Anzeige

CPAP-Versorgung

Potenzial trotz Preiskampf

 (MTD 3/2012) Ausschreibungen nehmen auch im Bereich der CPAP-Versorgung zu. Preiskämpfe können dabei die Versorgungsqualität gefährden und manchmal auch die Existenz des Ausschreibungsgewinners. Für Hersteller und Leistungserbringer stellt sich daher zunehmend die Frage, wo noch Potenziale für ein rentables Geschäft schlummern. Nützlich ist hier eine feingliedrige Marktpotenzial-Analyse. Eine Auswertung der DRG macht’s möglich.

Allein in Deutschland haben 2,1 Millionen Menschen die Diagnose Schlafapnoe gestellt bekommen. Behandelt wird mit einer ambulanten maschinellen Beatmung – einer CPAP-Therapie bzw. deren modifizierten Verfahren. Die hohen Fallzahlen lassen Krankenkassenvertreter aufhorchen. Sie rechnen mit hohen Kosten, mit denen sie dann zu kämpfen haben.

CPAP – ein Riesenmarkt

Problematisch sind jedoch weniger die diagnostizierten und behandelten, sondern vielmehr die nicht diagnostizierten, unbehandelten Schlafapnoeiker. Sie verursachen nämlich die wesentlich höheren Kosten im Gesundheitssystem – und nicht nur unmittelbare Folgeerkrankungen. Auto-, Maschinen-, Arbeitsunfälle: Sie gehen nicht selten auf das Konto von unbehandelter Schlafapnoe. Betrachtet werden sollen hier aber nicht die Einsparpotenziale durch CPAP Behandlungen, sondern das Potenzial, das sich für die Branche – Hersteller und Leistungserbringer – ergibt.

Die Patientenzahlen mit einer ambulant gestellten Diagnose geben einen ersten Einblick in die regional unterschiedlichen Potenziale auf Basis der Grunderkrankung. Allerdings kommt nur ein Teil dieser Patienten für eine maschinelle Heimbeatmung in Frage. Die Diagnostik der Patienten und ggf. die Einstellung der Patienten auf die maschinelle Heimbeatmung erfolgt nach der S2-Leitlinie der Deutschen Pneumologischen Gesellschaft (DPG) sowie der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in speziell ausgestatteten Schlaflaboren.

Aktuell gibt es in Deutschland 321 akkreditierte Zentren, davon 31 ambulante und 290 in Kliniken. Inklusive der nicht über die Fachgesellschaften akkreditierten Schlaflabore liegt die Zahl bei ca. 480. Im Jahr 2010 wurden ca. 118.000 Patienten (Grundgesamtheit) mit der Diagnose G47.3 stationär in den deutschen Krankenhäusern behandelt. Der Anteil der Männer beträgt dabei 74 Prozent. Die Entwicklung der Krankenhaus-Fallzahlen für diese Patienten in den letzten Jahren spiegelt sich in Abb. 1 wider.

CPAP – ein stabiler Markt

Parallel zur Entwicklung der Fallzahlen zeigt die DRG-Analyse die Entwicklung der Ersteinstellungen für die CPAP Therapie und verwandte Verfahren. Trotz sinkender Patientenzahlen ist die Anzahl der stationären Ersteinstellungen in den vergangenen Jahren sehr stabil gewesen. Das durchschnittliche Wachstum betrug 0,3 Prozent pro Jahr (Abb. 2).

Zu erklären ist dies mit einer leicht gestiegenen Quote der Ersteinstellungen bezogen auf die Grundgesamtheit. Zuletzt betrug die Quote für das Jahr 2010 47 Prozent (Abb. 3). Knapp jede zweite stationäre Behandlung war also mit einer Ersteinstellung verbunden. Die Kennzahlen zeigen, dass es sich bei der Indikation Schlafapnoe um einen insgesamt stabilen Markt handelt, was die Ersteinstellungen betrifft.

Gefährliche Tendenzen

Schwierig zu beurteilen ist die Compliance der Patienten. Auffällig ist, dass die Zahlen für Kontrolleinstellungen trotz der stabilen Ersteinstellungen in den letzten Jahren rückläufig sind (–5,4 % p. a.). Diese Entwicklung lässt sich erklären durch eine Verlagerung der Kontrollen in den ambulanten Sektor. Laut BUB-Beschluss (Bewertung ärztlicher Untersuchungs- und Behandlungsmethoden) aus dem Jahr 2006 ist dieser Weg so vorgesehen: Es sollen keine regelmäßigen Kontrollen mehr stattfinden, sondern nur nach aktiver Kontaktaufnahme durch den Patienten. Hauptansprechpartner ist dann der niedergelassene Facharzt mit polygrafischer Untersuchung.

Letztlich findet auch eine verstärkte Verlagerung der Kontrollen in die Hände der Leistungserbringer statt, denen an einer hohen Therapie-Compliance ihrer Kunden gelegen ist. Anlass zur Sorge gibt die steigende Zahl von Ausschreibungen für CPAP-Versorgungen. Das unter der Flagge „Wettbewerbsstärkung“ segelnde Gesetz entpuppt sich auch hier als Preiskampftreiber.

Zu befürchten ist, wie in anderen Bereichender Hilfsmittelversorgung auch, dass eine qualitätsgesicherte Versorgung zunehmend schwierig wird. Gerade die Einstellung des Gerätes, die Betreuung der Patienten, all das ist bei der CPAP Versorgung besonders wichtig. Die Therapie-Compliance fällt schnell ab, womit die Kosten letztlich steigen.

Regionale Chancen nutzen

Für die Bewertung der regionalen Märkte sind verschiedene Kennzahlen ableitbar. Zieht man die Zahl der Patienten mit Kontrolluntersuchungen von der Grundgesamtheit ab, bleibt eine Gruppe übrig, die sich aufteilen lässt in Patienten mit vorgenommenen Ersteinstellungen und Patienten ohne Beatmungstherapie. Die errechnete Ersteinstellungsquote (Tab.) beträgt dabei bundesweit 67 Prozent im Jahr 2010 und ist regional schwankend. Die langjährige regionale Entwicklung der Relation Ersteinstellungen/Kontrollen ist ein deutlicher Hinweis, ob es sich um einen wachsenden oder stagnierenden Markt handelt. Negative Abweichungen zum Durchschnitt deuten auf nicht ausgeschöpfte Potenziale oder auch Besonderheiten in der Therapie der Patienten hin.

Marktpotenziale und eigene Marktanteile errechnen

Diese Berechnungen lassen sich kleinräumig darstellen und können damit für die Strategie- und Vertriebsplanung eines Unternehmens von großem Wert sein. Die Unternehmensführung erhält neben dem bisherigen Instrumentenkasten von Preis- und Marketingstrategien weitere Werkzeuge an die Hand. So lassen sich die Marktpotenziale und eigenen Marktanteile bundesweit oder sogar auch lokal errechnen. Schließlich kann man aus der durchschnittlichen Geräte-Laufzeit und der Zahl der Ersteinstellungen die Zahl der Geräte im Markt ziemlich genau abschätzen. Und mit dem Wissen um die Zahl der Gesamtdiagnosen lässt sich die regionale Versorgungsquote und damit die Marktsättigung berechnen.

Anmerkung der Verfasser: Die Analysen und die Generierung der Kennzahlen basieren auf langjährigen Leistungsdaten der deutschen Krankenhäuser sowie lokalen Morbiditätsdaten.