(MTD 9/2017) Azh-Analyse zu Orthesen

Primus Handorthesen

Orthesen gehören zu den Topsellern unter den Hilfsmitteln. Das liegt vor allem an der Produktvielfalt und den unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten. Von der Prävention im Freizeitsport über die Rehabilitation bei Verletzungen bis hin zur Erleichterung der Mobilität werden verschiedene Arten von Orthesen eingesetzt.

Steigende Verordnungszahlen

Anhand der Abrechnungszahlen von Orthesen lassen sich die Entwicklungen bezüglich Verordnungsverhalten und Preis ablesen. Die Auswertung beruht auf den Abrechnungszahlen der Jahre 2014 bis 2016 der Azh. Über 600 Hilfsmittelanbieter aus dem gesamten Bundesgebiet rechneten ihre Verordnungen für Orthesen während des Auswertungszeitraumes mit der Azh ab. Es wurden die neu gekauften Produkte (Hilfsmittelkennzeichen 00) der Produktgruppe 23 des Hilfsmittelverzeichnisses ausgewertet. 2016 wurden insgesamt 16,7 Prozent mehr Verordnungen von Orthesen mit den gesetzlichen Kostenträgern abgerechnet als im Jahr 2014 (Grafik 1).

Im Hilfsmittelverzeichnis sind die Orthesen nach unterschiedlichen Anwendungsorten („01 Vor- und Mittelfuß“ bis „29 Ganzkörper“) untergliedert. Unter allen abgerechneten Verordnungen der letzten drei Jahre lässt sich ein eindeutiger Gewinner, ein sogenannter Topseller, ermitteln: Handorthesen wurden mit Abstand am häufigsten verordnet, gefolgt von Orthesen für den Lendenwirbelsäulenbereich und fürs Sprunggelenk. Ebenso zählen Stützen fürs Knie- und Schultergelenk zu den Top 5 (Grafik 2).

Bei den Handorthesen ist vor allem die Produktart 23.07.02.4 beachtenswert: Diese Orthese wird zur Ruhigstellung bzw. Immobilisierung des Handgelenks in mindestens zwei Bewegungsrichtungen bei freier Beweglichkeit der Finger verordnet. Mit knapp 42 Prozent entspricht ihr Anteil fast der Hälfte der insgesamt abgerechneten Handorthesen. Der Durchschnittspreis blieb in den Jahren 2014 bis 2016 mit einer Steigerung von 0,94 relativ stabil. Die Daumenorthesen (23.07.01.1) liegen mit knapp 25 Prozent an zweiter Stelle. Bei diesen Produkten entwickelte sich der Durchschnittspreis seit 2014 jedoch um 1,14 Prozent leicht rückläufig.

Unterschiedlicher Trend bei Abrechnungspreisen

Die Preisentwicklung der Top-5-Orthesen zeigt – je nach Anwendungsort – unterschiedliche Tendenzen: Bei den Orthesen für das Knie konnte immerhin eine Steigerung von 11 Prozent ermittelt werden, bei Produkten für die Lendenwirbelsäule ein Plus von 6,5 Prozent. Auch bei Orthesen für das Schultergelenk war ein marginaler Anstieg erkennbar. Der durchschnittlich abgerechnete Preis für Produkte der Bereiche Sprunggelenk und Hand ist in den letzten drei Jahren dagegen leicht gesunken.

Weitere Grafiken in MTDialog 9/2017, S.55

Azh-Tipp

Jeder Vertragsarzt, sei es ein Allgemein- oder Facharzt, darf Hilfsmittel zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen. Die Verordnungen für Orthesen belas­ten – sofern sie unter Beachtung des Wirtschaftlichkeitsgebotes (§ 12 SGB V) ausgestellt wurden – das Arztbudget nicht. Die verordnenden Ärzte sind also nicht durch Rahmenvorgaben eingeschränkt. Informieren Sie Ihre Kunden beim Beratungsgespräch.

Aber: Wenn Orthesen ausschließlich vorsorglich, beispielsweise zum Schutz vor Verletzungen bei sportlicher oder beruflicher Betätigung genutzt werden sollen, darf die gesetzliche Krankenkasse die Kosten nicht übernehmen. In dem Fall muss der Versicherte die Kosten selbst tragen.

von Brigitte Lohwasser (Management Kassen/Kunden, Azh)
und Susanne Schneider (Marketing-Referentin, Azh)

Dieser Artikel wurde in der Fachzeitschrift MTDialog 9/2017 (MTD-Verlag) veröffentlicht.
Ein Probe-Abonnement MTDialog bestellen Sie hier.