Anzeige

Orthesen-Markt

Lokale Marktpotenziale erkennen

(MTD 5/2012) Der Anwendungsbereich für Orthesen erstreckt sich auf eine Vielzahl von Erkrankungen. Häufigkeit und Tendenzen – und speziell auch die lokalen Marktpotenziale – lassen sich heute individuell für jede Indikation analysieren. Mit diesem Wissen wird der lokale Markt für die Anbieter transparenter und kann gezielter bearbeitet werden.

 Der Einsatzbereich für die Orthesenversorgung ist vielfältig und lasst sich grob in zwei Sektoren einteilen:

  • Orthesenbedarf bei chronischen Erkrankungen
  • Orthesenbedarf postoperativ

Beide Bereiche können sich in einzelnen Indikationsfeldern überschneiden.

Anwendungsvielfalt – komplexer Markt

Wichtig für die Bestimmung lokaler Potenziale für die verschiedenen Anwendungen ist die – statistisch betrachtet – zu analysierende Variable. Im Falle von chronischen Erkrankungen ist die Gesamtzahl der erkrankten Patienten der Bezugspunkt (Prävalenz), z. B. alle Skoliose-Patienten. Im Falle der Akut-Ereignisse ist die durchgeführte Operation die entscheidende Information, z. B. Patienten nach Kreuzbandplastik. Zusätzlich sollten bei Analysen auch die demografische Entwicklung und die Veränderungen bei der Altersstruktur berücksichtigt werden. Ein anschauliches Beispiel ist die mit 158.000 Fallen (2010) sehr häufig durchgeführte Operation für die Knie-Endoprothetik. Abb. 1 verdeutlicht, dass der Anteil der endoprothetisch versorgten Patienten in den Altersgruppen der betagten und hochbetagten Patienten überwiegt. Bedingt durch die Altersabhängigkeit der Grunderkrankung Gonarthrose (ICD M17) wird auch die Endoprothetik zunehmen. Parallel dazu steigt die Anzahl der Patienten mit postoperativem Orthesenbedarf. Und dieser Bedarf muss zunehmend auf ein geriatrisches Patientenkollektiv zugeschnitten sein.

Fallzahlen verraten viel

Aufgrund der demografischen Veränderung und einer Verschiebung der Altersstruktur der Bevölkerung kann man davon ausgehen, dass die schon jetzt häufig auftretenden degenerativen chronischen Erkrankungen wie Arthrose und Osteoporose weiter zunehmen werden. Aktuell ist allein in Deutschland mit ca. 3,2 Mio. ambulanten Patienten zu rechnen, die eine Arthrose (ICD M19) außerhalb des Knie- oder Hüftgelenks aufweisen. Wegen Osteoporose mit pathologischer Fraktur befinden sich etwa 360.000 Patienten in ambulanter Behandlung. Ein kontinuierlicher Anstieg von Operationen bei Erkrankungen, die u. a. durch häufige Computerarbeit verursacht werden können (z. B. Schultergelenkserkrankungen), ist schon jetzt deutlich zu beobachten. Stetig zu nehmen auch spezielle Eingriffe wie die Korrektur-Osteotomie am Fuß (Abb. 2). Beides Indikationen für eine nachfolgende Orthesenversorgung.

Lokale Marktpotenziale

Auf Basis der Fallzahlen für die nach ICD-10 kodierten Erkrankungen und für stationär durchgeführte Operationen lassen sich für eine Vielzahl von Indikationen mit Orthesenbedarf die regionalen und auch lokalen Potenziale berechnen. Ausnahme: vorwiegend oder ausschließlich ambulant durchgeführte Operationen. Hierfür liegen keine verwertbaren Daten vor. Mittels der umfangreichen Leistungsdaten der Krankenhäuser (17 Mio. Patienten und 14 Mio. operative Prozeduren) sowie der detaillierten regionalen demografischen Daten ist eine kleinräumige Marktanalyse darstellbar. Dies betrifft beide der eingangs erwähnten Sektoren für den Orthesenbedarf.

Lokale Besonderheiten

Ein konkretes Beispiel für den Kreis Soest soll die möglichen Optionen einer solchen Analyse aufzeigen. Ausgewählt wurden für diese „Mini-Marktanalyse“ die schon oben beschriebenen Operationen am Fuß bzw. Schultergelenk. Hinzu kommen die chronischen Erkrankungen „sonstige Arthrose“ (ICD M19), Skoliose (ICDM41) und Osteoporose im fortgeschrittenen Stadium (Osteoporose mit pathologischer Fraktur, ICD M80). Die Patienten aus der ersten Gruppe benötigen eine Orthesenversorgung direkt im postoperativen Zeitraum. Das Potenzial lasst sich hier aus den Leistungsdaten der Krankenhäuser ableiten. Für die zweite Gruppe ist die Anzahl der Patienten relevant, die ambulant permanent die entsprechende Krankheitsdiagnose haben und entsprechend einen dauerhaften Orthesenbedarf aufweisen können. Tabelle 1 zeigt beispielhaft, wie groß diese Potenziale jeweils im Kreis Soest sind. Über die Berücksichtigung der demografischen Daten lassen sich diese Potenzialdaten noch weiter regionalisieren. In Tabelle 2 ist dies auf der Ebene von Gemeinden im Kreis Soest dargestellt. Zu beachten ist an dieser Stelle allerdings auch, dass die berechneten Potenziale nicht automatisch auch eine Orthesenverordnung bedeuten. Die Bedarfsdeckung ist immer von der individuellen Schwere der Krankheit des Patienten und natürlich von dem lokalen gesundheitspolitischen Umfeld abhängig (Stichwort: Budget).

Realistisches Marktpotenzial

Prinzipiell lasst sich für definierte Regionen und definierte Anwendungen für Orthesen eine Berechnung der möglichen Potenziale erstellen. Der Markt wird transparenter, da die Analyse über die tatsächlich vorhandenen Patienten bzw. durchgeführten Operationen erfolgt. Verzerrungen und Unschärfen, wie sie bei der Darstellung des Marktes durch Stichproben oder Verkaufszahlen entstehen können, sind minimiert. Die Potenzialdarstellungen erfolgen unabhängig davon, ob tatsächlich eine Verordnung stattgefunden hat, und beschreiben somit den „Patienten“-Markt.