(08/2020) 80 Prozent der GKV-Versicherten erhielten im Jahr 2019 eine mehrkostenfreie Hilfsmittelversorgung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Lediglich 20 Prozent zahlten durchschnittlich 117,75 Euro dazu. Interessant: Fast zwei Drittel aller Mehrkos­ten entfielen auf die Versorgung mit Hörhilfen. Das heißt: Bei allen anderen Hilfsmittelversorgungen mit Mehrkosten beliefen sich die durchschnittlichen Mehrkosten nur noch auf 45 Euro.


Dem „2. Bericht des GKV-Spitzenverbandes über die Entwicklung der Mehrkostenvereinbarungen für Versorgungen mit Hilfsmitteln“ gem. § 302 Abs. 5 SGB V liegt der Untersuchungszeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 2019 zugrunde. Berücksichtigt wurden im Rahmen der erhobenen Daten insgesamt rund 29,4 Mio. Hilfsmittelversorgungen mit einem Ausgabenvolumen für die Krankenkassen von ca. 8,6 Mrd. Euro.  Dies entspricht einem Anteil von rund 96 Prozent der nach der amtlichen Statis­tik ausgewiesenen Gesamtausgaben für Hilfsmittel, die im Jahr 2019 9,0 Mrd. betrugen.

Mehrkosten über alle Produktgruppen hinweg
Mit Blick auf alle Produktgruppen wurden von den ca. 29,4 Mio. Hilfsmittelversorgungen, zu denen Daten übermittelt wurden, bei rund 5,9 Mio. Hilfsmittelversorgungen Mehrkosten dokumentiert. Das entspricht einem Anteil von Versorgungen mit Mehrkosten an den im Bericht erfassten Hilfsmittelversorgungen von 20 Prozent gegenüber 18 Prozent im 2. Halbjahr 2018 (1. Mehrkostenbericht). Die Summe aller dokumentierten Mehrkosten betrug rund 692,1 Mio. Euro, die durchschnittliche Höhe der Mehrkosten je Versorgungsfall mit Mehrkosten belief sich auf ca. 118 Euro.

Produktgruppen unterschiedlich betroffen
Die Verteilung der 20 Prozent aller Versorgungsfälle mit Mehrkosten auf die einzelnen Produktgruppen fiel im vergangenen Jahr sehr unterschiedlich aus. Dokumentiert sind:

  • 6 Produktgruppen mit mehr als 30 Prozent Mehrkostenvereinbarungen: Einlagen, Hörhilfen, Brustprothesen, Sehhilfen, Beinprothesen, Hilfsmittel zur Kompressionstherapie
  • 3 Produktgruppen mit mehr als 10 Pro­zent und unter 30 Prozent Mehrkos­tenvereinbarungen: Haarersatz, Bandagen, Inkontinenzhilfen
  • 10 Produktgruppen mit mehr als 1 Prozent und unter 10 Prozent Mehrkostenvereinbarungen: Kommunikationshilfen, Orthesen/Schienen, Gehhilfen, Lagerungshilfen, Adaptionshilfen, Verschiedenes (PG 99), Messge­räte, Absauggeräte, Schuhe, Bade- & Duschhilfen
  • 19 Produktgruppen mit weniger als 1 Prozent Mehrkostenvereinbarungen

Die Rangfolge der Produktgruppen mit den höchsten Anteilen an Versorgungen mit Mehrkostenzahlungen hat sich im Wesentlichen nicht verändert. Nach wie vor sind die Produktgruppen 08 „Einlagen“ und 13 „Hörhilfen“ die Produktgruppen mit dem höchsten prozentualen Anteil an Versorgungsfällen mit Mehrkos­ten. Im Folgenden die Top Ten hinsichtlich Anteil der Versorgungsfälle mit Mehr­kosten in Prozent:
1.    Einlagen (52,91 %)
2.    Hörhilfen (52,36 %)
3.    Brustprothesen (42,73 %)
4.    Sehhilfen (35,21 %),
5.    Beinprothesen (34,01 %)
6.    Hilfsmittel zur Kompressions­therapie (30,96 %)
7.    Haarersatz (26,18 %)
8.    Bandagen (20,53 %)
9.    Inkontinenzhilfen (17,51 %)
10.    Kommunikationshilfen (9,69 %)

Zwei Drittel der Mehrkosten entfallen auf Hörhilfen
Laut Bericht wurden dabei 445 Mio. Euro, also fast zwei Drittel aller Mehrkos­ten, bei den Versorgungen mit Hörhilfen registriert. Betrachtet man diese gesondert, ergeben sich für alle anderen Hilfsmittelversorgungen mit Mehrkosten durchschnittliche Mehrkosten von nur noch
45 Euro.

Durchschnittliche Mehrkosten
Mit Blick auf die Höhe der durchschnittlichen Mehrkosten je Versorgungsfall mit Mehrkosten ergibt sich für den Berichtszeitraum 2019 laut 2. Mehrkostenbericht folgende Produktgruppenrangfolge:
1.    Hörhilfen 1.081,91 Euro
2.    Kranken-/Behindertenfahrzeuge 495,87 Euro
3.    Stehhilfen 416,93 Euro
4.    Augenprothesen 357,76 Euro
5.    Haarersatz 228,77 Euro
6.    Armprothesen 200 Euro
7.    Blindenhilfsmittel 148,83 Euro
8.    Hilfsmittel bei Tracheostoma und Laryngektomie 146,99 Euro
9.    Gehhilfen 136,56 Euro
10.    Therapeutische Bewegungsgeräte 136,44 Euro
12.    Krankenpflegeartikel 124,23 Euro
13.    Sehhilfen 118,16 Euro
14.    Inkontinenzhilfen 107,67 Euro
15.    Mobilitätshilfen 104,64 Euro
16.    Beinprothesen 86,44 Euro  
17.    Hilfsmittel gegen Dekubitus 75,81 Euro
18.    Bestrahlungsgeräte 69,11 Euro
19.    Elektrostimulationsgeräte 62,52 Euro,
20.    Sitzhilfen 55,86 Euro
21.    Stomaartikel 45,43 Euro
22.    Bade- und Duschhilfen 44,81 Euro
23.     Toilettenhilfen 39,03 Euro
24.    Brustprothesen 36,73 Euro
25.    Inhalations- und Atemtherapie­geräte 32,62 Euro
26.    Schuhe 30,88 Euro
27.    Einlagen 29,60 Euro
28.    Hilfsmittel zur Kompressions­therapie 25,20 Euro
29.    Kommunikationshilfen 22,07 Euro
30.    Orthesen/Schienen 19,13 Euro
31.    Bandagen 19,02 Euro
32.    Adaptionshilfen 18,80 Euro
33.    PG 27 – nicht besetzt 16,83 Euro
34.    Applikationshilfen 16,39 Euro
35.    Lagerungshilfen 14,78 Euro
36.    Absauggeräte 14,60 Euro
37.    Messgeräte für Körperzustände/-funktionen 13,80 Euro
38.    Epithesen 13,31 Euro



Gewisse Grundskepsis hört man heraus
Der GKV-Spitzenverband betont in dem aktuellen Mehrkostenbericht, dass „gesicherte Erkenntnisse zu der Frage, ob es sich bei den für die einzelnen Produktgruppen des Hilfsmittelverzeichnisses erhobenen Mehrkosten um gerechtfertigte oder ungerechtfertigte Mehrkosten handelt“, auf Basis der geltenden gesetzlichen Regelungen „nicht zu gewinnen“ seien, da die Gründe für Mehrkostenvereinbarungen nicht anzugeben und zu dokumentieren seien. Qualitative Aussagen zu Mehrkostenvereinbarungen seien nur auf Basis verbesserter Rechtsgrundlagen möglich.
Versichertenbefragungen der Kranken­kassen würden aber darauf hindeuten, dass viele Versicherte die Entscheidung zur Inanspruchnahme von Leistungen gegen Mehrkosten bewusst treffen, es aber nicht selten bei ihnen auch Unkenntnis und Unsicherheiten bezüglich des Anspruches auf eine mehrkostenfreie Versorgung gebe und es an einer hinreichenden Beratung und Aufklärung hier­über durch die Leistungserbringer fehle.  wds

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