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Das Erstattungsniveau bei Rollstühlen sinkt seit 2006 kontinuierlich

Preis: Rolle rückwärts

(MTD 1/2012) Dieser Artikel befasst sich mit Teilergebnissen aus dem Bereich der Krankenfahrzeuge (Produktgruppe 18). Fünf Produktuntergruppen (6-stellige Hilfsmittelverzeichnisnummer) werden im Folgenden in Bezug auf die Häufigkeit der Abrechnungen (Fallzahl), den daraus resultierenden Umsatz und den Durchschnittspreis von 2006 bis 2010 beleuchtet (Basis: rund 1.200 Betriebe). Ferner werden die Entwicklungen bei den Greifreifen-, Adaptiv- und Elektrorollstühlen, Elektromobilen und Toilettenrollstühlen für das Jahr 2010 nach verschiedenen Umsatzgrößen analysiert – also für kleine, mittlere und große Sanitätshäuser. Der Durchschnittswert bietet dem Betriebsinhaber – je nach Umsatzgröße – Anhaltspunkte zum Vergleich mit Mitbewerbern.

Greifreifenantrieb ist am meisten gefragt

Der Renner unter den Rollstühlen ist zweifellos der Rollstuhl mit Greifreifenantrieb (18.50.02). Hier hat es bei den OT-Panel-Teilnehmern seit 2006 die größte Steigerung bei der Fallzahl (Grafik 1) gegeben. 2006 wurden rund 122.682 Patienten mit Greifreifenrollstühlen versorgt, 2010 waren es 163.410. Das bedeutet ein Plus von rund einem Drittel innerhalb von vier Jahren. Nicht so rasant, aber kontinuierlich gestiegen ist die Fallzahl auch bei Adaptivrollstühlen (18.50.03), Elektrorollstühlen (18.50.04), Elektromobilen (18.51.05) sowie Toilettenrollstühlen (18.46.02).

Die Preise sind auf der einen Seite stabil, aber …

Grafik 2 zeigt die Entwicklung des Umsatzes bei den genannten Produktuntergruppen auf. Der Umsatz mit Rollstühlen mit Greifreifenantrieb stieg von rund 27 Mio. (2006) auf 36 Mio. im Jahr 2010 an. Die prozentuale Steigerung liegt wie bei den Fallzahlen bei rund einem Drittel. Dies lässt darauf schließen, dass es im Beobachtungszeitraum, also innerhalb von vier Jahren, keine Preissteigerungen gegeben hat.

Die Grafik 3 „Entwicklung Durchschnittspreis“ bestätigt das eindeutig. Der Durchschnittspreis für Produkte der Produktuntergruppe „Rollstuhl mit Greifreifenantrieb (18.50.02)“ stagniert seit 2006 bei 217 Euro. Zu beachten ist hier, dass für die Ermittlung des Durchschnittspreises alle Hilfsmittelkennzeichen berücksichtigt wurden, also Neukauf, Wiedereinsatz und Fallpauschalen „in einen Topf geworfen“ wurden. Angesichts der prozentualen Bedeutung für den Gesamtumsatz in einem durchschnittlichen Sanitätshaus ist die Preisstagnation bei Greifreifenrollstühlen bedenklich. Viele Betriebskosten sind seit 2006 schließlich gestiegen. Rechnet man die Mehrwertsteuererhöhung 2007 mit in die Vierjahresentwicklung ein, steht sogar eine kleine Preissenkung zu Buche.

Zweistellige Einbußen

Betrachtet man die durchschnittliche Preisentwicklung bei den anderen hier genannten Produktuntergruppen, muss die Branche aber beinahe froh sein, dass der Preisverfall bei einem der Hauptumsatzträger im Rehabereich im Beobachtungszeitraum moderat ausgefallen ist: Das Erstattungsniveau bei Toilettenrollstühlen sinkt von 2006 bis 2010 um ca. 12 Prozent (2006: 122 Euro; 2010: 107 Euro), bei Adaptivrollstühlen um ca. 23 Prozent (2006: 323 Euro; 2010: 249 Euro), bei Elektrorollstühlen um 24 Prozent (2006: 476 Euro; 2010: 362 Euro) und bei Elektromobilen um ca. 22 Prozent (2006: 687 Euro; 2010: 537 Euro).

Mögliche Interpretation der Durchschnittspreise

Bekanntlich kann das OT-Panel auch Aussagen für die unterschiedlichen Betriebsgrößen im Sanitätshausmarkt machen. Die Grafik 4 zeigt die Fallzahlen, den Umsatz und den Durchschnittspreis im Jahr 2010 für jeweils das „kleine“ (Gruppe 1), „mittlere“ (Gruppe 2) und „große“ Sanitätshaus. Erstaunlich ist, dass der Durchschnittspreis für alle untersuchten Produktuntergruppen im kleineren Sanitätshaus höher ist als bei den anderen Betriebsgrößen. Weshalb das so ist, kann man anhand der Statistik nur mutmaßen. So könnte hier im Abrechnungsmix ein höherer Anteil an Neukauf im Vergleich zu Wiedereinsatz oder Fallpauschalen vorliegen. Befinden sich die kleineren Firmen eher in ländlich geprägten Regionen, könnte es zudem sein, dass Kostenträger zugunsten des wohnortnahen Service für die Versicherten in Ausnahmefällen höhere Kostenvoranschläge genehmigen. Angesichts der geringen Fallzahlen, die die Umsatzgruppe 1 in den genannten Produktuntergruppen abwickelt, fallen die höheren Durchschnittspreise insgesamt aber nicht ins Gewicht.

Benchmark-Instrument

Die in den Grafiken gezeigten Durchschnittswerte eignen sich durchaus für einen Vergleich. Erhebt ein Betrieb seine individuellen Daten für Rollstühle nach dem gleichen Muster, ist einerseits z. B. beim Erstattungsniveau ein Vergleich mit dem „Bundesdurchschnitt“ möglich (Grafik 3), aber auch mit einem durchschnittlichen Betrieb der eigenen Umsatzgröße (Grafik 4). Weichen die eigenen Zahlen stark ab, empfiehlt sich eine tiefer gehende Ursachenforschung. Ein Grund für einen schlechteren Durchschnittspreis könnte z. B. sein, dass man für die wichtigsten Produkte im eigenen Hause nicht dem „besten“ Vertrag am Markt beigetreten ist.

Voraussetzung für solche Analysen sind einerseits eine geeignete Software oder ein Abrechnungszentrum, um die individuellen Daten zu erheben, und andererseits der Wille, sich mit Datenanalysen zu befassen (alternativ Steuer- oder Unternehmensberater), sowie die Kenntnis der Vertragswelt, die für ein Unternehmen wichtig ist.