Foto: Mediteam

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(06/2021) Menschen mit eingeschränkter Mobilität legen zunehmend Wert darauf, weiterhin in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Hier kommen auch Lifter ins Spiel. Die MTD-Redaktion hat sich mit Philipp Schrödel, Geschäftsführer des Sanitätshauses Mediteam in Hallstadt/Bayern, über die Wahl des richtigen Produktes, die Marktlage und die sektorenübergreifende Zusammenarbeit unterhalten.

Philipp Schrödel. Foto: Mediteam Herr Schrödel, welche Arten von Liftern bieten Sie an? 
Wir haben vom elektrischen Patientenlift über Badewannenlifte bis hin zum Decken­lift so ziemlich alles im Portfolio, um unseren Kunden – abhängig von seinem Handicap – optimal zu versorgen.

Beraten Sie zu dem Produktfeld an allen acht Standorten? 
Nein, die Beratung für Lifter findet nur in unserer Firmenzentrale in Hallstadt statt. Darüber hinaus ist es aber auch wichtig, bei jedem der Interessenten einen Hausbesuch zu machen und die Beratung und eine Erprobung im Wohnumfeld durchzuführen. Dies bietet den Kunden den Vorteil, dass sie das neue Hilfsmittel in ihrem gewohnten Tagesablauf testen können und direkt sehen, ob es eine Erleichterung darstellt oder nicht. Bei Treppen- und Deckenliften besteht gar keine andere Möglichkeit, als die Beratung vor Ort durchzuführen, da sich der Fachberater immer ein Bild der Gegebenheiten machen muss.

Und wie kommt der Patient zu seinem  optimalen Lifter?
Tatsächlich ist es so, dass in den seltensten Fällen der Kunde mit einer Verordnung für einen Lifter in unser Haus kommt. Ausnahme ist hier mit Sicherheit der Badewannenlift. Ansonsten stellt sich die Situation meistens so dar, dass wir den Kunden beispielsweise mit einem Pflegebett versorgen und bei der Lieferung stellen unsere Fachberater fest, dass es damit nicht getan ist. Es wird direkt vor Ort auf die vorhandenen Defizite hingewiesen und darauf, welche Verbesserung und Erleichterung der Pflege zu Hause ein Patienten-Lift mit sich bringen würde.

Thema Badewannenlift: Wie entwickeln sich hier Nachfrage und Angebot? 
Die Nachfrage in diesem Bereich ist schon seit Jahren auf einem konstant guten Niveau. Badewannenlifter sind ja doch weitläufig bekannt und für viele eines der ersten Hilfsmittel, mit denen sie in Kontakt kommen. Da fast alle Versorgungen über Kostenträger abgewickelt werden, besteht für uns als Fachhandel noch kein großer Konflikt mit dem Freiverkauf im Online-Handel. Viele Kunden erkennen und schätzen in unserer Branche den Vorteil einer guten Beratung und einer Einweisung in ihr neues Hilfsmittel.

Wie sieht es im Bereich der Patientenlifter aus?
Hier merkt man schon einen Anstieg in den Versorgungszahlen. Aber viele Angehörige wissen nicht, welche Möglichkeiten es gibt und was ihnen zusteht. Und genau da kommen wir ins Spiel. Es muss unsere Aufgabe sein, die Kunden vollumfänglich zu beraten und mithilfe von Diagnoseschlüsseln vorauszuschauen: Wie entwickelt sich das Krankheitsbild und wobei kann jetzt schon unterstützt werden?

Kunden beziehen Treppenlifter mittlerweile direkt vom Hersteller. Welche Rolle spielt dieses Segment bei Ihnen und welche Vorteile hat der Kunde, wenn er über Sie kauft?  
Viele Hersteller von Treppenliftern haben sich spezialisiert, aber auch versteift auf das Segment. Hier fehlt meiner Meinung nach einfach die Möglichkeit der ganz­heitlichen Versorgung und auch die Chan­ce, Versorgungen auf schnellem und ein­fa­chem Weg aufeinander abzustimmen. Beim Fachhandel hat der Kunde einen Ansprechpartner, mit dem er seine ganzen Probleme und Hindernisse besprechen und im besten Fall lösen kann. Da wir in der Rehatechnik schon sehr in die Privatsphäre unserer Kunden eintauchen, versuchen wir von Mediteam, immer den gleichen Mitarbeiter einzusetzen, sodass ein gewisses Vertrauensverhältnis entstehen kann.

Sie bieten auch Rollstuhllifte an: Muss man hier andere Dinge beachten als beim Treppenlift?
Ein Treppenlift kann man in fast jedes Treppenhaus einbauen. Hier gibt es mittlerweile so viele verschiedene Systeme, dass meistens eine Lösung gefunden wird. Bei Rollstuhlliften ist dies ein bisschen schwieriger, da die Plattform einfach mehr Platz in Anspruch nimmt. So fallen enge Treppenhäuser meistens raus.

Welche Rolle spielen Aufricht- und Umsetzhilfen in Ihrem Sortiment? 
Wie schon vorhin erwähnt, versuchen wir, unsere Kunden vollumfänglich zu beraten. So schauen wir uns das Krankheitsbild und die häuslichen Gegebenheiten an und entscheiden dann zusammen mit den Kunden bzw. den Angehörigen über das passende Hilfsmittel. Wir betrachten, ob es beim Kunden noch eine Restkraft gibt, welche gefördert werden soll, oder ob zur kompletten Entlastung der Angehörigen ein entsprechender Patientenlift benötigt wird. Von daher sind Aufricht- und Umsetzhilfen ein fester Bestandteil in unserer täglichen Beratung.

Gibt es unterschiedliche Anforderungen an Lifter im häuslichen und stationären Bereich?
Nein, die gibt es grundsätzlich nicht.

Lifter-Ausstellung im Stammhaus. Foto: MediteamDrei Ihrer Filialen befinden sich in Klinikgebäuden. Welche Vorteile hat die Präsenz im klinischen Umfeld für Sie, aber auch für den Patienten und die Versorgung mit Liftern/Hilfsmitteln?
Die Vorteile sind kurze Wege und schnelle Reaktionszeiten. Bei immer kürzeren Liegezeiten im stationären Bereich ist es wichtig, dass bei der Entlassung möglichst alle benötigten Versorgungen zur Verfügung stehen. So bekommt der Kunde direkt das Gefühl, dass sich jemand um ihn kümmert und er gut aufgehoben ist. Die Mitarbeiter vor Ort können wichtige Informationen aufnehmen und diese an die jeweiligen Fachberater weiterleiten. Unsere Mitarbeiter sind intensiv geschult und besitzen aufgrund langjähriger Erfahrungen ein enormes Know-how darüber, welche Hilfsmittel sofort und welche erst zu einem späteren Zeitpunkt benötigt werden. So wird die Zusammenarbeit mit dem Entlassmanagement optimiert und ein reibungsloser Ablauf sicher­gestellt.

Welche Rolle spielen die Themen Wiedereinsatz und Fallpauschale?
Die Mehrheit der Krankenkassenverträge sehen einen Wiedereinsatz bzw. eine Fallpauschale in diesem Segment vor. Daher spielt es natürlich eine entscheidende Rolle für uns. Wir als Leistungserbringer beherrschen beide Systeme sehr gut. Entscheidend sind eine hohe Umschlaghäufigkeit sowie eine gewisse Langlebigkeit der eingesetzten Produkte.

Aufbereitung und Wartungsmanagement: Wie sind Sie hier aufgestellt? Und was geht am häufigsten kaputt? 
Wir reinigen und desinfizieren unsere Hilfsmittel in vier Stufen. Im ersten Schritt wird die Oberfläche des Hilfsmittels während der Rückholung beim Kunden vor Ort desinfiziert. Die kontaminierten Hilfsmittel werden dann über Nacht einer Nebeldesinfektion unterzogen, bevor sie anschließend durch unsere Waschstraße gehen, in welcher unsere Mitarbeiter mit entsprechenden Strahlgeräten per Hand alle Verschmutzungen beseitigen. Anschließend kommt das Hilfsmittel zur Instandsetzung. Hier wird jede kleine Kerbe noch mal in Augenschein genommen und bei Bedarf gereinigt. Die meisten Instandsetzungen sind bei den Verbrauchsteilen zu finden.

Stichwort Genehmigung und Kostenerstattung: Welche Trends zeichnen sich auf Krankenkassenseite ab?
Badewannenlifter sehen viele Krankenkassen als Grundausstattung für den Versicherten an und genehmigen diese in der Regel ohne Weiteres. Die Anzahl der Versorgungen mit Patientenliftern nimmt, wie schon erwähnt, auch deutlich zu. Viele Pflegebedürftige möchten möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen. Durch unsere Hilfsmittel werden Angehörige und Pflegekräfte unterstützt und geschont. Das sehen auch die Krankenkassen so und viele Versorgungen werden ohne Probleme genehmigt. Bei allen größeren Versorgungen wie Treppenlift oder Deckenlift bedarf es einer umfangreicheren Bestandsaufnahme sowie Begründung.

Und wie läuft die Zusammenarbeit mit Verordnern und Krankenkassen?
Wir merken hier schon, dass bei hochwertigen Versorgungen vermehrt der MDK mit eingeschaltet sowie eine Stellungnahme vom verordneten Arzt angefordert wird. Das verzögert leider die Versorgung immens, da ein Gutachten gut und gern ein paar Wochen auf sich warten lässt. Leidtragender ist am Ende immer der Versicherte.

Zur Jahreswende 2019/20 scheiterten die Verhandlungen der Kassen-Arge mit der Arge Leistungserbringer zu Badewannenliften. Damals hat auch die Landesinnung Bayern von einem Vertragsbeitritt abgeraten. Wie versorgen Sie aktuell die Versicherten von Ersatzkassen? 
Diese können wir aktuell leider nicht versorgen. Wir verweisen die Kunden dann immer freundlich auf die Hilfsmittellotsen der jeweiligen Krankenkasse, was nicht immer auf Verständnis bei den Versicherten trifft.

Herr Schrödel, wir danken für das Gespräch.

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