Die Boso-Zentrale in Jungingen. Foto: Boso

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(07/2021) Bosch+Sohn GmbH u. Co. KG
 
Boso ist deutschlandweit eine Branchengröße, wenn es um Blutdruckmessen geht. Doch auch die Märkte in Asien und Afrika stehen auf der Agenda des schwäbischen Unternehmens, und zwar durchaus mit Erfolg, wie Geschäftsführer Hans-Peter Haug im Gespräch mit der MTD-Redaktion berichtet.
Herr Haug, lange Jahre waren Sie Verkaufsleiter bei Boso, dann Prokurist und seit Januar letzten Jahres sind Sie Geschäftsführer. Was hat sich dadurch für Sie verändert? Und gab es weitere Veränderungen in puncto Verantwortlichkeiten?
Ja, es hat sich einiges geändert, vor allem natürlich bezüglich der gestiegenen Verantwortung für das Gesamtunternehmen. Hierauf wurde jedoch schon seit längerem hingearbeitet und entsprechende personelle Strukturen wurden in der Firma installiert. Aber klar – das Vertriebsherz steckt immer noch in mir, und nicht nur pandemie-, sondern natürlich auch jobbedingt ist die Anzahl der Geschäftsreisen schon merklich dezimiert. Nichts verändert hat sich an der Beliebtheit der Boso-Geräte. Laut letzter GfK-Umfrage aus dem Jahr 2016 arbeiten 96 Prozent aller deutschen Allgemeinärzte, Praktiker und Internisten mit Blutdruckmessgeräten von Boso.
 
Hans-Peter Haug. Foto: BosoHaben Sie ein paar Kennzahlen zur Hand? 
Unser Umsatz ist ein gut gehütetes Geheimnis. Wer unsere veröffentlichten Zahlen liest, sieht jedoch ein sehr profitables, prosperierendes Unternehmen, welches im letzten Jahr ein sehr gutes Ertragswachstum hingelegt hat.
 
Wie ist die Vertriebsstruktur bei Boso aufgestellt – national und international?
National bearbeiten wir im Bereich Sanitätshaus und Medizintechnik den Markt über ein eigenes Außendienstteam, das derzeit aus fünf Personen besteht, darunter eine Handelsvertretung sowie vier eigene Angestellte. Wir suchen aber derzeit noch eine Person zur weiteren Unterstützung für den Bereich zwischen Ruhrgebiet und Saarland. Im Apotheken-Direktgeschäft werden wir von der Firma Queisser aus Flensburg vertreten. Den Pharmagroßhandel betreuen wir selbst. In Österreich sind wir durch eine eigene Niederlassung in Wien vertreten. Das restliche Exportgeschäft wird durch einen oder mehrere Fachhändler vor Ort gemanagt.
 
Boso ist dem Fachhandel ja treu verbunden. Welche Rolle wird er zukünftig in den Vertriebsstrukturen spielen?
Hier wird sich nichts ändern – wir sind und bleiben für den Fachhandel ein fokussierter Partner.
 
Update aus dem Headquarter: Hat sich in der Boso-Zentrale in Jungingen etwas verändert? Baulich oder organisatorisch? 
Beides hat sich verändert und verändert sich gerade. Wir renovieren beispielsweise gerade unseren Bürotrakt. Des Weiteren setzen wir – wie jeder – auf eine umfassende Digitalisierung. Dazu gehören das mehrheitlich papierlose Arbeiten und optimierte Abläufe – im Grunde alles, was uns hilft, eine bestmögliche Effizienz zu erreichen. Im Laufe des nächsten Jahres sollten wir recht weit sein. Wir liegen hier voll im Plan.
 
Wie sind die Produktion und Logistik aufgestellt? 
Auch hier gibt es bauliche Anpassungen. Wir vergrößern derzeit den gesamten Bereich. Das bereits angesprochene Thema Digitalisierung ist hier integrativ zu betrachten.
 
Und wie sieht es im Bereich Forschung und Entwicklung aus? 
Diesen Bereich haben wir personell aufgestockt und arbeiten zusätzlich stark mit externen Partnern zusammen. Hier wird es spannende Produkte in der Zukunft geben.
 
Von Jungingen in die weite Welt: Was ist aus den Plänen geworden, die Märkte in Afrika und Asien zu erschließen? Wie ist hier der Stand und hat die Pandemie die Pläne beeinflusst? 
Wir sind voll dabei. Einige – und das ist wichtig – nachhaltige Kunden konnten in beiden angesprochenen Regionen gewonnen werden. Wir sind aber noch lange nicht fertig, weshalb wir diesbezüglich auch daran arbeiten, unser Personal aufzustocken.
 
Boso ist in großen Teilen „Made in Germany“. Sie arbeiten jedoch auch mit OEM-Partnern zusammen. Haben Sie hier pandemiebedingte Probleme wie erhöhte Frachtkosten oder Lieferengpässe?
Ja, deutlich gestiegene Frachtkosten sind ein Problem, welches wir jedoch nicht an den Markt weitergeben. Auch die Suezblockade haben wir lange gespürt.
 
Kontaktbeschränkungen statt Kundentermine, abgesagte Messen und Kongresse – die Pandemie hat vieles verändert. Wie begegnen bei Ihnen Außendienst und Vertrieb diesen Herausforderungen? 
Unser Außendienst besucht Kunden nur noch auf deren Wunsch und selbstverständlich nur mit aktuellem Schnelltest sowie FFP2-Maske. Teams wurde zu einem neuen Partner. Alles in allem funktioniert das bestens. Auch künftig wird sicherlich einiges nicht mehr gemacht werden, was in der Vergangenheit als unverzichtbar galt.
 
Hat die Pandemie das Bestellverhalten von Geschäfts- und Endkunden verändert?
Ja, das kann ich klar bestätigen. Die Pandemie stärkt den Online-Bereich. Sowohl was die reine Kommunikation als auch Absatzstrukturen angeht.
 
Das TM-2450 ist die neueste Entwicklung aus dem Hause Boso. Foto: BosoDie Themen Digitalisierung und Ambient Assisted Living (AAL), also altersgerechte Assistenzsysteme für ein unabhängiges Leben, sind durch die Pandemie noch präsenter geworden. Spiegelt sich das auch in der Produktentwicklung wider? 
Digitalisierung steht – wie bereits erwähnt – ganz oben auf unserer Agenda. Das war aber auch schon vor der Pandemie der Fall. Produktseitig arbeiten wir mit Hochdruck am Thema AAL.
 
Welche neuen Produkte hat Boso jüngst herausgebracht und was ist aktuell noch in der Pipeline?
Ganz frisch auf dem Markt ist unser neues 24-Stunden-Blutdruckmessgerät TM-2450. Dabei handelt es sich um den Nachfolger des weltweiten Erfolgsmodells TM-2430. In vielen Bereichen verbessert – kleiner, leichter, äußerst leise – haben wir dieses Gerät sehr erfolgreich in den Markt gebracht. In der Pipeline für 2021 ist noch eine Ergänzung dieses Produktes um die Funktion der Messung des zentralen Blutdrucks sowie der Pulswellenanalyse.
 
Kommen wir zu den Klassikern: Aneroid-Blutdruckmessgeräte. Oldie but Goldie oder Auslaufmodell?
Very Oldie and extremly Goldie. Wir weisen hier ein zweistelliges Stückzahlwachstum aus. Die Geräte funktionieren immer, in quasi jeder Umgebung. Das ist in vielen Einsatzbereichen weltweit ein schlagendes Argument. Ganz klar sind jedoch „modernere“ Geräte in manchen Bereichen eine sehr gute Alternative. Die Zeit der mechanischen Geräte ist aber noch sehr lange nicht vorbei und wird auch lange noch eine entsprechende Nachfrage generieren.
 
Wie läuft die MDR-Implementierung bei Boso? Und wirkt sich die MDR auf das Produktportfolio aus? Einige Hersteller nehmen selten gekaufte Produkte aus ihrem Portfolio. 
Wir werden teilweise unser Portfolio ausdünnen, aber – wie Sie ansprechen  – wirklich nur bei sehr selten gekauften Produkten. Grundsätzlich sehen wir uns zum Thema MDR bestens aufgestellt und meistern hier die Anforderungen gut. 
 
Testsieger bei der Stiftung Warentest: das Medicus X. Foto: BosoAuch ein großes Thema: der Brexit. Inwieweit beeinflusst er die Geschäftstätigkeiten von Boso?
Durch entsprechende Bevorratung unseres dortigen Handelspartners konnten wir die Anfangshürden gut umschiffen. Da wir weltweit aufgestellt sind, kommen wir mit den Anforderungen des Exportgeschäftes bestens klar – egal in welches Land es geht.
 
Neben den Profis wendet sich Boso auch an die Endkunden. Spüren Sie hier die Konkurrenz durch Discounter?
Wir spüren hier eigentlich keine Konkurrenz. Wir sind eher hochpreisig aufgestellt und sehen uns hier nicht im direkten Wettbewerb.
 
Das Medicus X Oberarm-Blutdruckmessgerät hat wiederholt bei der Stiftung Warentest den Spartensieg davongetragen, zuletzt 2020, und auch das Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga erhalten. Sind solche Titel im Endkundengeschäft wichtig?
Solche Titel sind schon wichtig – wobei zu erwähnen ist: Richtig wichtig in unserem Produktumfeld ist nur die Stiftung Warentest. Es gibt noch andere Titel, womit wir explizit nicht werben, da wir hier die Seriosität nicht als gegeben erachten. Konkret merken wir eine spürbare Nachfragezunahme beim Medicus X – erfreulicherweise ohne bei anderen Produkten Einbußen hinnehmen zu müssen.
 
Herr Haug, wir danken für das Gespräch.
 
 

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