(MTD 6/2018) Azh-Analyse zu Rollatoren

Abrechnung mit Kostenträgern

Als Rollatoren bezeichnet man „Vierrädrige Gehhilfen“, die als Untergruppe im Hilfsmittelverzeichnis in der Produktgruppe 10 (Gehhilfen) integriert sind. Aktuell (Stand 4/2018) sind 146 verschiedene Modelle im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes aufgeführt.

Diese Produkte haben sich als wertvolle Unterstützung für Menschen mit Gehbehinderungen bewährt. Die gesetzlichen Kostenträger übernehmen bei der Verordnung von Rollatoren meist nur die Kosten für Standardmodelle. Bei höherwertigen Rollatoren oder individuellen Wünschen müssen die Kunden, unabhängig von der gesetzlichen Zuzahlung, die Mehrkosten selbst tragen. In begründeten Einzelfällen, die vom Arzt detailliert auf der Verordnung vermerkt sein müssen – zum Beispiel bei schwerer Atemnot, Muskel- oder Gelenkerkrankungen – tragen die Krankenkassen die Kosten für besonders leichte Rollatoren oder auch erforderliche Zusatzausstattungen.

Da unterschiedliche vertrags- oder produktspezifische Details bei den Abrechnungsdaten nicht abgebildet werden, bezieht sich diese Analyse nur auf die siebenstellige Produktart 10.50.04.1 des Hilfsmittelverzeichnisses. Eine Differenzierung der Anzahl der abgerechneten Produkte ergibt sich durch die unterschiedlichen Schlüssel-Kennzeichen für Hilfsmittel, die nicht nur Neulieferungen, sondern z. B. auch (je nach vertraglicher Vereinbarung) Miete, Wiedereinsatz und Vergütungspauschalen (Erst- und Folgepauschalen) markieren.

Die Auswertung der Azh zeigt die allgemeine Entwicklung von Verordnungen innerhalb der Produktart 10.50.04.1 (Rollatoren) der letzten drei Jahre. Es wurden die Abrechnungszahlen einer repräsentativen Kundengruppe, die im Zeitraum von 2015 bis 2017 über die Azh Leistungen dieser Produktarten regelmäßig mit gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet hat, ausgewertet. Die 325 speziell für diese Analyse ausgewählten Sanitätshäuser und Orthopädietechnik-Fachhändler sind über das gesamte Bundesgebiet verteilt.

Leichte Abnahme

Die Anzahl der abgerechneten Verordnungen des Topsellers im Bereich mobile Gehhilfen hat in den letzten zwei Jahren geringfügig abgenommen. Pro Betrieb wurden letztes Jahr durchschnittlich 229 und damit nur 0,9 Prozent Verordnungen für Rollatoren weniger als im Jahr 2015 abgerechnet.2018_06-azh1 MTD-Verlag - (MTD 6/2018) Azh-Analyse zu Rollatoren

Die gesetzlichen Kostenträger vergüten den Großteil der Rollatoren über Fall- bzw. Versorgungspauschalen. Dagegen machen Mietmodelle einen verschwindend geringen Anteil am Gesamtvolumen aus. Während bei den Neulieferungen und der Folgevergütungspauschale die Frequenz innerhalb der abgerechneten Produktart leicht rückläufig war, stieg die Anzahl der abgerechneten Vergütungspauschalen und im Wiedereinsatz etwas an.

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Bei den am häufigsten abgerechneten Schlüsselkennzeichen Vergütungspauschale und Folgevergütungspauschale blieben die Preise weitgehend konstant. Beim Neukauf hingegen konnte ein Anstieg um 12,3 Prozent auf durchschnittlich 128 Euro pro Verordnung in den letzten zwei Jahren verzeichnet werden.

Vorsicht Absetzung

Absetzungen und Kürzungen seitens der Krankenkassen stellen ein Verlustrisiko für Betriebe dar. Vor allem bei hochpreisigen Produkten wie Rollatoren fallen diese deutlich ins Gewicht. Viele der häufigsten Absetzungsgründe lassen sich durch eine gewissenhafte Überprüfung der Verordnungen vermeiden.

So vermeiden Sie die zwei häufigsten Absetzungsgründe:

  • Es wurde ein falscher Preis abgerechnet: Achten Sie auf die Vorgabe der zum Zeitpunkt der Leistung gültigen, vertraglich vereinbarten Preise bzw. die Kostenzusage der Kasse. Auch fehlende oder falsche Hilfsmittelkennzeichen oder Produktbesonderheiten können zu einer falschen Preisermittlung führen.
  • Zuzahlungsbefreiung liegt nicht vor und/oder Eigenanteil wurde nicht in Abzug gebracht: Nur wenn ausdrücklich eine Befreiung von der Zuzahlung für Leistungen nach SGB V ausgesprochen wurde, ist diese vom Kunden nicht zu entrichten. Lassen Sie sich im Zweifelsfall den Befreiungsausweis vorlegen. Kann ein Patient keinen gültigen Befreiungsausweis vorweisen, muss die vorgesehene Zuzahlung in jedem Fall von Ihnen kassiert werden. Stellen Sie eine Quittung aus und informieren Sie den Pati­enten, dass er nachträglich direkt vom Kostenträger eine Rückerstattung fordern kann.
von Brigitte Lohwasser (Management Kassen/Kunden, Azh)
und Susanne Schneider (Marketing-Referentin, Azh)
Die Azh zählt zu den bundesweit führenden Abrechnungs- und IT-Dienstleistern im Gesundheitswesen. Seit über 30 Jahren ist der Geschäftsbereich der Noventi HealthCare GmbH spezialisiert auf die komplette Abrechnung von Leistungen und Rezepten mit gesetzlichen Krankenkassen, Pflegekassen, sonstigen Sozialversicherungsträgern sowie Privatpatienten. Mit diversen Zusatzdienstleistungen zu Abrechnung, Branchensoftwareprodukten und IT-Services bietet das Unternehmen Sonstigen Leistungserbringern im Gesundheitsmarkt vielfältige Lösungen an.

Dieser Artikel wurde in der Fachzeitschrift MTDialog 6/2018 (MTD-Verlag) veröffentlicht. Weitere Grafiken in MTD 2018/6, Seite 43.
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