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Hydroaktive Wundversorgung im internationalen Vergleich

Für ein idealfeuchtes Wundklima

(MTD 2/2012) Die Behandlung chronischer Wunden – also von Wunden, die nach vier Wochen noch keine Abheilungstendenzen erkennen lassen – kann durch den Einsatz phasengerechter Wundauflagen beschleunigt werden, die ein idealfeuchtes Wundklima erhalten. Klassische Wundauflagen wie Kompressen neigen dazu, Wunden trocken zu saugen und eine rasche Wundheilung zu erschweren.

Datengrundlage sind die Abverkaufsdaten aus Apotheken, die das Marktforschungsinstitut IMS Consumer Health über repräsentativ geschichtete Apothekenpanels erhebt und hochrechnet. In Deutschland allein stellen ca. 4.000 Apotheken anonymisiert ihre Absätze und Umsätze über eine Schnittstelle zu ihren Warenwirtschaftssystemen zur Verfügung. In anderen europäischen Ländern bestehen vergleichbare Systeme, die Hochrechnungen basieren jeweils auf ca. 15 bis 20 Prozent des „Apothekenuniversums“. Der folgende Vergleich lässt Besonderheiten der jeweiligen Gesundheitssysteme außer Acht und konzentriert sich auf den Apothekenmarkt. Andere Vertriebskanäle wie Kliniken oder Fachhändler werden nicht berücksichtigt.

Vergleich von 9 Ländern

Wie sieht die Marktentwicklung aus? Vergleichen wir Deutschland mit Belgien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Österreich, Portugal, Spanien und der Schweiz. Bewertet wird zu Apotheken-Abverkaufs- bzw. -Abrechnungspreisen inkl. jeweiliger Mehrwertsteuer. Messzeitraum ist die 12-Monatsperiode Dezember 2010 bis November 2011. Zu den hydroaktivenWundauflagen gehören in dieser Analyse:

  • Hydrogele/Xerogele (Gelplatten und amorphe Gele)
  • Hydrokolloide
  • Hydrofasern
  • Alginate
  • Schaumverbände
  • silberhaltige und andere Verbände gegen Wundinfektionen
  • Kombi-Auflagen mit mehreren Komponenten, wie z. B. Collagen, CMC
  • sonstige, sehr spezielle Auflagen, wie z. B. Wundkissen mit physikalischer Spülwirkung, Kompressen mit Hyaluronsäure oder Aktivkohle, semipermeable Filmverbände

Die Gruppe der klassischen Wundauflagen umfasst neben altbewährten Kompressen auch:

  • Salbenkompressen
  • Binden und Bandagen
  • Erste-Hilfe-Produkte
  • Plaster und Fixation

 

Unterschiedliche Profile

Abbildung 1 zeigt die Marktvolumen in den ausgewählten Ländern. Im Vertriebskanal Apotheke liegt Frankreich mit 780 Mio. Euro vorn. Der Anteil der hydroaktiven Produkte ist hier mit 47 Prozent auch am größten. Deutschland folgt mit 532 Mio. Euro auf Platz 2. Der 39-Prozent-Anteil der hydroaktiven Produkte ist verglichen mit anderen Ländern hoch, nur Spanien bewegt sich in den untersuchten Ländern auf ähnlichem Niveau. In den Apotheken von Ländern wie Italien und den Niederlanden läuft es fast ausschließlich auf die Abgabe klassischer Wundauflagen hinaus. In den Niederlanden herrscht allerdings bezogen auf hydroaktive Wundversorgung das dynamischste Wachstum (siehe Abb. 2): fast 44 Prozent gegenüber der Vorperiode. Klassische Auflagen wachsen mit 8 Prozent. Zweistellig wächst das hydroaktive Segment in Belgien und der Schweiz, im letztgenannten Land hält die Marktentwicklung der klassischen Wundauflagen allerdings Schritt. In Deutschland besteht inzwischen ein moderates Wachstum, auch hier liegen die modernen Wundauflagen leicht vorn. Im französischen Markt bewegen sich beide Produktsegmente in unterschiedliche Richtungen. Spanien zeichnet sich durch einen negativen Trend aus.

Schaumverbände dominieren auf dem deutschen Markt

Für Deutschland bestätigt sich die seit Jahren beobachtbare Entwicklung, dass die Schaumverbände die am meisten verwendete Produktkategorie darstellen. In Frankreich, Spanien und Österreich dominieren sie noch stärker, während in Italien die Hydrokolloide die Nummer 1 sind. Beide Produktkategorien zeichnen sich durch große Speicherkapazität für Wundexsudat aus. Schäume werden häufig bevorzugt, wenn die Granulierung der Wunde angeregt werden soll, was durch die mechanische Reizung des Wundgrundes durch die offenporige Schaumstruktur erreicht werden soll.

Die Beliebtheit der Hydrokolloide erklärt sich einmal durch die Historie: Sie sind am längsten im Markt und damit bei Pflegekräften und Medizinern am längsten bekannt. Zum anderen haben sie im pflegerischen Alltag einen unschätzbaren Vorteil: Durch die Blasenbildung bei der Aufnahme der Wundflüssigkeit kann der Zeitpunkt eines notwendigen Verbandwechsels schnell erkannt werden.

Untypisch stellt sich im Vergleich der belgische Markt dar: Hydrogele und Alginate geben hier den Ton an. Darüber hinaus ist das Sammelbecken der sonstigen hydroaktiven Wundauflagen mit einem Anteil von einem Drittel deutlich größer als in den anderen Ländern. Für die Versorgung infizierter Wunden und für die Prophylaxe von Infektionen und Cross-Kontaminationenwerden silberhaltige Verbände eingesetzt. Auffällig ist, dass vor allem in den Niederlanden diese antibakteriell wirksamen Wundauflagen zum Einsatz kommen.