Behinderungen eine stehende Position eingenommen werden kann und dadurch die Interaktion mit anderen Menschen und Objekten auf Augenhöhe erleichtert wird.
  • „Kletternde“ Rollstühle: Ermöglichen Rollstuhlnutzern, Treppen ohne Hilfe zu erklimmen und sich auf unterschiedlichem Terrain problemlos fortzubewegen. Dadurch können alltägliche Hürden einfacher und ohne fremde Hilfe genommen werden.
  • Solarbetriebene Rollstühle: Der Einsatz von Solarenergie für den Antrieb von Rollstühlen ermöglicht eine umweltfreundliche und kosteneffiziente Fortbewegung. Bei neuartigen Rollstühlen mit Solarenergieantrieb erhöht sich zusätzlich die Lebensdauer.

„Die Verwendung der meisten manuellen Rollstühle erfordert ein erhebliches Maß an Muskelkraft für die Fortbewegung, was oftmals zu Beschwerden und Schmerzen im Schulter- ,Arm- und Handgelenksbereich für aktive Nutzer führt“, erläutert Sowmya Rajagopalan (Program Manager Medical Devices, F&S). „Dadurch entsteht Bedarf an Extrazubehör, um den manuellen Antrieb zu erleichtern. Forschungsinvestitionen in diesem Segment haben einen neuen Markt für Zusatzaccessoires geschaffen.“

In einem von Rehadat durchgeführten und publizierten Überblick wird angeführt, dass Rollstuhlfahrer dem Komfort große Bedeutung zumessen. 93 Prozent der Befragten gaben an, dass eine richtig eingestellte, anatomisch korrekte Sitzfläche das Hauptkriterium für Komfort darstellt. „Dies steht in direktem Zusammenhang mit dem Wachstum im Markt für Rollstuhlzubehör“, meint die F&Sanalystin Rajagopalan.

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Noch Potenzial nach oben

Einer Umfrage zufolge wird geschätzt, dass in Deutschland nur rund 15 Rollstühle pro 10.000 Menschen verkauft werden, während es in Großbritannien im selben Zeitraum rund 44 Rollstühle pro 10.000 Menschen sind. Dies lässt auf eine geringere Marktdurchdringung in Deutschland schließen, wenn man bedenkt, dass Großbritannien über einen ähnlichen Anteil an alten Menschen und Menschen mit Behinderungen aufweist.

Der deutsche Markt für Rollstühle wird für das Jahr 2010 auf rund 165 Mio. US-Dollar geschätzt. „Trotz des geringen Absatzes von Rollstühlen steigen die Marktumsätze aufgrund der erhöhten Nachfrage nach Rollstuhlzubehör“, erläutert Rajagopalan. „Zubehörartikel umfassen Kissen, Rollstuhlrampen, Anbau-Teile, Rollstuhltaschen, Sitzbezüge, Fußplattenschutz und Ähnliches. Derartige Hilfsmittel werden entsprechend der Lebenssituation und des individuellen Bedarfs des Patienten zugekauft.“