(MTD 3/2015) IMS-Analyse Wundversorgung

Wachstum durch spezielle Wundversorgung

(MTD 3/2015) Der Markt für Wundversorgungsprodukte in der Apotheke entwickelt sich dynamisch. So stieg der Umsatz zu Grossopreisen im vergangenen Jahr um 7,7 Prozent bzw. mehr als 17 Mio. auf 385 Mio. Euro. Dabei steigt der Anteil des Segments „Spezielle Wundversorgung“ deutlich an.

95 Prozent der in der Apotheke abgegebenen Wundauflagen sind für akute Wunden (Abb. 1) – gemessen in einzelnen Stück, nicht in Packungen. Dieser Anteil ist über Jahre stabil. Insgesamt werden etwa 1 Mrd. Stück pro Jahr abgegeben.

Dies ergibt eine Analyse von IMS Health für MTDialog. Datenquelle ist die vollständige Erfassung der Apothekeneinkäufe vom vollsortierten Pharmazeutischen Großhandel (PHAGRO) und die Hochrechnung der sonstigen Einkäufe der Apotheken (z. B. direkt vom Hersteller) aus dem IMS Apothekenpanel mit über 4.000 repräsentativ ausgewählten Apotheken.

Von der kleinen Schnittverletzung über Abschürfungen bis hin zu schwer heilenden, chronischen Wunden: Für alle Situ­ationen gibt es Wundauflagen und Fixiermaterial. Die klassische Wundversorgung mit ihren Pflastern und Verbandstoffen findet ihre Anwendung bei akuten Verletzungen der Haut, also solchen, die ohne weitere Intervention innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen von selbst abheilen. Hier geht es vor allem um die Aufnahme von Blut unmittelbar nach der Verletzung und den Schutz der Wunde vor mechanischen Einflüssen, um die Wundruhe zu gewährleisten, eine Voraussetzung für die Wundheilung.

 

Hydroaktive Auflagen gefragt

Die Absatzbetrachtung in Abb. 1 führt zunächst zu der Schlussfolgerung, dass die „Spezielle Wundversorgung“ in der Apotheke unbedeutend ist. Ein Blick auf die Umsatzzahlen (bewertet zu Grossopreisen) in Abbildung 2 zeigt jedoch, dass Produkte für die Versorgung von Wunden mit schlechter Heilungstendenz an Umsatzbedeutung zunehmen und insgesamt der Treiber für Wachstum in der Apotheke sind.

Hierunter fallen vor allem hydroaktive Auflagen (siehe Abb. 3), die in der Lage sind, das Exsudat stark nässender Wunden aufzunehmen, ohne sie trocken zu saugen – eine weitere wichtige Voraussetzung für den Heilungsprozess. Denn Wunden benötigen ein idealfeuchtes Klima, damit Zellen einwandern und die Wunde schließen können. Silberhaltige Wundauflagen sind geeignet, lokal Keime abzutöten, und werden bei infizierten Wunden eingesetzt.

Wer sich mit der Pflege chronischer Wunden beschäftigt, weiß, dass sich ein Erfolg nur einstellen wird, wenn die Grunderkrankung behandelt wird. Für die drei häufigsten sind dies die Ansatzpunkte:

  • Ulcus cruris venosum: Verbessern des venösen Blutrückflusses, meist durch Kompressionstherapie
  • Dekubitus: Druckentlastung der betroffenen Körperstellen
  • Diabetisches Fußsyndrom: normoglykämische Blutzuckereinstellung

Die Prinzipien der Wundheilung sind unstrittig. Neben Wundruhe und feuchtem Klima gilt:

  • Die Wundauflagen sollen spezifisch den Phasen der Wundheilung angepasst sein und sie unterstützen (Wundreinigung, Granulierung und Epithelisierung).
  • Der Wundgrund soll Kontakt mit der Wundauflage haben.
  • Infektionen behindern die Wundheilung.

Hydroaktive Wundauflagen sind teurer als klassische. Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit zeigen jedoch häufig, dass sie durch seltenere Verbandwechsel und größere Heilungsfortschritte ihre Berech­tigung haben. Sowohl im Umsatz als auch im Absatz sind Schaumverbände die wich­tigste Kategorie (selbstklebend und ohne Kleberand, s. Abb. 4). Es folgen silberhaltige Produkte zur Keimbekämpfung, die häufig als Schäume, Alginate oder Tülle angeboten werden. Seit Jahren sind hier Zuwächse zu verzeichnen, sicher­lich auch befeuert durch die öffentliche Diskussion um die Auswirkungen von Krankenhauskeimen.

Die fünf wichtigsten Hersteller stehen für 42 Prozent des Marktes. Dies sind (in alphabetischer Reihenfolge): Coloplast, Convatec, Mölnlycke, Smith & Nephew und Urgo.

Klassische Wundversorgung

Das Segment der klassischen Wundversorgung wird quantitativ vom Verbandmaterial dominiert, wertmäßig von Pflaster (s. Abb. 5). Unter Verbandmaterial fällt das gesamte Arsenal von Kompressen, Tupfern, Tamponaden, Mull, Zellstoff und Verbandwatte, die zur Versorgung von Verletzungen eingesetzt werden. Für die Apotheke ein Mengengeschäft.

Der Bereich Pflaster umfasst die üblichen Heftpflaster und Schnellverbände, die mit Kleberand ausgerüstet sind und vor allem bei kleineren Missgeschicken eingesetzt werden und die in keinem Haushalt fehlen dürfen. Hier spielt die Markenpositionierung und die Präsentation in der Freiwahl der Apotheke eine größere Rolle. Die Konzentration der Hersteller ist stark ausgeprägt: Die Top 5 Ausbüttel, Beiersdorf, BSN Medical, Hartmann und Lohmann & Rauscher machen fast 70 Prozent des Geschäfts.

Wie sieht es in der Klinik aus? Mit 1,58 Mrd. Stück ist der Markt etwa um die Hälfte größer als der Apothekenmarkt (Datenquelle ist die Hochrechnung aus einem Panel mit ca. 320 repräsentativ ausgewählten Akutkrankenhäusern). Auf­grund der anderen Preissituation in der Klinik liegt das Umsatzvolumen nur bei 302 Mio. Euro. Absatz und Umsatz haben sich gegenüber dem Vorjahr praktisch nicht geändert. Nicht überraschend entfallen dort 98 Prozent auf klassische Produkte, denn in Kliniken geht es vor allem um die Versorgung von akuten Verletzungen und OP-Wunden.

Weitere Infos: Michael Poersch, IMS Health, Tel. 069/66044402, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!