Abb. 1: Schematische Darstellung OP-Planung.

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von Andreas Bätzel (Referent Innovation Medizintechnik & Gesundheitsmarkt im ZVEI-Fachverband Elektromedizinische Technik)

(12/2019) Neben den Fähigkeiten des Anwenders von Medizintechnik ist das reibungslose Zusammenspiel verschiedener innovativer, leistungsfähiger Geräte ein wesentlicher Teil moderner Medizin. Dies bringt die zunehmende Verzahnung medizinischer Disziplinen, wie Radiologie und Chirurgie, weiter voran. Gleichzeitig gewinnt diese Verzahnung mit Blick auf eine optimierte Gesundheitsversorgung gerade im OP stark an Bedeutung. OP-Säle sind komplexe Raumsysteme. Die Verbände ZVEI und Spectaris haben deshalb als strategischen Lösungsbeitrag für Betreiber eine Planungshilfe zur Ausstattung von OPs entwickelt.

Den gesellschaftlichen Forderungen nach verfügbarer, sicherer und qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung stellen medizintechnische Hersteller fortlaufend neue, verbesserte Lösungs­möglichkeiten gegenüber.

Herausforderungen –medizinisch und betrieblich
Insbesondere im Bereich integrierter Operationsräume planen Klinikbetreiber immer häufiger multimodale Gesamtsys­teme (Abb. 1), die über das Zusammenwachsen von Radiologie und Chirurgie bereits deutlich hinausgehen. Dieses dynamische Herangehen muss den hauseigenen Bedarf an neuen Ausstattungsmerkmalen und den veränderten Leistungsanspruch des Betreibers mit den baulichen Voraussetzungen und sonstigen lokalen Gegebenheiten in Einklang bringen. Unter Wettbewerbsaspekten wird es für Krankenhäuser zudem immer wichtiger, hybride Behandlungsmöglichkeiten anzubieten. Sowohl die planerische Vorbereitung als auch das Investitionsvolumen und die passgenaue Umsetzung stellen dabei regelmäßig eine besondere Herausforderung dar.

Vorüberlegungen für ein Investitionsprojekt
Mediziner verschiedener Disziplinen und unterstützendes Personal arbeiten mittlerweile fachübergreifend in OPs zusammen. Häufig entstehen hybride OPs unter Einbeziehung einer Angiografie-Anlage, die zur zeitlich engen Verknüpfung von Diagnose und Therapie beiträgt. Mobile C-Bögen und andere radiologische Sys­teme sind in Echtzeit in der Lage, die erforderliche Bildqualität zu liefern. Große Bedeutung hat der Raumbedarf eines OP. Fahrwege für Technik und Patient müssen freigehalten und mögliche Geräte-Kollisionen durch geeignete Anordnung vermieden werden. Der integrierte OP, der alle medizintechnischen Systeme und weitere technische Komponenten beinhaltet – wie sach­gerechte Belüftung, parallele Monitordar­stellungen und gesicherte IT-Vernetzung – ermöglicht der traditionellen Leistungs­erbringung überlegene Versorgungsformen. Dabei müssen aber, mit Blick auf Ökonomie und Arbeitsabläufe, nicht zwin­gend High-End-Lösungen oder der maxi­mal mögliche Umfang an Technik umgesetzt werden. Wichtig ist vielmehr, die beabsichtigte Nutzung und die erforderlichen Qualifikationen der Mitarbeiter von Anfang an im Blick zu behalten. Zudem spielt die Flexibilität der Ausstattungselemente eine tragende Rolle. Und schließlich gilt es dabei, alle Fragen rund um die Themen Hygiene-Management und IT-Sicherheitsarchitektur und ihrer Subsysteme im gesamten Krankenhaus im Auge zu behalten. Von grundlegender Bedeutung ist auch, ob ein Bestandsbau, ein Neubau oder ein Bau-Modul umzurüsten bzw. einzurichten ist. Bestehende Bauten erhöhen erfahrungsgemäß die planerische Komplexität, zumal im Falle eines Umbaus auch der Weiterbetrieb des Hauses insgesamt gewährleistet sein muss. Aus diesen Grün­den braucht es vor der Beschaffungsplanung für solche Funktionsräume eine sorgfältige Analyse.

Abb.2: OP-Trakt

Versorgungsbedarf und Personalressourcen
Die Entwicklung der minimalinvasiven Chirurgie (MIC) seit den 1990er-Jahren hat das Arbeiten in OPs grundsätzlich verändert. Die zunehmend komplexeren Technologien machten deutlich, dass sich diese neuen Verfahren mit den vorhandenen OP-Arbeitsplätzen nicht anwenden ließen. Dieses strategische Problem adressiert der Ansatz der OP-Integration: Effiziente und intuitive Bedienung, einfache Darstellung und Dokumentation sowie ungehinderter Datenaustausch inner­halb und außerhalb des OPs bilden ein magisches Dreieck, das dem Begriff „Ergonomie“ eine neue Dimension verleiht. In der Planungsphase für OPs stehen als Kernfragen die künftige Entwicklung des Marktes und die Verfügbarkeit personeller und finanzieller Ressourcen im Mittelpunkt. So ist gerade in der minimal­invasiven Medizin durchaus mit einer Ausweitung in den ambulanten Bereich zu rechnen, alternative Therapiekonzep­te könnten an Bedeutung gewinnen. Auch der Zuweisungsprozess von ambulanten Fachärzten an Fachkliniken im näheren Umkreis wird großen Einfluss auf die Akzeptanz und Auslastung der Kapazitäten haben. Daraus ergeben sich weitere Erwartungen an die technologische Entwicklung und Geschwindigkeit marktfähiger Innovationen. Des Weiteren spielen die personellen und logistischen Leistungsziele einer Klinik eine strategische Rolle. Diese Überlegungen betreffen sowohl größere wie auch kleinere Krankenhäuser, die sich im Marktumfeld durch ein attraktives Angebot zu behaupten versuchen. Das ge­samte medizinische Team muss entweder im Haus ausgebildet oder – möglichst langfristig – an die Klinik gebunden werden. Daneben sind der Flächenbedarf und die Wege innerhalb des Hauses im Rahmen der Versorgungsprozesse zu klä­ren (Abb. 2). Die Abstimmung auf das künftige Leis­tungsspektrum kann zeitraubende Teil-sanierungen erforderlich machen, die dann temporär den Klinikbetrieb beeinträchtigen. Der Umstellungsprozess muss also gleichermaßen ökonomisch abgebildet werden und im Versorgungsalltag verantwortbar sein.

Die ZVEI-Planungshilfe
Ausgehend von der Überlegung, dass für die Medizintechnikhersteller mehr und mehr das klinische Umfeld des Produkts gegenüber den primären Produkteigenschaften an Bedeutung gewinnt, haben sich Anbieter verschiedener Richtungen unter dem Dach der Verbände ZVEI und Spectaris zu einem gemeinsamen Projekt zusammengeschlossen. Darin werden zu­nächst die aus den Perspektiven von Planern, Architekten und Betreibern rele­vanten Fragen gestellt, um diese dann in einer Hilfestellung für die Analyse und Umsetzung eines neuen OPs oder Hybrid-OPs zu beantworten. Ziel dabei ist eine Sensibilisierung für die gegenseitigen Abhängigkeiten technischer Komponenten, die bei separater Betrachtung der Einzelgewerke leicht übersehen werden und später zu Konflikten führen. Denn: Der Raum ist das System! Grundstruktur des ZVEI-Dokuments (Abb. 3) ist eine stufenweise Klassifizierung nach baulichen Voraussetzungen, Anwendungsbereichen und Bildgebungs­einheiten als Primärtechnik im Zentrum des OPs. Daraus ergeben sich aus Sicht einer Klinik die folgenden sechs zentralen Dimensionen:

  • Workflow
  • Ausstattung
  • Sicherheit
  • Anlagenbedienung
  • Zukunft
  • Wettbewerb

Workflow
Zu den medizinischen Disziplinen und der Häufigkeit, mit der Spezialisten und unterstützendes Personal einen OP oder Hybrid-OP nutzen, gibt es eine Reihe wis­senschaftlicher Leitlinien. Dies betrifft auch die Standardisierung von Abläufen. Die Wirtschaftlichkeit wird im Wesentlichen durch die Auslastung bestimmt und hängt somit mittelbar mit der Art der durchgeführten Eingriffe zusammen. Weiterhin ist zu diskutieren, inwieweit ein einheitliches Bedienkonzept gewünscht und mit den Angeboten der Hersteller zu vereinbaren ist. Schließlich sind die Umbettung von Patienten als Spezialthema sowie der Abgleich von möglicherweise standardisierten OP-Abläufen innerhalb von Abteilungen oder sogar innerhalb der gesamten Klinik zu klären. Damit einher gehen die Definition der IT-Schnittstellen, die Anbindung an die IT-Infrastruktur des jeweiligen Hauses und die Frage, ob die gewählte OP-Lösung eine bereits bestehende Struktur in der Klinik unterstützt.

Ausstattung
Die Erwartung an die Verfügbarkeit und Funktionalität der Einzelkomponenten wird in jedem Projekt andere Ausprägungen haben. Dies beginnt schon mit der Festlegung, welche bildgebenden Systeme (2D, 3D, 4K) innerhalb der Abteilung oder des OPs benötigt werden. In einem Hybrid-OP kann es wichtig sein, dass die Vitaldaten an einem großen, externen Monitor angezeigt werden. Produktbereiche wie Medienversorgung, OP-Leuchten und Kommunikationstechnik haben eigene Anforderungen, die in derzeit sieben speziellen Anhängen zur ZVEI-Planungshilfe aufgeführt werden. Die Raumplanung umfasst neben der Materialbereitstellung und der Lagerhaltung auch die Visualisierungsqualitäten. Außerdem ist der Anteil der Festinstallationen und der mobilen Systeme zu berücksichtigen.

Sicherheit
Sicherheitsrelevante Aspekte betreffen verschiedene Bereiche wie Gefahrenmeldeanlagen, Zugangskontrollen und patientenbezogene Daten ebenso wie Kollisionsschutz oder die Notstromversorgung. Bei den Ausfallkonzepten sind außerdem die Cybersicherheit – insbesondere in Bezug auf Befall mit digitalen Viren – zu gewährleisten und gegenseitige negative Einflüsse auszuschließen.

Anlagenbedienung
Für jeden OP-Raum kann sich statt des üblichen ein anderes Bedienkonzept als optimaler erweisen. Hersteller unterstützen hier durch Schulungen, Hotlines und Remote Services. Zusätzlich können Kurz­bedienungsanleitungen zur Vereinfachung und für den spontanen Gebrauch herangezogen werden.

Zukunft
Die perspektivische Entwicklung der Medi­zin insgesamt, aber auch der Bedarf an bestimmten Operationen und Behandlungen, sind bei den Investitionsplanungen zu beachten. Dabei wandeln sich die Wünsche der medizinischen Disziplinen entsprechend des abgedeckten Leistungsspektrums und des aktiven Personals.

Wettbewerb
Die heutigen und künftigen betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen für OPs und Hybrid-OPs müssen strategisch verstanden und vor dem Hintergrund der beabsichtigten Entwicklung des Hauses umgesetzt werden. Eine zentrale Dimension der Veränderung liegt neben der Dynamik in den Vergütungssystemen medizinischer Leistungen und der beweglichen Kostenstruktur für Kran­ken­häuser – absehbar in einer verringerten Revisionsrate.

Expertise nutzen
Damit OP-Räume erfolgreich umgesetzt werden können, sollten Planer, Architekten und Betreiber von Anfang an die notwendige Expertise aus den Funktionsbereichen im eigenen Haus hinzuziehen sowie mit Fachleuten der technischen Gewerke und der beteiligten, zuliefernden Hersteller zusammenarbeiten. Jedes dieser Projekte ist ein Einzelfall mit eigener Charakteristik. Das erfordert eine hinreichend genaue Kostenschätzung und die Berücksichtigung des Baubestands. Bereits zu Beginn des Planungsprozesses sind die Ziele der OP-Ausstattung sowie alle relevanten Eigen­schaften der technischen Komponenten in diesen Funktionsräumen zu klären. Zusätzlich sollten Vertreter aus den verschiedenen medizinischen Fachrichtungen – den späteren Anwendern – miteinbezogen werden. Der Erfolg einer OP-Installation wird davon bestimmt, ob die Analyse von Wunsch und Verwirklichung frühzeitig und vollständig erfolgt ist. Die Herstellerangebote dazu sind vielfältig. Deshalb ist es für zuliefernde Hersteller wichtig, Teil dieses iterativen Planungsprozesses zu sein, um ihre Lösungskompetenz best­möglich einbringen zu können. Mit der OP-Planungshilfe des ZVEI bekommen Planer, Architekten und Betreiber außerdem eine zweckmäßige Hilfe-stellung an die Hand, mit der sich eine wenig koordinierte Beschaffung und Projektrealisierung mit unnötigen Folgekos­ten und einer Gefährdung der Leis­tungs­ziele vermeiden lässt. Im April 2019 erschien die letzte Fassung der ZVEI-Planungshilfe für die Einrichtung von OP-Räumen. Die nächs­te Aktualisierung ist zum Jahres­ende 2019 geplant. Webseite: www.zvei.org/gesundheit

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