Bürger machen mobil

Der Trend ist eindeutig: Immer mehr ältere Menschen nutzen Mobilitätshilfen im Alltag. War vor 20 Jahren der Stock noch ein Zeichen fürs „Altsein“, geht die neue Generation der Senioren mit ihrer eingeschränkten Mobilität viel selbstverständlicher um. Der Rollator gehört zum Alltagsbild und auch Elektromobile sieht man immer häufiger im Einsatz. Die für diesen Artikel analysierten Abrechnungsdaten der Opta-Data-Kunden von 2008 bis 2012 für die Mobilitätshilfen „Gehstock, Rollator und Elektromobil“ belegen die obigen Aussagen deutlich.

 Stock als Einstieg

Hand- und Gehstöcke gehören zum klassischen Sortiment eines Sanitätshauses, obwohl die Umsatzbedeutung der hier betrachteten Produktarten im Sanitätshaus Mustermann nicht besonders groß ist. Dennoch sollte man die „Stock“-Patienten mit allem zur Verfügung stehenden Fachwissen beraten. Schließlich ist der Stockkauf aller Voraussicht nach nicht das letzte Hilfsmittel, das der Kunde braucht. Wer hier beim ersten Kontakt Kompetenz und Vertrauen aufbaut, kann sicher später mit Folgegeschäften punkten.

Insgesamt nimmt die Versorgung der Patienten mit Hilfsmitteln aus den Produktarten „Stöcke“ durch die Opta-Data-Kunden von 2008 bis 2012 in Bezug auf die Anzahl der verkauften Produkte um fast 18 Prozent auf ca. 74.000 Stück zu – bei einer Steigerung des Umsatzes im gleichen Zeitraum von 7,35 Prozent (ca. 1,16 Mio. Euro GKV-Abrechnungsvolumen). Wie bei fast allen Hilfsmitteln ging allerdings der Erstattungspreis der Kostenträger von 2008 bis 2012 um 8,24 Prozent auf durchschnittlich 15,64 Euro zurück (Grafik 1).

Trend zum Komfort-Stock

Die folgenden Aussagen über die Bedeutung der einzelnen Produktarten beziehen sich jeweils auf die Abrechnungen der Opta-Data-Kunden mit der GKV: Der Abverkauf der klassischen Handstöcke ging von 2008 bis 2012 um rund 28 Prozent auf ca. 9.000 Stück zurück. Die Bedeutung der Gehstöcke dagegen nahm im gleichen Zeitraum um rund 53 Prozent zu (ca. 22.000). Die meisten Patienten werden mit Gehstöcken mit anatomischem Handgriff versorgt. Die Abverkaufszahlen dieser Produktart steigen von 2008 bis 2012 um rund 19 Prozent auf rund 43.000 Stück. Die Preisentwicklung ist bei allen Produktarten rückläufig. Diese Tendenz ist besonders aber bei den Hauptumsatzträgern zu beobachten. Insgesamt ist der Trend zu einem komfortableren „Stock“ unübersehbar (Tabelle 1).

Rollatoren nicht von der Stange

Das Top-Produkt der hier unter die Lupe genommenen Mobilitätshilfen ist der Rollator (10.50.04.1). Rund 180 Produkte listete das Hilfsmittelverzeichnis Anfang März unter dieser Produktart. Die Egeko-Vertragsdatenbank findet im gleichen Zeitfenster unter dem 7-Steller insgesamt 2.234 Abrechnungspositionen aus gültigen Verträgen für ganz Deutschland. Eingeschränkt auf das Hilfsmittelkennzeichen „00“ (Neukauf ) sind es 465 Positionen, beim HKZ 08 (Vergütungspauschale) 732 und beim HKZ 09 (Folgevergütungspauschale) 707. Die restlichen Positionen verteilen sich auf den Wiedereinsatz, Reparatur, Zubehör und Ähnliches. Die diversen Versorgungsarten und Varianten (z. B. für Schwergewichtige) zeigen deutlich, dass auch der Rollator kein Produkt von der Stange und beim Discounter deplatziert ist.

Der in der Tabelle 2 ausgewiesene Durchschnittspreis für einen Rollator in den Jahren 2008, 2010 und 2012 berücksichtigt nicht die beschriebenen verschiedenen Arten und Varianten der Versorgung, ist also im wahrsten Sinne des Wortes ein Durchschnittspreis, der die medizinisch bedingte, höherwertige Versorgung, die mit einem höheren Produktpreis einhergeht, quasi mit in den Keller zieht. Sehr wohl bestätigt der hier publizierte Durchschnittspreis einer Rollatorenversorgung im Vergleich der letzten vier Jahre den allgemeinen Verfall des Erstattungsniveaus durch die GKV. Diese Entwicklung existiert selbstverständlich auch bei den komplizierten Versorgungsfällen.

Insgesamt ist das Preisniveau von 2008 bis 2012 um 12,09 Prozent gesunken. Der Umsatz steigt im gleichen Zeitraum um rund 11,6 Prozent bei einer Steigerung der Fallanzahl von fast 27 Prozent (Tabelle 2). Interessante Aufschlüsse geben die analysierten Daten auf 10-stelliger Ebene auch in Bezug auf die Marktanteile der Hersteller. Die 32 Mio. Euro Abrechnungsvolumen im Jahr 2012 ließen sich fast zu 100 Prozent eindeutig den verschiedenen Herstellern zuordnen. Ergebnis: Seit 2008 hat es einige Verschiebungen zu Lasten des Marktführers und der Global Player gegeben. Klare Firmenkonjunkturen kleinerer Einheiten haben sich in den vergangenen vier Jahren ebenfalls abgezeichnet.

Elektromobile: 4 statt 3 Räder

Von 2008 bis 2012 hat sich der Abrechnungsumsatz der Opta-Data-Kunden mit Elektromobilen (18.51.05.0-1) fast verdoppelt. Dies liegt in erster Linie an der starken Steigerung der abgerechneten Positionen. Die Anzahl der Positionen ist aber nicht gleichbedeutend mit jeweils einem „Scooter“, da in die Daten auch sogenannte Abrechnungspositionen aus Verträgen z. B. zu Reparaturen einfließen. Dies erklärt auch den für diesen Artikel ermittelten relativ niedrigen Durchschnittspreis je Position. Das in der Tabelle 3 wiedergegebene GKV-Erstattungsniveau, das auch über alle Hilfsmittelkennzeichen (Neukauf, Fallpauschale etc.) ermittelt wurde, ist aber dennoch hinsichtlich des klaren Fingerzeigs wichtig. Auch bei Elektromobilen sinkt das Erstattungsniveau kontinuierlich (Tabelle 3). Der Anteil der 3-rädrigen Elektromobile ist von 13 Prozent im Jahr 2008 auf 9 Prozent Anteil im Jahr 2012 gesunken (gemessen am Gesamtumsatz der Opta-Data-Kunden mit GKV-Versicherten in der Untergruppe Elektromobile).