(09/2020) Azh-Analyse PG 15


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Dynamik bei ISK-Kathetern

Die Versorgung der Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen mit Inkontinenzartikeln war in den letzten Jahren von Veränderungen geprägt. Neben der Aufhebung der Festbetragsregelung für aufsaugende Produkte zum 1. Januar 2018 brachte vor allem die Abschaffung der Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich mit Inkrafttreten des Terminservicegesetzes (TSVG) Änderungen für die Vertragslandschaft. Nach einer Übergangsfrist von sechs Monaten endeten alle laufenden Ausschreibungsverträge zum 30. November 2019 und mussten durch Verhandlungsverträge ersetzt werden. Je nach Vertragsvariante sind nun Einzelpreise oder Pauschalvergütungen vereinbart.

Im ersten Halbjahr 2020 gaben im Hilfsmittelbereich – wie auch in allen anderen Bereichen – vor allem Covid-19 und die Folgen den Takt bei neuen Regelungen und Richtlinien vor. Hygieneartikel rückten in den Fokus der Gesellschaft und die Nachfrage am gesamten Markt stieg enorm. Im Gegensatz dazu unterlagen z. B. auch ärztliche Tätigkeiten während des Lockdowns und danach der tatsächlichen Notwendigkeit und Dringlichkeit. Auch bei Verordnungen und Abrechnungen von Artikeln aus der Produktgruppe 15, die zur regelmäßigen Versorgung von Patienten gehören, konnten Entwicklungen beobachtet werden. Um diese aufzuzeigen, wurden für diesen Beitrag auch die Veränderungen vom zweiten gegenüber dem ersten Quartal 2020 ermittelt.

Für die Kostenübernahme seitens der gesetzlichen Krankenkassen benötigen Patienten eine ärztliche Verordnung, die Diagnose, Bezeichnung des verordneten Artikels sowie die benötigte Menge enthalten sollte. Die Selbstbeteiligung für Patienten liegt bei 10 Prozent oder maximal 10 Euro im Monat. Wobei der Höchstbetrag pro Monat alle Zuzahlungen für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel einschließt, unabhängig von der Produktgruppe. Auf Wunsch können Patienten auch eine höherwertige Versorgung erhalten, wobei sie die Differenz zwischen Kassenerstattung und dem Preis für das teurere Produkt (Mehrkosten) selber zahlen müssen. Von dieser Aufzahlung können sich die Versicherten, im Gegensatz zur gesetzlichen Zuzahlung, nicht befreien lassen. 

Die allgemeine Entwicklung von Verordnungen verschiedener Produktarten der Produktgruppe 15 wurde anhand einer repräsentativen Kundengruppe der Noventi Azh ausgewertet. Voraussetzung war die regelmäßige Abrechnung von Artikeln dieser Produktarten mit gesetzlichen Krankenkassen über den gesamten Auswertungszeitraum. Die individuelle Vertragsstruktur der einzelnen Leistungserbringer blieb dabei unberücksichtigt.

Die Betrachtung der Abrechnungszahlen der knapp 400 Kunden im gesamten Bundesgebiet aus dem ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zu den ersten sechs Monaten der Jahre 2019 und 2018, veranschaulicht die Entwicklungen der am häufigsten abgerechneten Einzelprodukte und von Versorgungspauschalen. Um die Entwicklungen durch Corona aufzuzeigen, wurden außerdem die Veränderungen vom zweiten gegenüber dem ersten Quartal 2020 ermittelt.

Topseller Einzelprodukte

Insgesamt wurde bei den Topsellern, nach einem deutlichen Anstieg um 4,8 Prozent von 2018 auf 2019, im ersten Halbjahr 2020 ein Rückgang um 9,9 Prozent verzeichnet (Grafik 1). Bei den Einzelprodukten der Produktgruppe 15 wurden mit Abstand Einmalkatheter für ISK (15.25.14) am häufigsten pro Betrieb abgerechnet. Auf dem zweiten und dritten Rang folgten saugende Inkontinenzhosen und Urin-Beinbeutel (Grafik 2).

Grafik 1

Grafik 2

Betrachtet man die Entwicklungen innerhalb des ersten Halbjahres 2020, so ist bei den Topsellern insgesamt ein Rückgang von 21 Prozent im Vergleich erstes und zweites Quartal zu verzeichnen. Am stärksten betroffen waren die Einmalkatheter für ISK sowie die Urin-Bettbeutel.

Preisentwicklung Einzelprodukte

Die durchschnittlichen Einzelpreise der abgerechneten Produkte sind weitgehend konstant geblieben und haben sich nur marginal verändert. Lediglich der durchschnittliche Wert pro Verordnung/ Abrechnungsfall des Topsellers Einmalkatheter für ISK (15.25.14) ist in den letzten zwei Jahren deutlich um fast 14 Prozent gestiegen. Das heißt, es wurden entsprechend mehr Einmalkatheter pro Verordnung/Abrechnungsfall verordnet und abgerechnet.

Versorgungspauschalen sinken

Der durchschnittliche Preis für die in Versorgungsverträgen vereinbarten Pauschalen ist von 2018 auf 2019 um 2,7 Prozent, von 2019 auf 2020 sogar um 5,2 Prozent auf 21,41 Euro gesunken. Die durchschnittliche Anzahl der abgerechneten Versorgungspauschalen liegt im ersten Halbjahr 2020 bei 1.096 pro Betrieb.

von Brigitte Lohwasser (Management Kassen/Kunden, Azh) und Susanne Schneider (Marketing-Referentin, Azh)

Dieser Artikel wurde in der Fachzeitschrift MTDialog 9/2020 (MTD-Verlag) veröffentlicht – mit weiteren Grafiken auf den Seiten 63 und 64.

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