(MTD 10/2017) QuintilesIMS-Analyse zu OPS-Prozeduren in Akutkliniken

Klammer-Nahtgeräte gefragt

Seit einigen Jahren sind Akutkrankenhäuser verpflichtet, in Qualitätsberichten die Anzahl der durchgeführten OPS-Prozeduren zu veröffentlichen. Der aktuell verfügbare Datenstand ist das Jahr 2015. Insgesamt sind in deutschen Kliniken knapp 20 Mio. Eingriffe vorgenommen worden (siehe Abb. 1).

Gut neun von zehn Operationen erfolgten dabei mit stationärer Aufnahme der Patienten. In 8 Prozent der Fälle wurde ambulant operiert. Abbildung 2 zeigt auf Basis der OPS-Codes, wie sich die Eingriffe verteilen. Operationen an den Bewegungsorganen und am Verdauungstrakt sind die häufigsten Kategorien. Auffällig ist, dass Eingriffe an Haut und Unterhaut eher stationär durchgeführt werden, Augen-OPs eher ambulant.

Deutlicher Zuwachs

Der Wundverschluss nach erfolgtem Eingriff erfolgt – außer mit klassischem Nahtmaterial – auch unter Verwendung von Klammergeräten. Die Verbrauchsdaten, die IMS in einem Panel von ca. 300 Akutkliniken aus den Warenwirtschaftssystemen erhebt und hochrechnet (IMS DKB), belegt einen aktuell steigenden Verbrauch.

Mit einer Steigerung von 10 Prozent gegenüber der Vorperiode sind im aktuellen Zeitraum mehr als 3,4 Mio. Geräte und Klammern verbraucht worden. 30 Prozent der Menge (ca. 1 Mio. Stück) sind Klammergeräte für die Haut, 3 Prozent (ca. 114.000 Geräte) für die interne Klammerung. Zwei Drittel der Gesamtmenge (ca. 2,3 Mio. Packungen) entfallen auf Klammern und Zubehör. Die Euro-Werte dieser Kategorien verteilen sich in anderer Weise: Die Geräte für die interne Klammerung machen ca. 70 Prozent der Kosten für die Krankenhäuser aus. Die fünf Top-Hersteller von Klammergeräten und Zubehör sind (in alphabetischer Reihenfolge) Aesculap, Covidien, Ethicon, IFM Gerbershagen und J&J Medical. Die übrigen Anbieter teilen sich etwa 20 Prozent der Menge und 7 Prozent des Umsatzes.

Millionen von Handschuhen

In Operationssälen werden aktuell 83,6 Mio. OP-Handschuhe pro Jahr verbraucht, das ist etwas weniger als in dem 12-Monatszeitraum zuvor. Der weitaus größte Anteil wird aus latexhaltigem Material gefertigt. Die latexfreie Alternative steigt anteilig leicht. Der höhere Preis macht sich beim Vergleich Absatz/Umsatz bemerkbar. Während mengenmäßig der Anteil aktuell bei 6,6 Prozent liegt, sind es 16,8 Prozent beim Umsatz.

Die führenden Anbieter von OP-Handschuhen sind Ansell, Paul Hartmann, Lohmann & Rauscher, Medline und Mölnlycke. Neun von zehn Handschuhen stammen von diesen Herstellern.

Gemessen am Verbrauch von Handschuhen insgesamt in der Klinik, stehen OP-Handschuhe für knapp ein Drittel der Kosten, in der Menge gehen sie jedoch im Vergleich zu einfachen Untersuchungshandschuhen nahezu unter: Hiervon werden etwa 40 Mal so viele angewendet.

OP-Abdecksysteme

Die Verbrauchsmengen von OP-Abdecksystemen in Akutklinken sind aus zwei Datenquellen gespeist. Der IMS DKB beinhaltet die hochgerechneten Verbräuche von Standardprodukten. Darüber hinaus gibt es im Markt individualisierte Sets, die nach Maßgabe einzelner Kliniken bzw. einzelner Operateure spezifisch zusammengestellt werden. Diese sind in den folgenden Betrachtungen einbezogen. Allerdings können sie nicht sinnvoll hochgerechnet werden, da nicht alle Kliniken in gleichem Maße individualisierte Sets einsetzen.

Preise unter Druck

Obwohl die Menge der verbrauchten Abdecksysteme aktuell um 17 Prozent zulegt, stagniert der Aufwand der Kliniken in Euro. Offensichtlich sind die Einkaufspreise unter Druck. Universalabdecktücher bilden mit 60 Prozent den größten Posten im Verbrauch, im Umsatz machen sie jedoch nur 9 Prozent aus. Allgemeine Sets und Sonderanfertigungen beanspruchen drei Viertel in der Betrachtung nach Wert.

Es ist sicherlich nicht überraschend, dass die Verbräuche in der Chirurgie und in der Anästhesie am größten sind. Hier wird etwa die Hälfte des Materials nach Wert eingesetzt. Von den übrigen Fachrichtungen sind mit einem signifikanten Anteil noch die Orthopädie mit 10 Prozent und die Urologie mit 8 Prozent zu nennen.

60 Prozent des Umsatzes vereinen die 5 Top-Anbieter (in alphabetischer Reihenfolge): Paul Hartmann, Lohmann & Rauscher, Medline, Mölnlycke und Sengewald.

Weitere Infos: Michael Poersch, QuintilesIMS, Tel. 0 69/66 04-44 02, E-Mail: michael.poersch@quintiles­ims.com

von Michael Poersch, Key-Account-Manager Med Tech bei QuintilesIMS (Frankfurt/Main)

Weitere Grafiken in MTDialog 10/2017, S. 57

Dieser Artikel wurde in der Fachzeitschrift MTDialog 10/2017 (MTD-Verlag) veröffentlicht.
Ein Probe-Abonnement MTDialog bestellen Sie hier.