Hilfsmittel- und Homecare-Branche punkten verstärkt

Diskutierten lebhaft mit den zugeschalteten Teilnehmern: die Hilfsmittelexperten von CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen. Moderatorin war Juliane Pohl, Leiterin Referat Ambulante Gesundheitsversorgung beim BVMed. Foto: BVMed

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(01/2021) Am Vorabend des 7. Homecare-Management-Kongresses lud der BVMed zur mittlerweile schon Tradition gewordenen Talk­runde mit den gesundheitspolitischen Experten der Bundestagsfraktion. Die Parlamentarier von CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen folgten der Einladung. Tenor: Die Hilfsmittelbranche generell und die Homecare-Sparte im Besonderen spüren noch die berühmte „Luft nach oben“, was das gesundheitspolitische Standing in der Bundespolitik angeht.

Aus Sicht von Dr. Roy Kühne (CDU/ CSU) muss die Politik die Belange der Hilfsmittel- und speziell auch der Home­care-Versorgung noch „weiter voranbringen“. Grundsätzlich verdiene dieser Versorgungsbereich – sowohl mit Blick auf die Leistungserbringer als auch die Patienten – „mehr Wertschätzung“. Er stimmt mit den Kritikern überein, dass der Home­care-Bereich „leider unterbewertet“ sei. Doch das wisse die Politik nicht erst seit Corona. Insofern verwies er auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen 2021: „Da lässt sich dieses Thema ja vielleicht platzieren.“ Dass die Homecare-Versorger bislang bei der Vergütung der Zusatzkosten für PSA leer ausgehen, hält er für „absurd“. Den Hype um das Thema „Digitalisierung“ hält er mit Blick auf den Home­care-Bereich für übertrieben: „Einen steigenden digitalen Anteil wird es geben, aber das Zwischenmenschliche wird der entscheidende Faktor bleiben.“ Chancen der Digitalisierung sieht er beim Bürokratieabbau.

Martina Stamm-Fibich (SPD) verwies darauf, dass speziell für den Hilfsmittelbereich in den „letzten vier, fünf Jahren“ auf politischer Ebene – und das partei-übergreifend – viel Positives bewirkt worden sei. Sie machte Mut: „Die Mitglieder im G-BA nehmen Homecare- und Hilfsmittelthemen sehr ernst. Wir sind auf einem guten Weg.“ Aber die Rahmenbedingungen, die die Politik setze, müssten auch eingehalten werden. Hier kritisierte sie, dass einige Kassen ihre Verpflichtungen zur Vertragsgestaltung aus § 127 SGB V nicht einhalten würden. „Die SPD will das BAS hier eng begleiten.“ Die Grundversorgung mit Hilfsmitteln müsse auf qualitativ hoher Ebene stehen. TSVG, HHVG und die jüngsten Nachbesserungen vom Frühsommer bildeten dafür die Grundlage. Sie ermunterte die Hilfsmittelakteure, Probleme bei Vertragsverhandlungen mit den Kassen an die Politik weiterzuleiten. „Die Politik kann nur reagieren, wenn sie weiß, wo es klemmt.“ 

Auch für Dr. Wieland Schinnenburg (FDP) steht es außer Frage, dass der Home­care-Bereich mehr Aufmerksamkeit vonseiten der Politik verdient. Er kritisierte stark die Tatsache, dass Sanitätshaus- und Homecare-Bereich in Zeiten der Corona-Pandemie keinerlei Unterstützung erfahren: „Homecare-Unternehmen müssen genauso behandelt werden wie Ärzte und Krankenhäuser.“ Dass Homecare-Unternehmen bei PSA keine Erstattung der Kosten bekämen, sei „ein schwerer Fehler“.

Maria Klein-Schmeink (Bündnis 90/ Die Grünen) bescheinigte den Regierungsparteien, speziell im Hilfsmittelbereich einiges erreicht zu haben. Gleichwohl bestehen nach wie vor Probleme in der Umsetzung – sowohl auf Leistungserbringer- als auch Patientenseite –, gab sie zu bedenken. Generell dürfe der Homecare-Bereich nicht länger als „Anhängsel an Produkte“ verstanden werden: „Homecare ist ein eigen­ständiger Versorgungssektor. Er ver­dient mehr Einbindung und Wertschätzung.“ Mit Blick auf die Chancen der Digitalisierung im Versorgungsprozess plädierte sie dafür, „digital nicht abstrakt, sondern versorgungsgebündelt“ zu denken. Hier sollten sich Sanitätshaus- und Home­care-Bereich „konzeptionell mit einbringen“. Generell müssten die Versorgungswege in Form von Versorgungspfaden strukturierter und transparenter werden: „Das erfordert einen erweiterten telemedizinischen Ansatz. Und dann denkt man automatisch nicht nur über Produkte, sondern auch über Versorgungen nach“, so Klein-Schmeink. 

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