(MTD 5/2015) Opta-Data-Analyse zu Pflegebetten

Basis des Entlassmanagements

(MTD 5/2015) Die Verzahnung zwischen ambulantem und stationärem Sektor und die lückenlose Versorgung der Versicherten beim Übergang von der stationären in die ambulante Versorgung sollen im Rahmen des geplanten GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) durch Anpassung der Rahmenbedingungen des Krankenhaus-Entlassmanagements verbessert werden.

Speziell Pflegeeinrichtungen sind seit 2012 in das Versorgungsmanagement mit einzubeziehen. Nicht explizit erwähnt dagegen sind die Gesundheitshandwerke. Dabei nehmen sie eine wichtige Rolle im Übergang von der stationären in die ambulante Pflege ein. Untermauert wird dies durch einen Blick auf Versorgungsdaten zu Pflegebetten.Laut Angaben des statistischen Bundesamtes werden in Deutschland von den ca. 2,6 Mio. Pflegebedürftigen ca. 1,86 Mio. Menschen (ca. 71 %) zu Hause versorgt. Der Pflegereport 2014 der Barmer GEK belegt das konstante Wachstum bei der Pflegebedürftigkeit.

Wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und den Gesundheitsfachberufen ist, zeigte kürzlich auch ein Gespräch zwischen dem Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik und der Deutschen Krankenhausgesellschaft rund um die Problemfelder Ausschreibung und Entlassmanagement (MTD berichtete). Tenor: Entlassmanagement ohne ein flächendeckendes Netz aus Fachbetrieben funktioniert nicht.

Knapp 170.000 Patienten (Tab. 1) werden durchschnittlich pro Jahr mit behindertengerechten Betten und Pflegebetten aus den Produktgruppen 19 und 50 von den Kunden der Opta Data Abrechnungs GmbH versorgt. Die Tabelle 1 zeigt weiter, dass rund 30 Prozent der Patienten mit behindertengerechten Betten und rund 70 Prozent mit Pflegebetten versorgt wurden.

Pauschalsystem klar vorne

In die Darstellung sind nur die Versorgungsarten (Hilfsmittelkennzeichen = HKZ) „Neukauf/Wiedereinsatz“ (00/02), „Vergütungs-/Folgevergütungspauschale“ (08/09) und „Miete“ (03) einbezogen. Speziell die Abrechnung über ein Mietverfahren hat im Bereich der „Betten“ keine Bedeutung. Das klar dominante Verfahren ist das Pauschalsystem. Trotz des leichten Rückgangs der Gesamtanzahl der abgerechneten Pflegebetten im Jahr 2014 kann insgesamt von einem stabilen Bettenmarkt gesprochen werden.

Deutlich wird dies weniger mit Blick auf die Gesamtanzahl, da hier die unterschiedlichen Laufzeiten der Fallpauschalen nicht berücksichtigt werden konnten. Die Konstanz zeigt sich besser, wenn man die Neuversorgungen (00/08) und Folgeversorgungen (09) betrachtet. Allerdings bleibt auch hier ein leichtes Minus von 2012 zu 2014 von knapp 4 Prozent. Eine Betrachtung über einen längeren Zeitraum wird voraussichtlich aber auch diese leichte Einbuße relativieren.

 Kassen setzen auf Komfort und Qualität

Gleiches gilt auch für die Interpretation der Tabelle 2, die die Anzahl der abgerechneten Rezepte (nur Hilfsmittelkennzeichen 00, 02, 03, 08, 09) für 2012, 2013 und 2014 abbildet. Betrachtet man die Verteilung der Rezepte nach Produktarten, so zeigen die Zahlen in Tabelle 2 ebenfalls einen klaren Trend: Motorisch verstellbare Betten (19.40.01.3) und Pflegebetten (50.45.01.1) kommen mit Abstand am häufigsten bei den Patienten zum Einsatz.

Setzt man die „motorisch verstellbaren Betten“ mit „höherer, zumindest komfortablerer Qualität“ bei der Pflege gleich, spricht dieser Trend klar für den Anspruch der Fachbetriebe und Kostenträger (Stichwort: Vertragsgestaltung), nicht einzig auf einen kurzfristigen Kostenaspekt zu setzen. Ob dies auch bei möglichen Ausschreibungen so wäre, darf angesichts der Erfahrungen der letzten Jahre angezweifelt werden.

Der durchschnittliche Rezeptwert über die genannten Hilfsmittelkennzeichen (Versorgungsarten) und Produktarten hinweg für die Jahre 2012 bis 2014 liegt konstant bei rund 480 Euro. Nennenswerte Unterschiede beim durchschnittlichen Rezeptwert sind zwischen den Produktgruppen 19 und 50 nicht auszumachen.

Unter Beachtung der Versorgungsart (HKZ) wird auch bei der wichtigsten Produktart „motorisch verstellbare Betten“ im Bereich der Pflegebetten deutlich, dass mit rund 90 Prozent Anteil das Pauschalsystem das von den gesetzlichen Kostenträgern präferierte Versorgungsmodell ist (Tab. 3 in MTDialog 5/2015). Der durchschnittliche Rezeptwert liegt seit 2012 konstant bei rund 465 Euro (berücksichtigt sind hier wieder nur die Hilfsmittelkennzeichen 00, 02, 03, 08, 09). Bei dieser Berechnung sind – wie oben – die unterschiedlichen Laufzeiten der Fallpauschalen ebenfalls nicht berücksichtigt. Die Rezeptwerte können hier lediglich als „Richtwert“ dienen, um die Konstanz der Erstattungspreise von 2012 bis 2014 darzustellen.

„Einstiegsalter“ geht zurück

Im Bereich der Produktuntergruppe 50.45.01 „Pflegebetten“ (wieder nur bezogen auf die HKZ 00, 02, 03, 08, 09) zeigt ein Blick auf die Altersverteilung (n = siehe Anzahl Patienten in Tab. 1) von 2012 bis 2014 einen kleinen Trend hin zu einem „jüngeren“ Einstiegsalter der Pati­enten. Waren 2012 und 2013 noch rund 62 Prozent der Patienten, die ein Pflegebett benötigten, älter als 80 Jahre, waren dies 2014 „nur“ noch 56,5 Prozent (Tab. 4 in MTDialog 5/2015).

Beim Entlassmanagement ist auch die Branche gefordert

Um auf das anfangs thematisierte „Entlassmanagement“ zurückzukommen, kann man allen Patienten nur wünschen, dass eine reibungslose Überleitung vom stationären in den ambulanten Bereich gelingt. Diesen Prozess weiter zu professionalisieren, darum müssen sich aber nicht nur die Krankenhäuser bemühen, sondern auch den Gesundheitsfachberufen sei empfohlen, mitzugestalten, da es auch um Versorgungsschwerpunkte geht wie:

  • Wundversorgung
  • enterale Ernährung
  • lymphologische Versorgung
  • Entero- und Urostomaversorgung
  • Tracheostomaversorgung
  • ableitende Inkontinenzversorgung

Folgende Maßnahmen könnten z. B. von Sanitätshäusern oder Homecare-Anbietern ergriffen werden, um im Bereich des Entlassmanagements gemeinsam mit den Krankenhäusern, den ambulanten Ärzten und Pflegediensten die Effizienz und Effektivität der Versorgung mithilfe optimierter Versorgungspfade zu steigern:

  • sektorübergreifende, bidirektionale Kommunikation (z. B. webbasiert) unter Berücksichtigung der diversen Softwaresysteme (via Schnittstellenanbindung)
  • fachberufsübergreifende elektronische Dokumentation (inkl. Nutzung von Analysesystemen zur Überprüfung und ggf. Verbesserung der Versorgung)

Die Abbildung eines solchen managementgeführten Versorgungsprozesses ist nicht nur im Sinne des Patienten, sondern auch Kostenträgern darf generell ein großes Interesse an effizienten und effektiven Versorgungsstrukturen unterstellt werden.

von Bernhard Kötte, Opta Data Abrechnungs GmbH (Essen), Marktkommunikation und Marktstudien

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