(MTD 9/2015) IMS Analyse: Inkontinenz-Produkte im Apotheken-Markt

Der Umsatz versickert

Innerhalb von vier Jahren haben die Apotheken bundesweit im Inkontinenz-Sektor 16 Prozent an Umsatz verloren. Liegt der Wert aktuell noch bei 168 Mio. Euro, waren es im 12-Monatszeitraum (7/2010 bis 6/2011) noch mehr als 200 Mio. Nach einem großen Einbruch von knapp 10 Prozent zwischen 2011 und 2012 pendelt der Verlust inzwischen etwa zwischen 2 und 3 Prozent pro Jahr.

Jedes Jahr wird in Deutschland circa 2 Mio. Mal von einem niedergelassenen Arzt die Diagnose Inkontinenz gestellt (s. Abb. 1). Die Stuhlinkontinenz spielt dabei mit einem Anteil von 7 bis 8 Prozent gegenüber der Harninkontinenz eine untergeordnete Rolle.

Die Versorgung von Patienten mit Inkontinenz mit aufsaugenden oder ableitenden Produkten erfolgt über verschiedene Kanäle. Manche Krankenkassen schreiben die Versorgung ihrer Versicherten aus. Einige organisieren eine Direktversorgung über eine eigens aufgebaute Logistikkette. In diesem Beitrag wird in der ambulanten Versorgung ausschließlich der Vertriebskanal Apotheke betrachtet.

Markt schrumpft unaufhaltsam

Abbildung 2 zeigt die absteigende Entwicklung des Umsatzes zu Grossopreisen in der Apotheke in fünf 12-Monats-Zeiträumen (MAT = Moving Annual Total). Da die Absatzmengen nahezu vergleichbar schrumpfen, können Preisrückgänge hier nicht als Auslöser vermutet werden. Insbesondere zwischen den beiden ersten Perioden ist ein Einbruch von rund 10 Prozent zu verzeichnen. Hier begannen die Änderungen in den Vertriebswegen für die Apotheken spürbar zu werden.

In den nachfolgenden Zeiträumen erodiert dieses Marktsegment weiter. Aktuell werden 168 Mio. Euro umgesetzt, dies entspricht einer Menge von 393 Mio. Zähleinheiten (s. Abb. 3). – Datenquelle ist die vollständige Erfassung des Einkaufs der Apotheken vom vollsortierten pharmazeutischen Großhandel und eine Hochrechnung des sonstigen Einkaufs aus dem IMS Apothekenpanel mit 4.000 repräsentativ geschichteten Apotheken.

Drei Viertel der Menge entfallen auf aufsaugende Produkte (Windeln, Einlagen usw.), die sowohl bei Harn- als auch bei Stuhlinkontinenz eingesetzt werden. Die ableitenden Produkte, insbesondere Katheter, werden bei speziellen Indikationen eingesetzt. Nicht überraschend ist es, dass ableitende Produkte fast ausschließlich verordnet werden, da hier meist eine entsprechende Indikation vorliegt.

Aufsaugende Produkte: Hälfte ist Freiverkauf

Bei aufsaugenden Produkten in der Apotheke halten sich Rezept und Barverkauf die Waage. Wenn man hier weiter hinter die Kulissen schaut, verschiebt sich das Verhältnis zur Rezeptabgabe bei schwerer Inkontinenz, während leichte Inkontinenz stärker OTC-getrieben ist. Erstaunlicherweise spielt der Absatz über Versandapotheken eine absolute Nebenrolle. Weniger als 5 Prozent der Umsätze mit Inkoprodukten im Apothekenmarkt werden hier abgewickelt. Offensichtlich empfinden es Betroffene oder Angehörige nicht als übermäßig unangenehm, im Verkaufsraum der Offizinapotheke einzukaufen.

Bei den aufsaugenden Produkten bilden die klassischen Einlagen das größte Segment: knapp drei Viertel der Menge und 46 Prozent des Umsatzes. Die insbesondere für mobile Nutzer komfortableren Einweghosen und Slips sind teurer und werden vergleichsweise in geringerem Umfang eingesetzt.

Top-Hersteller

Die fünf Top-Hersteller bei aufsaugenden Produkten sind (in alphabetischer Reihenfolge:) Attends, Hartmann, Param, SCA und TZMO; bei den ableitenden Produkten dominieren in Apotheken B. Braun, Coloplast, Covidien, Teleflex und Wellspect.

Ableitende Produkte laufen im Klinikmarkt gut

Die Versorgung stationär aufgenommener Patienten in Akutkliniken zeigt einen Aufwärtstrend von 7 Prozent. Die Daten werden aus einem Panel mit ca. 320 Akutkrankenhäusern direkt aus den Warenwirtschaftssystemen entnommen und hochgerechnet.

Der hohe Anteil ableitender Produkte von mehr als 50 Prozent erklärt sich vor allem durch eine Katheterisierung nach Eingriffen. Aufsaugende Produkte kommen vor allem zum Einsatz, wenn Patienten stationär behandelt werden, die neben ihrer Erkrankung oder Verletzung, die zum Klinikaufenthalt führte, auch inkontinent sind.

Weitere Infos: Michael Poersch,
IMS Health, Tel. 0 69/66 04-44 02,
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